1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten
  4. Sport Xanten und Rheinberg

Reitsport: Werth traut Bella Gigolo-Nachfolge zu

Reitsport : Werth traut Bella Gigolo-Nachfolge zu

Die Dressurreiterin aus Rheinberg startet mit der zehnjährigen Stute beim CHIO in der Großen Tour. Auch Don Johnson und Lezard möchte sie in Aachen satteln. Mit der deutschen Equipe soll im Nationenpreis die Goldmedaille her.

Irgendwann fielen Isabell Werth diese unverkennbaren Blicke auf. Das Verhalten sprach für sich. Don Johnson hat sich verliebt. Auserwählte war Bella Rose in der Box nebenan. Das Werben von Johnny wurde immer heftiger. Die Weltklasse-Dressurreiterin reagierte und stellte Lezard dazwischen. "Als den Neutralisierer", sagt die Rheinbergerin, die genau diese drei Pferde in dieser Woche beim Aachener CHIO vorstellen wird. Für die Große Tour hat sich in der vergangenen Monaten Bella empfohlen. Mit der zehnjährigen Stute möchte Werth in der Soers in den WM-Kader reiten.

Die fünfmalige Olympiasiegern sitzt an ihrem Schreibtisch und lächelt, als sie über die erste Sichtung zu den Weltmeisterschaften in Perl spricht. Das junge Ausnahmepferd hatte die Richter im Grand Prix Special dermaßen in seinen Bann gezogen, dass am Ende 81,647 Prozent heraussprangen. Vor allem bei den Piaffen und Passagen wusste die feinfühlige Bella erneut zu überzeugen.

"Sie zeigt außergewöhnliche Bewegungen und kann fremde Menschen schnell beeindrucken. Das war schon vor Jahren so. Ihr Erscheinungsbild ist wunderschön. Sie ist schon eine Diva", meint die Rheinbergerin, die überzeugt ist, dass Bella noch längt nicht ihr gesamtes Potenzial abgerufen hat.

"Es ist das beste Pferd, das ich je hatte. Sie kann in Gigolos Fußstapfen treten." Also der Gigolo, der mit seiner Präzision und tollen Ausstrahlung die Experten verzauberte. Mit ihm holte Werth unter anderem vier olympische Goldmedaillen. Beim großen Dressurpreis des CHIO waren Werth und Gigolo zwischen 1992 und 1998 unschlagbar. Auch Bella habe alle Möglichkeiten. Noch müsse sie Eifer und Ehrgeiz zügeln. Ihr aktuelles Paradepferd hat sich in die Weltspitze geritten. "Unter Publikum blüht sie noch mehr auf, sie lässt sich von der Kulisse treiben."

Nun muss die Stute in Aachen das Ergebnis der ersten WM-Sichtung bestätigen. "Wir wollen da anknüpfen, wo wir in Perl aufgehört haben." Johnny muss sich also hinten anstellen. Das, was Bella in die Wiege gelegt bekam, musste sich der zwölfjährige Wallach hart erarbeiten, um Anerkennung zu erhalten.

Isabell Werth gibt sich dieser Tage enorm kämpferisch. Die Konkurrenz in Deutschland und die aus den anderen Nationen schaut wieder ganz genau hin. Die Medikamenten-Affäre ist längst abgehakt, die volle Konzentration gilt dem Sport im Viereck. Mit Bella soll eine neue Ära beginnen - für sie selber und als Teil des deutschen Kollektivs. "Wir haben derzeit eine ausgeglichene, starke Mannschaft. Da kann keine andere Nation mithalten. Der interne Konkurrenzkampf pusht zu Top-Leistungen."

Das heißt aber auch, dass die Spitze enger zusammengerückt ist und schon kleinste Fehler entscheidend sind. In Aachen wird der gastgebenden Equipe die Favoritenrolle zugesprochen. "Klar wollen wir um die Goldmedaille mitkämpfen", sagt eine gelöste Werth, während sie aus dem Fenster blickt und ihrem viereinhalb Jahre alten Sohn Frederik, der bei Opa auf dem Trecker sitzt, hinterherschaut.

Seit ihrem ersten EM-Triumph 1989 gehört Werth zu den erfolgreichsten Dressurreitern. Wie lange die 44-Jährige noch mittendrin sein möchte, weiß sie nicht. Bei den nächsten Olympischen Spielen in Rio 2016 will sie auf jeden Fall noch dabei sein, vielleicht auch noch 2020 in Tokio. Und dann? Bundestrainerin sei nichts für sie. Werth sieht sich als Ausbilderin. Gedanken, die sie aber schnell wieder verwirft. Noch gehört Werth zu den besten ihrer Zunft im Sattel. Gestern machte sie sich auf den Weg nach Aachen. Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk soll beim CHIO her. Am Montag wird die Blondine 45.

(RP)