Xanten: Tolle "SpielLust"-Premiere: Wenn große Fische baden gehen

Xanten: Tolle "SpielLust"-Premiere: Wenn große Fische baden gehen

Regisseur Ludger Terlinden und sein Ensemble wagt sich mit der Sozialsatire "TopDogs" einmal mehr erfolgreich an ein ernstes Thema.

Das Theater "SpielLust" hat bei der Premiere der Sozialsatire "TopDogs" von Urs Widmer in der Mensa des Xantener Stiftsgymnasiums erneut unter Beweis gestellt, ernste Themen überaus unterhaltsam in Szene setzen zu können. Immerhin handelt das preisgekrönte Stück von sieben Menschen, denen per Kündigung der Boden unter den Füßen weggerissen wurde und die sich nun in einer Outplacement-Agentur versammeln, um wieder für den harten Arbeitsmarkt fit gemacht zu werden. Weil es sich bei den Leidtragenden aber um absolute Top-Manager handelt, hält sich das Mitleid der knapp 200 Premierengäste in Grenzen. Zumal das Ensemble von Beginn an ein aberwitziges Psychogramm der Figuren zeichnet. "Der Markt braucht Monster", erklärt etwa Urs Bihler (Thomas Bruns-Heiwegen), der gerade erst auf erniedrigende Weise geschassten Mitarbeiterin Friederike Wündrich (Martina Recke) und vergleicht den globalisierten Wettbewerb sogar mit dem Vietnamkrieg. Workaholic Dodo Deer (Hans West) hingegen hat noch gar nicht mitbekommen, dass er arbeitslos ist. Während Trainerin Anke Weiss-Zillich (Tanja Guhe-Kreutz) ihn allmählich von seinem Realitätsverlust befreit, verharren die anderen Schauspieler im Hintergrund in ihren Bewegungen. Sie bleiben rat- und tatenlos zurück und geben der Aufführung damit den passenden sinnbildlichen Rahmen.

Eines der vielen Details, die Regisseur Ludger Terlinden hervorragend umgesetzt hat. Das Stück lebt von der Wandlung der Figuren. Anfangs noch im Managermodus zeigt die harte Schale der Teilnehmer immer mehr Risse und offenbart schließlich die ganze Armseligkeit von Menschen, die den Schein wahren müssen aus Angst vor sozialer Ächtung. So bekennt Julia Jenkins (Simone Gietmann), den ganzen Tag in Kinos verbracht zu haben, weil ihr Mann nichts von der Kündigung erfahren sollte. "Aber der wusste das schon längst von einer Nachbarin. Die ist Hausfrau, wie er." Sätze wie dieser machen humorvoll die Fallhöhe deutlich, während Spiele mit vertauschten Rollen den Probanden im Trainingslager den Spiegel vorhalten sollen. Dem eingebildeten Ex-Manager Michael Neuenschwander (Ludger Wördehoff) beispielsweise blieb die Spucke weg, als Jenkins ihn genussvoll imitiert: "Meine Frau, dieses an keiner Börse notierte Wesen, erwartet von mir, dass ich den Müll herunterbringe." Zum Schluss des Seminars darf jeder seine geheimen Träume loswerden. Während Neuenschwander seinen Chef gerne in eine Gletscherspalte stürzen sehen würde, zeigte sich Dodo Deer geläutert: "Ich möchte gar nicht mehr zurück in die Managerwelt, würde viel lieber Tierwärter sein und mich um Gorillas kümmern."

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Einen echten Kracher gab es dann zum Finale, als Ludger Wördehoff sich Jackett und Hemd vom Leib reißt, ein Mikrofon schnappt und den Queen-Hit "I want to break free" anstimmte. Lohn der Aufführung war ein begeisterter Schlussapplaus des Publikums.

(erko)