Kreis: Tourismus-Boom verblüfft Kommunen

Kreis: Tourismus-Boom verblüfft Kommunen

Freude im Kreis: Die Zahl der Übernachtungen ist 2017 um sechs Prozent gestiegen. Besonders groß war der Zuwachs in Hamminkeln und Kamp-Lintfort. Xanten gewinnt leicht. Rheinberg und Sonsbeck etwas mehr. Alpen verliert.

wesel Die Tourismus-Bilanz des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) bescheinigt dem Kreis Wesel für 2017 ein solides Wachstum. Während 2016 noch 724.607 Gästeübernachtungen zu verbuchen waren, bilanziert IT.NRW für das vergangene Jahr 771.233 Übernachtungen (+ 6,4 Prozent). Auch die Zahl der Gästeankünfte ist um 7,3 Prozent auf 414.804 gestiegen. Da sich die Statistik nur auf Betriebe mit mindestens zehn Betten bezieht, werden Ferienwohnungen und kleinere Pensionen nicht mitgerechnet. Die exakten Tourismus-Zahlen werden somit nicht komplett abgebildet.

"Der Niederrhein erfreut sich größter Beliebtheit bei Tagestouristen. Das schlägt auch auf das Hotel- und Gaststättengewerbe durch", sagt Ullrich Langhoff im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Inhaber des Weseler Restaurants Lippeschlösschen ist Kreisvorsitzender der Dehoga, dem Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband für das Gastgewerbe. "Die Radwegsituation ist gut, ich bin mehr als zufrieden", betont er. Wichtig sei es nun, keine Überkapazitäten zu schaffen. "Wir haben eine Auslastung der Betriebe von beinahe 70 Prozent, das ist wirtschaftlich gut", sagt Langhoff. Weiterhin problematisch sei die Mitarbeiter-Situation, hier mache sich der Fachkräftemangel bemerkbar.

Spitzenreiter im kreisinternen Ranking ist die Stadt Wesel mit 176.649 Gästeübernachtungen (+ 3,7 Prozent), gefolgt von Xanten (139.945/ + 0,7 Prozent) und Moers (109.160/ - 0,5 Prozent). Betrachtet man den Datensatz des Statistischen Landesamtes genauer, stechen jedoch zwei weitere Städte im Kreisgebiet besonders hervor. Kamp-Lintfort verzeichnete 2017 37.268 Gästeübernachtungen (+ 29,9 Prozent). In Hamminkeln ist die entsprechende Zahl sogar um 32,5 Prozent auf 53.626 Übernachtungen angestiegen. 8723 von diesen erfolgten durch Gäste aus dem Ausland (+ 144,3 Prozent), die im Schnitt 5,7 Tage vor Ort blieben (2016: 2,6).

Dieses außergewöhnliche Wachstum kann man sich auch in Hamminkeln nicht wirklich erklären. "Ich wüsste keine Attraktion in der Stadt, die besonders ausländische Gäste anlocken würde", sagt Thomas Michaelis, der bei der Stadt für Tourismusförderung zuständig ist. Er vermutet einen Zusammenhang mit den Zuwandererzahlen. Die Stadt hatte wohl mehr Flüchtlinge, als sie nach dem Verteilungsschlüssel des Landes hätte aufnehmen sollen. "Vielleicht haben sich Flüchtlinge und deren Angehörige vermehrt in die Hotels der Stadt eingebucht", mutmaßt er.

  • Kreis Wesel : Tourismus-Boom verblüfft Kommunen

Ratlosigkeit herrscht auch bei der Stadt Kamp-Lintfort. Sonja Kadesreuther vom Amt für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung erkennt einen positiven Gesamttrend. "Im allgemeinen wächst der Tourismus in der Region", sagt sie. Warum der Anstieg in Kamp-Lintfort allerdings derart groß ist, kann sich Kadesreuther auch nicht erklären. "Immer wieder kommen Gruppen nach Kamp-Lintfort, das hat merkbar zugenommen", sagt sie. Wellings Parkhotel als größter Betrieb vor Ort habe bereits die Bettenanzahl erhöht. Da die Erweiterung erst zum 1. September erfolgte, dürfte dies allerdings keinen großen Einfluss auf 2017 gehabt haben.

Keine großen Sprünge hat auch Sabine van der List, Geschäftsführerin der Tourist Information Xanten (TIX), erwartet. Demnach ist sie mit den aktuellen Zahlen (+0,7) zwar zufrieden. "Aber wir wollen natürlich immer besser werden. Mehr Übernachtungen können wir nur durch mehr Betten erreichen", sagt van List. Damit thematisiert sie indirekt das neue Hotel, das vor den Toren der Stadt gebaut werden soll. "Ich hoffe wirklich, dass das auch klappt", sagt van List, die sich zudem einen Wellness-Bereich wünscht. "Das fehlt in Xanten - gerade in der kälteren Jahreszeit."

Freude über den Tourismus-Boom im Kreis Wesel herrscht auch bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), verbunden jedoch mit einem klaren Appell. "Damit Besucher auch gern wiederkommen, brauchen wir jedoch mehr geschultes Fachpersonal. Minijobber allein stemmen keinen Boom", appelliert Hans-Jürgen Hufer.

(RP)