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Werner Röös aus Menzelen war Schiri-Assistent bei Schalke-Testspiel

Fußball-Schiri aus Menzelen leitete S04-Testspiel mit : „Schalke-Werner“ im Rampenlicht

Werner Röös aus Menzelen ist Referee und Schalke-Fan aus Leidenschaft. Im Sommertrainingslager des Bundesliga-Aufsteigers war der 60-Jährige als Schiri-Assistent im Einsatz. In diesem Monat steht eine besondere Mission an.

Im ersten Bundesliga-Spiel nach dem Abstieg im Mai 2021 musste die Schalker Fanseele am vergangenen Sonntag in Köln einiges aushalten. Ein aberkanntes, frühes Führungstor und eine zweifelhafte Rote Karte – der Ärger über die strittigen Entscheidungen des Videoschiedsrichters war groß. Auch Werner Röös hat dazu eine klare Meinung: „Ich bin absolut gegen den Videoschiedsrichter. Da wird sehr viel gesteuert. Regelverstöße werden teilweise als richtig verkauft. Wir als Schiris in den unteren Spielklassen müssen das oft ausbaden“, lautet seine Kritik in Richtung Profifußball. Röös selbst fand im Januar 2008 im Alter von 46 Jahren verhältnismäßig spät den Weg zur Schiedsrichterei.

„Hätte ich gewusst, dass es mir so viel Spaß macht, wäre ich viel früher angefangen“, sagt der heute 60-Jährige, der viele Jahre als Schiedsrichterbeauftragter beim SV Menzelen tätig war und seit dem 1. Juli für Viktoria Birten pfeift. Dem SVM hält er seit nun mehr 27 Jahren als Vereinsmitglied weiterhin die Treue. Röös steht als Unparteiischer in der Kreisliga C und B sowie in der Frauen-Niederrheinliga auf dem Platz. „Auch dort sind die Spiele flotter geworden. Der Frauenfußball hat sich schon entwickelt. Bei mir geht sehr viel über Übersicht und Auge“, meint der LKW-Fahrer. Seine Wurzeln hat Röös beim TuS Xanten, wo er als aktiver Fußballer früh für seinen „harten Strahl“ bekannt war. „Ich hatte einen Schuss wie Ingo Anderbrügge“, so Röös, dessen große Leidenschaft für den FC Schalke 04 durch die Schiedsrichterei nicht abhandengekommen ist.

 Lob vom Bundesliga-Trainer: Werner Röös aus Menzelen erhielt nach seinem Assistenten-Einsatz im Schalker Testspiel im Trainingslager in Mittersill Zuspruch von S04-Coach Frank Kramer.
Lob vom Bundesliga-Trainer: Werner Röös aus Menzelen erhielt nach seinem Assistenten-Einsatz im Schalker Testspiel im Trainingslager in Mittersill Zuspruch von S04-Coach Frank Kramer. Foto: dpa/Carmen Jaspersen
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Zwar hat das Gründungsmitglied des Menzelener Fanclubs „Qua de Wick Wack“ seine Dauerkarte inzwischen weitergegeben, die blau-weiße Flamme in seinem Herzen brennt jedoch schon seit knapp 50 Jahren. Sein erster Stadionbesuch erfolgte 1973, ein Jahr nach Eröffnung des Parkstadions. „Ich war zehn und habe Klaus Fischer zugejubelt. Bei den Auswärtsspielen habe ich mit meinem Vater so lange das Auto gewaschen, bis die Radio-Konferenz beendet war“, erinnert sich Röös. Die Liste der erlebnisreichen Touren ist lang. „Seit ich einen Führerschein habe, waren wir sehr oft unterwegs. Der Höhepunkt war der UEFA-Cup-Sieg in Mailand 1997 wenige Monate nach der Gründung unsere Fanclubs.“

 Werner Röös ist regelmäßg bei den Sommertrainingslagern der Schalker dabei.
Werner Röös ist regelmäßg bei den Sommertrainingslagern der Schalker dabei. Foto: Röös

Eine Tradition führt Werner Röös fast genauso lange fort. Seine Reiselust verschlägt ihn seit 40 Jahren in den Urlaub nach Österreich. „In Mittersill kenne ich mich teilweise besser aus als die Einwohner vor Ort.“ Genau dort machten sich auch die Schalker kürzlich zum wiederholten Male ins Sommertrainingslager auf, die der 60-Jährige seit Klagenfurt 2012 regelmäßig besucht. Mit der Zeit knüpfte „Schalke-Werner“, wie ihn viele nennen, eine Menge Kontakte. In diesem Juli stand der Menzelener dann aber so richtig im Rampenlicht. Als vor dem Schalker Testspiel gegen den österreichischen Drittligisten FC Kufstein plötzlich kein Schiedsrichtergespann erschien und der ausrichtende Verein SC Mittersill nach Ersatz suchte, schlug die Stunde des S04-Anhängers vom Niederrhein. Vor 500 Zuschauern durfte Röös als Assistent an der Linie stehen.

„Die Leute wussten, dass ich Schiedsrichter bin. Dann wurde ich gefragt und habe mich gefreut wie ein kleines Kind.“ Aufgeregt sei er nicht gewesen. Im Gegenteil, für 90 Minuten konzentrierte sich Röös voll auf seinen Job mit der Fahne in der Hand. „Ich habe auch bei Schalke zweimal Abseits angezeigt. Da bin ich absolut korrekt. Aber es war ein Highlight, sich mit den Jungs abzuklatschen.“ Danke seiner lockeren Art gehörten auch einige Scherze mit den Fans auf der Tribüne dazu. Die Aktion schlug insgesamt große Wellen, Röös schaffte es sogar vor die Sky-Kameras und erhielt nach Abpfiff Zuspruch von S04-Coach Frank Kramer. „Ich habe in der Woche mit dem Trainer und der Vereinsführung geredet. Alle sind sehr authentisch. Wenn das so bleibt, wird der Klassenerhalt gelingen. Der Verein ist auf dem richtigen Weg“, ist sich Röös sicher, der in Mittersill noch seinen 60. Geburtstag feierte.

Auch sein erwachsener Sohn Mike, benannt nach „Eurofighter“ Mike Büskens, hat den blau-weißen Virus mit in die Wiege gelegt bekommen. Beide treten Anfang nächster Woche erneut die Reise nach Österreich an. Das Ziel: die Erfüllung einer ganz besonderen Mission. 1985 erreichte Röös zum ersten Mal den Gipfel des Pihappers, dem Mittersiller Hausberg in den Hohen Tauern. Nun möchten Vater und Sohn den knapp 2500 Meter hohen Berg gemeinsam besteigen.

„Und wann passt das besser als im Aufstiegsjahr. Wir wollen mit der Schalke-Fahne bis ans Kreuz.“ Da der FC Schalke schon kommunizierte, in den kommenden zwei Jahren erneut ins Sommertrainingslager nach Mittersill aufschlagen zu wollen, stehen Röös‘ nächsten Reisen ebenfalls schon fest. Aufgrund der späten Terminierung wird „Schalke-Werner“ seinen Urlaub allerdings auch diesmal wieder recht spontan einreichen müssten.