Sonsbeck: Stolpersteine für Opfer aus St. Bernardin

Sonsbeck: Stolpersteine für Opfer aus St. Bernardin

Die 19 Messingplatten auf den Steinen tragen die Namen der Mädchen und Frauen, die 1941 aus der Wohnanlage in die Heilanstalt Bedburg-Hau zwangsverlegt wurden. Gestaltet hat die Platten Gunter Demnig.

Die eigene Geschichte sichtbar machen: Am 9. November gedachten viele des Mauerfalls, und auch die Reichspogromnacht mit der Judenverfolgung wurde vielfach thematisiert. Die Wohnanlage St. Bernardin in Kapellen arbeitete gleichzeitig ein Stück eigene Vergangenheit auf.

Der Frechener Künstler Gunter Demnig verlegte noch am frühen Morgen 19 Stolpersteine vor dem Eingang der Anlage. Die Messingplatten auf den Steinen tragen die Namen der Mädchen und Frauen, die am 24. Juli 1941 von der Einrichtung in die Rheinische Heilanstalt Bedburg-Hau zwangsverlegt wurden. Manche der jungen Frauen starben dort, die anderen wurden schließlich nach Altscherbitz in Sachsen gebracht, von wo sie nicht mehr zurückkamen. Dass nicht noch mehr der Bewohner der sich selbst versorgenden Wohneinrichtung von den Nazis weggebracht wurden, lag an der Möglichkeit des Hausarztes, viele der Mädchen als arbeitsfähig einstufen zu können.

Vor anderthalb Jahren wurde das Projekt nach einer großen Feier des langjährigen Bestehens der Einrichtung aufgegriffen. Dabei fiel die Wahl der Denkmalart schnell auf Demnigs Stolpersteine. "Mit den Steinen werden wir einfach den einzelnen Menschen gerechter. Uns war wichtig, die Namen der Mädchen nicht zu vergessen", führte Thomas Wilmsen, pädagogischer Leiter der Einrichtung, aus. Bei seiner Recherche zu den Schicksalen der teils stark behinderten Mädchen erfuhr Wilmsen ausgesprochene Hilfsbereitschaft und gute Archivzustände in den anderen Einrichtungen. So konnte bis auf zwei Personen von allen die Todesart und der Aufenthaltsort herausgefunden werden. "Auch wenn keins der Zwischenlager ,Euthanasie' betrieb, so sind die Mädchen, die teilweise erst 13 Jahre alt waren, doch durch Unterversorgung und Krankheit umgebracht worden", erläutert Wilmsen die Wortwahl auf den Platten. Während der Vorbereitungsphase stand die Einrichtung St. Bernardin im steten Kontakt mit dem Büro des Künstlers. Textvorschläge und Vorgaben für die Einlassung wurden so ausgetauscht.

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50 Minuten nach dem Einlassen des ersten Steins schloss Gunter Demnig im Beisein einiger Bewohner des Hauses, Angehöriger und Bekannter die Fugen der neuen Fläche. In stiller Arbeit ist eine Art Schachbrettmuster entstanden. Schwarze Steine, uneben und ungleichmäßig groß, heben sich von der glatten, schwarzen Steinfläche des Grundstücks hab. Sie umrahmen hellgraue Steine, die Gunter Demnig im Wechsel mit den 19 golden glänzenden Platten in den Boden eingelassen hat.

Die Wahl des Materials für sein Projekt "Stolpersteine" fiel Demnig leicht: "Die Platten weisen kaum Abnutzung auf, egal, wie stark sie beansprucht werden." Optimal also für ein Denkmal.

Es gibt in St. Bernardin noch Bewohnerinnen, die den schrecklichen Tag der Deportation ihrer Mitbewohnerinnen vor mehr als 70 Jahren miterlebt haben, jedoch ist keine genaue Erinnerung mehr vorhanden. Nun werden die Stolpersteine eine mahnende Erinnerung für alle Besucher der Wohnanlage St. Bernardin, und das in würdiger Form.

(RP)
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