Fußball : TuS-Trainer Thomas Dörrer extrem gefordert

Die Wintervorbereitung der Fußballer des TuS Xanten läuft alles andere als rund. Der Tabellenführer der Kreisliga A hat im Winter fünf Spieler verloren, die ihr sportliches Glück jetzt anderswo suchen. Kapitän Marvin Braun droht aufgrund einer schweren Knieverletzung das Saisonaus.

Thomas Dörrer machte am Montagabend keinen so glücklichen Eindruck. Mit Lauftraining und einer lockeren Halleneinheit im Sonsbecker Sportcenter Paul Hahn schickte der Trainer des Fußball-A-Ligisten TuS Xanten seine Mannschaft in eine weitere Vorbereitungswoche auf die zweite Saisonhälfte. Die, wenn alles optimal läuft, mit dem Aufstieg der Fürstenberg-Kicker in die Bezirksliga enden könnte. Mit Jan Paul Hahn, dem Sohn des ehemaligen Bundesligaprofis, haben die Domstädter kürzlich einen erfahrenen Mann dazu bekommen. Der einstige Oberligakicker entschied sich nach zwölf Jahren beim SV Sonsbeck für einen Tapetenwechsel. Den 35-Jährigen zog es zum Jahreswechsel an den Fürstenberg (wir berichteten).

Mit einem freudigen Auge auf der einen, überwiegt die Ernüchterung auf der anderen Seite. Denn Dörrers Kader ist im Winter durch gleich fünf Abmeldungen ungewöhnlich stark geschrumpft. Milan Jevtic (International Moers Futsal), Dion und Jesse Rückbeil (GSV Moers), Azad Sacik sowie Milivoje Malesevic (Ziele unbekannt) kehrten dem TuS den Rücken. Speziell die Rückbeil-Brüder waren mit vielen Toren im vergangenen Jahr noch maßgeblich an der A-Liga-Rückkehr beteiligt. Beide waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Als wäre das noch nicht genug, muss Thomas Dörrer zudem bis zum Saisonende ohne seinen Mittelfeldmotor Marvin Braun auskommen. Der 28-Jährige ist mit elf Treffern hinter Bastian Röös (zwölf) immer noch der zweitbeste Xantener Torschütze und trug in der Hinrunde abwechselnd mit Sebastian Kaczmarek die Kapitänsbinde. Anfang November dann der Schock: Braun verletzte sich schwer am Knie. „Er ist kaum zu ersetzen und fehlt uns an allen Ecken und Enden“, sagte ein betrübter Thomas Dörrer.

Die fällige Operation hat der Führungsspieler der Schwarz-Weißen aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen noch verschoben. In Kürze wird sich Braun allerdings unters Messer legen. „In der Rückrunde kann man deshalb wohl nicht mehr mit mir rechnen“, sagt der 28-Jährige.

Aus dem Vollen schöpfen kann Thomas Dörrer zur Zeit also nicht. Keine so rosigen Aussichten für die Xantener, die nach der überraschenden Herbstmeisterschaft in der Kreisliga A weiter vom direkten Durchmarsch in die Bezirksliga träumen dürfen. Mit Blick auf die holprige Vorbereitung schraubt der 52-Jährige die Erwartungen allerdings ein wenig zurück und schiebt den Druck auf die Konkurrenz ab. „Andere Vereine sind in der Breite einfach besser aufgestellt. Wir sind da realistisch. Ein Einbruch wäre zu verkraften und würde für uns kein Beinbruch bedeuten“, sagt der Trainer.

Viel mehr klammern sich die Domstädter an ihrem Konzept fest. „Die A-Jugendlichen sollen die Plätze der Abgänge einnehmen, spielen aber auch in der Leistungsklasse noch um den Aufstieg. Das hat natürlich Priorität“, sagt Dörrer, dem aktuell einfach nichts anderes übrig bleibt, als sein dezimiertes Team mit Jungspunden wie Niklas Binn, Mats Wardemann oder Norwin Meyer aufzustocken. Ohne den aufstrebenden Unterbau stünden Dörrer so gerade genügend Spieler zur Verfügung. Um überhaupt vernünftig trainieren zu können, stehen die „Erste“ und die A-Jugend seit gut einer Woche gemeinsam auf dem Platz.

Die Jugendlichen haben in der Vergangenheit schon ordentlich geglänzt und sich als echte Leistungsträger erwiesen. Nicht umsonst stellen die Xantener, die in der Hinrunde in erster Linie der große Teamspirit auszeichnete, mit 66 Treffern die beste Offensive der Liga. Thomas Dörrer will in den verbleibenden zwei Wochen bis zum Ligastart vor allem noch an der körperlichen Fitness seiner Mannschaft arbeiten, um möglichst schnell wieder in Tritt zu kommen, wenn der Ball in der Liga wieder rollt.

„Da laufen wir im Moment noch etwas hinterher“, beklagt er die noch nicht in allen Teilen optimale Form seines Teams. Mit den Kellerkindern aus Orsoy und Millingen (1. und 8. März) erwarten die Domstädter zum Jahresauftakt zwei Gegner, die ihnen wenige Probleme bereiten sollten. Während es den meisten A-Liga-Trainern nach der dreimonatigen Pause wieder in den Fingern juckt, hat Thomas Dörrer beim TuS Xanten noch das eine oder andere Problem zu lösen.