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Xanten/Sonsbeck: Ungewisse Ziele für die Leichtathleten

Corona-Krise wirbelt den Wettkampf-Kalender durcheinander : Ungewisse Ziele für die Leichtathleten

Derzeit ist unklar, wie die Qualifikationsvorgaben für die Deutschen Meisterschaften aussehen. Fraglich ist, ob die Jugend-DM überhaupt stattfinden wird. Fünf Xantener Mehrkämpfer wären jedenfalls gerne dabei.

Bevor die Coronavirus-Pandemie auch den Leichtathletik-Kalender durcheinander gewirbelt hat, blickte Werner Speckert voller Enthusiasmus der Freiluft-Saison entgegen. Der Trainer des TuS Xanten war guter Dinge, dass sich fünf Mehrkampf-Schützlinge aus seiner Gruppe für die DM der Altersklassen U 18 und U 20 in Ulm qualifizieren würden.

Franziska Schuster hatte sich zudem fest vorgenommen, die Norm für die nationalen Titelkämpfe der Frauen in Braunschweig zu schaffen. Jetzt, Anfang Juli, ist nicht alles, aber vieles anders. Speckert hat Mühe, die Athleten zu motivieren, weil die Zielsetzungen fehlen und die Verbände keine klaren Ansagen machen.

„Die aktuelle Situation ist sehr demotivierend“, sagt der erfahrene Coach. Die Meisterschaften auf Nordrhein- und Regions-Ebene sind abgesagt. Die abgespeckte Not-DM in Braunschweig findet am 8./9. August statt. Zum Qualifikations-Modus hat sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) immer noch nicht geäußert. Die Jugend-DM in Ulm wurde in den September verschoben. Auch da steht nicht fest, wie sich der Nachwuchs einen Startplatz sichern kann. „Ich finde es fatal, dass uns die Verbände im Ungewissen lassen“, sagt Speckert. Seine Ehefrau Martina, Vorstandsmitglied der Region Nord, hat erfahren, dass die Entscheider beim DLV in dieser Woche eine wichtige Sitzung haben. „Anschließend wird dann hoffentlich mal was zu den Qualifikationsmodalitäten gesagt“, sagt Werner Speckert.

Es gebe Spekulationen, dass womöglich die Bestenlisten aus 2019 darüber entscheiden, wer bei der Deutschen Meisterschaft 2020 antreten darf. Womöglich spielt aber auch das Abschneiden der vergangenen Hallen-DM eine Rolle. „Das wären für mich unfaire Lösungen. Meiner Meinung sollten sich die Athleten bei den Wettbewerben qualifizieren, die jetzt wieder nach und nach ausgerichtet werden“, sagt der Coach. Er verweist auf Anna-Lena Berninger, die im vergangenen Jahr noch im W-15-Alter, überdies wegen einer Verletzung lange ausgefallen war und daher gar keine Ergebnisse für eine Teilnahme bei der U-18-DM vorweisen könne.

Speckert wird mit Berninger, Schuster, Nicolas Mayer, Karla Dohmen sowie Pauline Jockweg am 11. Juli zu einem Meeting nach Dortmund fahren. Es ist der erste Härtetest der Saison. Ende dieses Monats soll das Quintett, das bei der DM in Ulm antreten möchte, beim Sprinttag in Zeven gute Resultate abliefern. Sollten die Xantener Mehrkämpfer bei der Meisterschaft dabei sein können, dann ohne Druck, sondern nur just for fun, wie Speckert betont. Die Ernsthaftigkeit sei in dieser Saison außen vor. „Es geht mehr um die Erfahrungswerte, die man bei so einer Großveranstaltung sammeln kann.“

Das Meeting am 11. Juli in Dortmund steht bei Rahel Brömmel vom SV Sonsbeck ebenso im Kalender. Auch die Läuferin, die Ende dieses Monats ihren 18. Geburtstag feiert, möchte bei der DM in Ulm antreten – und zwar über 3000 Meter. Ob es klappt, weiß die Abiturientin nicht. Sie trainiert jedenfalls darauf hin. Als Vorbereitung dient sicherlich auch der Termin in Leipzig für U-20-Langläufer, die dem nationalen Perspektivkader angehören. Brömmel verbringt eine Woche in der Messestadt, wo der DLV eng mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft zusammenarbeitet. Ihr Heimcoach René Niersmann ist gespannt, ob seine Athletin im September nach Ulm zur DM fährt: „Ich habe mit zwei Bundestrainern gesprochen, die auch nicht wussten, ob es die Meisterschaft in diesem Jahr gibt oder nicht.“

Ebenfalls noch nicht fest steht, ob der SV Sonsbeck am 19. Juli ein Läufer-Abend ausrichten darf. „Wir möchten gerne unseren und anderen Athleten eine weitere Möglichkeit geben, unter Wettkampfbedingungen zu laufen“, sagt Niersmann.