Tryon: Isabell Werth aus Rheinberg bei Dressur-WM

Reiten : Dressur-WM in Tryon: Mission Gold für Werth

Heute beginnt im amerikanischen Tryon in der Nähe von Spartanburg die Dressur-WM. Gemeinsam mit Tierarzt Dr. Marc Koene umsorgt die Rheinbergerin Isabell Werth im weißen Overall Bella Rose, die über den Atlantik geflogen ist, in der Quarantäne.

Für ihr großes Ziel, drei weitere Gold-Medaillen bei diesen Weltreiterspielen zu gewinnen, geht die erfolgreichste Reiterin der Welt ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Denn mit Bella Rose startet sie ein Pferd, das sehr lange verletzt war. Nach gut dreieinhalb Jahren Pause hatte Isabell erst vor wenigen Wochen wieder ein Turnier mit Bella Rose bestritten und reitet sie, die hinter vorgehaltener Hand als anfällige Stute bezeichnet wird, nun bei der WM in den USA. Sicher, bei der WM vor vier Jahren hatte dieses Paar seinen ersten, aber bislang auch einzigen großen Auftritt. In Caen gehörten sie zum Team, das ausgelassen den Gewinn der Goldmedaille feierte. Doch wurden die Einzel-Prüfungen ohne das Traumpaar vom Niederrhein entschieden. Bella Donna war verletzt. Hoffnung nach einem Comeback der Stute keimte beim Weltcup-Turnier im November 2014 in Stuttgart auf. Doch fiel Bella Rose direkt wieder aus, zögerte ihre Rückkehr auf die internationale Dressurbühne immer weiter hinaus, die schon fast unmöglich erschien.

Doch dann ging Isabell mit dem talentierten Pferd Ende Juni dieses Jahres im österreichischen Fritzens an den Start und entschied sich nach zwei weiteren Stationen für die WM im Sattel ihres Lieblingspferds und damit gegen Weihegold, mit dem sie zuletzt zweimal den Weltcup gewonnen hatte und - nicht zu vergessen - dreimal EM-Gold. Somit wäre Weihegold ohne Zweifel die sicherere Variante gewesen. Die Bundestrainerin stimmte schließlich zu. „Das Risiko ist nicht höher als bei den anderen Pferden. Sie war zuletzt konstant und immer besser“, so Monica Theodorescu. Schlussendlich habe auch den Ausschlag gegeben, dass sich die Stute im Aufwind befinde. „Bella Rose hat Perspektive, Weihegolds Leistungspotenzial scheint hingegen ausgereizt“, sagt die Bundestrainerin, da im Einzel Werths Konkurrenz immer näher an sie herangerückt war, vor allem aus dem eigenen Team.

Überschattet werden die Weltreiterspiele vom Skandal der Jung-Reiter, die die Stimmung der deutschen Mannschaft erheblich trüben dürfte. Allerdings soll die „belastende Situation“ die sportlichen Leistungen nicht beeinträchtigen. „Natürlich wird hier vor Ort im Team darüber gesprochen“, so Dennis Peiler, Chef de Mission der deutschen Equipe bei den Titelkämpfen in den USA. Eineinhalb Wochen vor der WM hatte der Spiegel über junge Springreiter aus dem Nationalkader berichtet, die unter Alkoholeinfluss auf Turnieren junge Mädchen gefügig und sexuell missbraucht haben sollen.

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