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Frau aus Xanten berichtet So läuft eine Stammzellenspende ab

Xanten · Was passiert bei einer Stammzellenspende? Jennifer Kraemer aus Wardt hat im September ihre Stammzellen gespendet – und erklärt, wie das Ganze abläuft. Bald erfährt sie, ob ihre Spende helfen konnte.

Aus den Abstrichen der Wangenschleimhaut werden im Labor Gewebemerkmale typisiert.

Aus den Abstrichen der Wangenschleimhaut werden im Labor Gewebemerkmale typisiert.

Foto: dpa/Robert Michael

Alles begann mit einem Lolli. Fünf Jahre später hat Jennifer Kraemer aus Wardt jemandem möglicherweise das Leben gerettet.

Registrierung Im Sommer 2018 registrierte sie sich über die Aktion „Lolli lecken – Leben retten“ der Freien Bürgerinitiative Xanten (FBI) in der Spenderkartei der Knochenmarkspenderzentrale des Uniklinikums Düsseldorf (KMSZ). Die Lollis befinden sich auf einem Wattestäbchen, die dann zur Typisierung von Stammzellen benutzt werden.

Vorbereitung Diesen Sommer bekam Kraemer dann eine E-Mail: Sie komme als mögliche Spenderin in Frage. „Ich war richtig erstaunt“, sagt sie. Zunächst musste sie einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen, und ihr musste Blut abgenommen und untersucht werden – um sicherzugehen, dass sie wirklich die am besten passende Spenderin war. Einen Monat nach der ersten E-Mail hatte sie das erste Vorgespräch, wo ihr der Ablauf der Stammzellenspende erklärt wurde, sowie eine Voruntersuchung, bei der ihr wieder Blut abgenommen wurde. Zur Vorbereitung musste sie sich einige Tage vor der Spende selbst eine Injektion setzen – „damit täuscht man dem Körper vor, dass man eine Infektion hat“, sagt sie. „Dadurch bilden sich vermehrt Stammzellen und werden ins Blut gedrückt.“ Sich selbst die Injektion zu setzen, kostete sie Überwindung. „Man kann es aber auch vom Arzt machen lassen“, sagt sie. Die Wirkung habe sie ziemlich schnell gemerkt. Es sei aber aushaltbar gewesen und habe sich angefühlt „wie eine Erkältung“.

Stammzellenspende Dann ging es zwei Monate nach der ersten Kontaktaufnahme zum Universitätsklinikum Düsseldorf, Peter Hilbig von der FBI Xanten brachte Jennifer Kraemer persönlich hin. „Es wurden noch ein EKG und ein Ultraschall gemacht“, sagt die 43-Jährige. Zum Schluss hatte sie noch ein Gespräch mit einem Arzt.
In den meisten Fällen können Stammzellen mittlerweile aus dem Blut statt aus dem Knochenmark entnommen werden. So auch bei Kraemer. Dabei wird Blut, ähnlich wie bei einer Blutspende, über einen Zugang in der Armvene entnommen – bei der Stammzellenspende wird es über einen zweiten Zugang in die Armvene des anderen Arms zurückgeleitet. Die Stammzellen werden mit einem Zellseparator aus dem zirkulierenden Blut getrennt. Vier Stunden habe das Verfahren bei Kraemer gedauert, was in der Regelzeit liegt. „Man
kann aber zwischendurch auf Toilette und bekommt Essen und Trinken“, sagt sie. Podcasts oder Musik hören und Fernsehen schauen helfe, die Zeit zu vertreiben. „Irgendwann tut es dann etwas weh“, sagt sie, aber dann könne man den Arm
wechseln.

Insgesamt will Jennifer Kraemer „ein großes Lob“ loswerden: „Es geben sich alle große Mühe, dass man sich wohl fühlt.“ Ihre Stammzellenspende ging an eine Frau in den USA. Mehr weiß sie aktuell nicht. Normalerweise dürfen sich Spender und Empfänger zwei Jahre nach der Spende direkt kontaktieren, vorher geht das nur anonym. Ob der Körper der Empfängerin ihre Stammzellen wirklich angenommen habe oder nicht, erfährt sie wahrscheinlich im Januar. Ihr Fazit: Sie würde es ohne Zweifel wieder tun. „Man weiß, wofür man das macht“, sagt sie. „Und man kann ja auch selbst mal in die Bredouille kommen und eine Spende brauchen.“

(ckoe)
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