Trainer Thomas Dörrer spricht über den guten Saisonauftakt des TuS Xanten

Interview Thomas Dörrer : „Die goldenen Zeiten sind vorbei“

Der neue Trainer des A-Liga-Aufsteigers TuS Xanten hat in nur drei Monaten viel bewirkt – tritt aber auf die Euphoriebremse.

Mit fünf Siegen in Serie ist der TuS Xanten als Aufsteiger grandios in die Kreisliga A gestartet. Auch im Kreispokal sind die Domstädter noch dabei. Der Mann des Erfolgs heißt Thomas Dörrer. Drei Monate ist der Cheftrainer erst im Amt. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Der 51-Jährige hat dem Club neues Leben eingehaucht. Trotzdem tritt Dörrer auf die Euphoriebremse und setzt den Fokus weiter auf Kontinuität und Entwicklung. Im Interview nennt der Coach die Gründe für den Erfolg und gibt erste Aussichten, wohin der Weg in Zukunft gehen soll.

Mit Platz zwei im Rücken und 15 Punkten aus sechs Partien hätte der Auftakt kaum besser laufen können. Wie beflügelt ist ihr Team zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison?

Thomas Dörrer Die Stimmung ist hervorragend. Wir haben mit der Vorbereitung wieder bei null angefangen. Es war sehr hart, denn wir wussten, dass es durchaus spielerische Lücken und Baustellen gibt. Die neue Mannschaft hat sich aber schnell gefunden und zeigt ein ganz anderes Gesicht im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Wir haben erfahrene Spieler geholt, die den Unterschied ausmachen und Führungsqualitäten haben. Sie können die jungen Wilden leiten und sich zugleich auch selbst leiten lassen. Das ist der Schlüssel.

Nach dem Bezirksliga-Abstieg 2016 folgte zwei Jahre später der freie Fall in die Kreisliga B. Wie erklären Sie sich das Auf und Ab des TuS?

Dörrer Das Umfeld ist deutlich besser geworden. Die Mannschaft konnte durch die positiven Ergebnisse auf sich aufmerksam machen und wird jetzt ganz anders wahrgenommen. Das spüren wir alle und wollen natürlich auf dieser Welle weiter reiten. Unsere Stärke ist das große Miteinander und die gegenseitige Unterstützung im Vereinsleben. Aber wir wissen auch, wie schnell es gehen kann und dass man in der heutigen Zeit auch nicht darum herum kommt, externe Zugänge zu verpflichten. Wichtig ist, dass sie sich mit dem Verein identifizieren.

Trotzdem ist der Kader etwas dünn besetzt. Könnte das in der langen Saison eine Gefahr bergen?

Dörrer Verletzungsbedingt hatten wir bisher nie die vermeintlich beste Elf auf dem Platz stehen. Was uns hilft, ist die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Jugend und Senioren. Man erkennt, dass die jungen Talente frühzeitig herangeführt werden. Unser Ziel wird es sein, die Jugendlichen dauerhaft in Xanten zu behalten, was in der Vergangenheit auch nicht immer der Fall war.

Ob Niklas Binn, Mats Wardemann oder Norwin Meyer. Einige ihrer Spieler aus dem Jahrgang 2001 sind sogar noch in der A-Jugend spielberechtigt. Niklas Bücken ist mit 18 schon eine feste Größe im defensiven Mittelfeld. Damit ist der Weg klar vorgezeichnet oder?

DÖRRER Das ist sehr lobenswert. Trotz der Doppelbelastung haben uns die Jungs über die gesamte Vorbereitung begleitet und so sehr geholfen. Die Trainingsbeteiligung war groß und wir konnten vernünftig arbeiten. Die jungen Burschen machen enorm viel Spaß, sie nehmen sehr viel mit und haben immer die Möglichkeit, dazuzulernen. Trotzdem rappelt es auch mal im Karton. Aber auch das gehört dazu. Wir wollen diesen Weg der Jugend einfach gemeinsam gehen und sind mit Blick auf das Entwicklungspotential noch lange nicht am Ende.

Der TuS stellt mit 26 Toren die beste Offensive der Liga. In drei Spielen traf ihr Team jeweils sieben Mal. Darf sich die Konkurrenz warm anziehen?

Dörrer Das sind immer noch 50 Tore zu wenig. Wir brauchen noch zu viele Chancen und müssen abgeklärter werden. Diese Prozesse lassen sich aber nicht so schnell automatisieren. Außerdem wissen alle, dass es eine Momentaufnahme ist. Wir sind Stadtmeister geworden und wollten uns in der Liga stabilisieren. Das haben wir geschafft. Für ein erstes Fazit ist es aber noch zu früh. Die anderen Teams werden stärker, die Liga spannender. Das zeigt auch das 3:0 von Ossenberg gegen Hohenbudberg.

Sie standen als Trainer auch schon in der Bezirks- und Landesliga an der Seitenlinie. Diese Zeiten wünscht man sich doch auf lange Sicht zurück, oder?

Dörrer Natürlich ist der Wunsch immer da. Aber nochmal: Wir sind realistisch. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Das muss jedem klar sein. Es wäre eine schöne Sache, aber von so einem Ziel sind wir noch weit entfernt. Um es angehen zu können, müssen wir dahin kommen, uns irgendwann nur noch punktuell zu verstärken. Primär soll der Verein mit einer positiven Außendarstellung gesund dastehen. Wir wollen Interesse wecken und die Xantener Zuschauer zurück auf den Fürstenberg locken.

Nach seiner Rückkehr konnte Sebastian Kaczmarek schon vier Tore erzielen.

Dörrer Die gute Bandbreite macht es für die Gegner schwer, wenn sie sich nicht nur auf einen oder zwei Spieler konzentrieren müssen. Wir wissen alle um unsere Stärken, suchen weiter unser Heil nach vorne. Ab und zu ist es auch wichtig, einen erfahrenen Mann wie Sebastian Kaczmarek hinten aufzustellen. Da sind wir sehr flexibel.

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