Amplonius-Gymnasium Rheinberg: Gedenkfahrt: Schüler beschreiben ihre Gefühle im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz

Amplonius-Gymnasium Rheinberg : Gedenkfahrt: Schüler beschreiben ihre Gefühle im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz

Und dann betrittst du diesen Raum. Du siehst die Haare. Aufeinandergetürmt, meterlang, mittlerweile verfilzt. Daneben ein Raum voller Schuhe in allen Größen. Auch Kinderschuhe. Schlichte sowie aufwendig gefertigte. Manche kaputt, andere fast wie neu. Wessen Haare sind das? Wem gehörten die Schuhe? Spätestens jetzt begreifst du, dass du nicht nur in einem Museum bist, sondern an einem Ort, an dem Menschen vor etwa 75 Jahren alles genommen worden ist. Den meisten auch ihr Leben.

Du bist im Stammlager: Auschwitz I. Heute, zusammen mit Birkenau (oder Auschwitz II), eine Gedenkstätte, zur Zeit des Nationalsozialismus' das größte Konzentrations- und Vernichtungslager. Schätzungen zufolge sind dort und in den Nebenlagern etwa 1,1 Millionen Menschen, hauptsächlich jüdischer Abstammung, ermordet worden.

Zum fünften Mal nahmen 37 Schüler des Amplonius-Gymnasiums an der Studienfahrt in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau teil. Ein Touristenbesuch? Tatsächlich ist die Gedenkstätte, glaubt man "Tripadvisor", eine der beliebtesten "Aktivitäten" in Polen. Entsprechend auch das Verhalten einiger Besucher: Laute Gespräche, Lachen, Selfies vor dem Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei". Darf man das? Und warum ist man selbst eigentlich da? Wie war Auschwitz möglich? Wieso wurde der Holocaust nicht verhindert? Warum haben so viele weggeschaut?

Die Gründe mögen vielfältig gewesen sein, einer davon vermutlich mangelnde Betroffenheit. Und hier setzt der Gedenkstättenbesuch an.

An den Wänden hängen die Fotos, die von den Häftlingen bei der Einlieferung gemacht worden sind, nachdem sie geschoren und tätowiert wurden und sie ihre Alltags- gegen gestreifte Häftlingskleidung eintauschen mussten. Du siehst in verunsicherte, ängstliche, aber auch trotzige Gesichter. Darunter der Name, das Einlieferungs- und Sterbedatum. Viele lebten nur wenige Wochen. In Block 21 sind Kinderzeichnungen an der Wand: Prügelnde SS-Männer, Menschen, die am Galgen hängen. In Birkenau gehst du denselben Weg, den Hunderttausende gegangen sind, von der "Rampe", an der die Selektionen stattfanden, zu den Gaskammern, die kurz vor Ende des Krieges von der SS zerstört worden sind. In der "Sauna" dann eine Ausstellung von Fotos, die nach der Befreiung gefunden worden sind: Paare, Kinder, Familien. Menschen, die in die Kamera lächeln. Menschen wie du und ich. Dir wird klar: Du kannst den Holocaust nicht begreifen. Und du kannst ihn auch nicht ungeschehen machen. Aber du kannst Verantwortung übernehmen, damit in Zukunft Ausgrenzung und Entrechtung nicht wieder zum politischen Programm werden.

(RP)