St.-Maria-Magdalena-Kirche in Sonsbeck ist schwer baufällig

Sakrale Bauprojekte in Sonsbeck : Ein Riss geht durch die Kirche

Marodes Mauerwerk und undichte Fenster – nur zwei der vielen Baustellen in St. Maria Magdalena. Doch die Kassen sind leer.

Pastor Günter Hoebertz plagen Sorgen. Der 50-Jährige ist Priester durch und durch – und eigentlich kein Bauherr, Restaurator oder Finanzexperte. Doch seit ihm am 14. September 2014 die Leitung der Sonsbecker Pfarrei St. Maria Magdalena übertragen wurde, sind Gespräche mit Vertretern dieser „Zünfte“ an der Tagesordnung: Erst der Umbau des Pfarrhauses, dann der Neubau des Pfarrheims und ein ständiger Blick auf die vier Gottesdiensträume der Gemeinde. St. Mariä Himmelfahrt, St. Marien in Labbeck, St. Antonius in Hamb, die Gerebernuskapelle – sie alle stehen unter Denkmalschutz. Das ist für eine 4700-Seelen-Gemeinde nicht nur ein Segen, sondern auch eine Herausforderung.

Jüngstes Beispiel: Der Giebel von St. Marien, einer Kirche, die nach jahrelangen Bemühungen im Jahr 1868 nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht worden war. Inzwischen brechen an der Westfront des Bauwerks immer mehr Fugen heraus, der obere Teil der Steine ist weiß. „Es hat den Anschein, dass ein Teil des Gemäuers abgefroren sein könnte“, erklärte Hoebertz noch Anfang Februar. Jetzt aber, so atmet der Pfarrer auf, haben Leiter der Xantener Dombauhütte, Johannes Schubert, und ein Statiker Entwarnung gegeben: Der Giebel ist standsicher.

Das bleibt er aber nur, wenn etwas getan wird. Schubert kann seinen Zollstock durch die Fugen ziehen: Früher wurde viel mit Sand gebaut. Teile des Tuffstein-Maßwerks an den Außenpfeilern haben sich offensichtlich gelockert. Das Fenster muss raus, weil die eisernen Fassungen rosten und den Stein sprengen. Edelstahl muss her, wie bei den anderen Kirchenfenstern, die schon vor drei Jahren dran waren. Die Arbeiten seien einfach, aber es müsse schnell gehen, wissen auch Andreas Henkel von der zuständigen Baugruppe des Generalvikariats und Architekt Marko Lenk aus Dinslaken, der derzeit die Kosten ermittelt.

Ein großer Riss zieht sich durch die gesamte St.-Maria-Magdalena-Kirche. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Das gilt auch für „das größte bauliche Sorgenkind der Gemeinde“ (Hoebertz) – der im Jahr 1432 eingeweihten Pfarrkirche. Die dreischiffige gotische Backstein-Basilika „bröckelt“ an allen Enden. Hoebertz, vor seiner Sonsbecker Zeit Pfarrer der Großgemeinde Goch, verweist auf einen im Mauerwerk der Sakristei beginnenden Riss, den Kirchenbesucher in voller Ausdehnung im Chorraum zu Gesicht bekommen. Er setzt sich über das Gewölbe bis zur anderen Kirchenseite und von dort aus wieder ins Mauerwerk fort. „Und er wird immer größer“, beobachtet Hoebertz mit wachsendem Argwohn: „Wir haben Angst, dass uns der gesamte Chorraum wegkippt.“ Ist das vor Jahren erneuerte Dach zu schwer? Hoebertz zuckt die Achseln: „Danach kamen offensichtlich die Risse.“ Aber noch sei alles Spekulation.“

Eigentlich sollte die Zeit der Gedankenspiele längst vorbei sein. Aber die Bauverzögerungen beim neuen Pfarrheim machten diese Pläne erst einmal zunichte. Und damit mussten auch die anderen Renovierungsarbeiten verschoben werden. Die Heizung, so Hoebertz, müsse dringend erneuert werden. Mit der nach dem Krieg installierten Gasheizung mit ihrem nur noch „geduldeten“ Uraltkessel „heizen wir wie wild Geld aus dem Fenster“, sagt der Pfarrer. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Unter dem Marienfenster am Seitenausgang lassen sich Scheckkarten mühelos hindurchschieben. Während Kanalanschluss und Dachentwässerung im Zuge des Pfarrheim-Baus erneuert wurden, kann der Regen die Nordseite der Kirche ungestört angreifen. Hoebertz: „Dann bilden sich Pfützen in der Kirche. Das Mauerwerk ist feucht.“

Pfarrer Günter Hoebertz betrachtet die Entwicklung mit Sorge (o.). Ein Riss (l.) geht durch das gesamte Mauerwerk. Und auch die Fenster (r.) müssen dringend erneuert werden. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Als dann auch noch in dieser Umgebung die Steckdosen ausfielen, wurde es nochmal heftig. Hoebertz: „Kabel sind angefault, die gesamte Elektrik ist zusammengestückelt und endet an unterschiedlichen Sicherungskästen mit Schmelzsicherungen.“ Dass dann auch gleich die Lautsprecheranlage mit erneuert werden sollte, gehört schon fast zu finanziellen Nebensächlichkeiten. Die heutigen Lautsprecher sind in Reihe geschaltet. Wer einmal einen Gottesdienst in den hintersten Reihen erlebt hat, weiß um den „Genuss der Töne“, die sich da zu knubbeln scheinen.

„Ach ja, und eine neue Lied-Anzeige wäre auch nicht schlecht“, denkt der Pastor laut nach und grinst: „Das wäre eine Maßnahme, die die Gemeinde auch selbst stemmen kann.“ Nach den notwendigen Bauten der vergangenen Jahre ist die Kasse – mit Ausnahme des Teils für die Pfarrei-Ausgaben – leer. Hoebertz, der sich mit der Berufung zum „Baupfarrer“ längst arrangiert hat („In, mit und für eine Gemeinde zu leben, heißt auch, sich für sie einzusetzen und irgendwie auch ein annehmbares Kirchenleben zu entwickeln“), kann da nur auf möglichst hohe Zuschüsse des Bistums hoffen. „Unseren Eigenanteil müssen wir dann abstottern.“

Noch rechnen die Architekten, und über die Zahl der Nullen in der Summe will Hoebertz gar nicht nachdenken. Denn eine Alternative sieht der Pfarrer nicht: „Die Kirche muss im Dorf bleiben, sonst können wir einpacken.“

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