Trainer des Bezirksligisten SV Budberg im Interview

Fußball: „Können Ausfälle nicht kompensieren.“

Fußball-Bezirksliga: Der Trainer des SV Budberg betreibt Ursachenforschung für die jüngste Niederlagenserie.

Bei den Bezirksliga-Fußballern des SV Budberg läuft seit einigen Wochen gewaltig etwas schief. Nach einem tollen Saison-Auftakt ging’s stetig bergab. Die Budberger verloren fünfmal hintereinander. Das gab’s unter Trainer Patty Jetten, der die Mannschaft 2013 übernahm, noch nicht. Es herrscht Redebedarf in Budberg. Während des Dienstagstrainings gab’s eine Ausprache.

Herr Jetten, wie tief ist die Krise, in der sich die Bezirksliga-Mannschaft befindet?

Jetten Ich denke Krise ist nicht das richtige Wort. Richtig ist, dass wir die letzten fünf Spiele in der Meisterschaft verloren haben, jedoch zwei davon eigentlich gewinnen müssen. Entscheidend ist, das Bewusstsein zu entwickeln um nun besser oder anders als bisher auf dem Platz zu handeln und aufzutreten. Hier gibt es unglaublich viele Fehlentscheidungen der Jungs; sowohl individuell als auch gruppentaktisch. Auch die Kommunikation auf dem Platz ist bei uns momentan einfach nicht ausreichend. Faktoren dafür sind uns klar, sollen aber nicht als Ausrede gelten.

Hat die Pleitenserie auch was mit der Gruppen-Einteilung zu tun. In der Gruppe 3 spielen ja viele für den SVB unbekannte Gegner?

Jetten Ich denke nicht. Natürlich kann es nicht von Vorteil sein, wenn du mit einer sehr jungen Mannschaft in eine Gruppe kommst, die auch für das komplette Trainerteam völlig unbekannt ist und Du auch aufgrund Entfernungen nicht in der Lage bist, diese einmal anzuschauen um gerade diesen Jungs den ein oder anderen Tipp mitzugeben. Aber mehr Schlüsse daraus zu ziehen, wäre eher spekulativ.

Was ist vor allem schiefgelaufen?

Jetten Was auffällig ist, ist die Naivität und Sorglosigkeit die der ein oder andere einfach mit sich trägt. Man muss aber auch sagen, dass bei uns im Kader bestimmte Ausfälle einfach nicht so leicht zu kompensieren sind. Da unterscheiden wir uns auch nicht von anderen Teams, treten dies vielleicht nur nicht so breit. Wenn eine ältere Achse wie Simon Temath, Benedikt Franke, Christoph Ricken, Thomas Klüppel oder Tobias Pacynski aus den verschiedensten Gründen länger nicht zur Verfügung steht, darüber hinaus noch die ganz normalen Ausfälle wie kurzfristig erkältet oder einmal ein Wehwehchen sowie Urlaub, weil vielleicht auch der ein oder andere noch nicht die Form der letzten Saison erreicht hat, wird es natürlich für uns schwer. Zudem haben wir den Kader tatsächlich im Sommer ausschließlich mit Jungs aus dem eigenen Nachwuchs aufgefüllt und noch einmal Erfahrung verloren. Diese ist unersetzlich. Da hätten auch ein oder zwei Externe gut getan, die wir leider nicht bekommen haben.

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Am Dienstagabend haben Sie mit der Mannschaft ausführlich über die Ist-Situation gesprochen. Was kam dabei heraus?

Jetten Es wurde auch mal Tacheles geredet. Ich wollte keinen Monolog führen, sondern wollte das einmal mehr moderieren. Das hat gut funktioniert als Teamsitzung. Über Inhalte werde ich hier allerdings keine Aussagen machen. Das bleibt intern. Es ist aber auch wichtig, einmal persönlich Dinge über einen anderen sagen zu dürfen, ohne dass daraus ein Schwelbrand entsteht. Das haben wir geschafft. Was dies im Resultat ausmacht, muss man abwarten. Es ändert ja nichts daran, dass verletzte Spieler nicht zur Verfügung stehen und sich daher das Leistungsgefälle verschiebt. Das ist und bleibt einfach Realität und muss im Verein jedem klar sein.

Wie muss sich die Mannschaft im nächsten Spiel gegen den Rheydter SV präsentieren, um erfolgreich zu sein?

Jetten Ob dies am Ende gegen eine unglaublich erfahrene, gespickt mit Spielern ehemals höheren Ligen, die sich momentan noch unter Wert verkauft, am Ende erfolgreich sein wird, weiß ich nicht. Aber um sich keine Vorwürfe nach einem Spiel in der Kabine machen zu können, müssen die Grundtugenden in den Vordergrund gestellt werden. Leidenschaft, Wille, Disziplin und dabei sehr präsize Fußballspielen. Jeder muss sich zunächst an die eigenen Nase fassen. Erreicht man das, sollte ein jeder nach dem Spiel physisch aber auch mental leer sein. Ob dies zuletzt so war, erscheint bei dem ein oder anderen eher fraglich. Oder um es auch einmal positiv für die Jungs auszudrücken: Einige müssen sich noch an die Bezirksliga gewöhnen und weiter heran geführt werden.

Wird der SV Budberg in den kommenden Wochen um den Klassenerhalt spielen?

Jetten Zunächst einmal haben wir uns als Mannschaft kein anderes Ziel gesetzt als in dieser Gruppe möglichst schnell an 40 Punkte zu kommen. Daran hat weder der fulminante Saisonstart noch die letzten Wochen etwas geändert. Stand heute und nach Bewertung der ersten zehn Spiele behaupte ich trotzdem noch, dass wir zu den spielstarken Mannschaften gehören. Dafür kann man sich aber nichts kaufen, wenn man sich nur darauf besinnt und glaubt, dass dies dann auch bereits ausreicht. Wir müssen weiter bodenständig und ehrlich arbeiten. Dass die Truppe nach den ersten fünf Spieltagen vielleicht anders gedacht hat, kann ich mir vorstellen, ist auch normal bei den jungen Burschen. Am heutigen, bisherigen Resultat ändert dies allerdings gar nichts.

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