Talkrunde mit Klaus Fischer und Werner Hansch in Veen

Talkrunde mit Fischer und Hantsch : Schalke-Experten stellen Qualitätsfrage

Der ehemalige Weltklasse-Stürmer Klaus Fischer und Reporter-Legende Werner Hansch plauderten im Spargelhof Schippers.

Veen Das war ein toller Abend für Fußball-Fans – nicht nur für Anhänger von Schalke 04. Auf dem Spargelhof Schippers in Veen plauderten Ex-Nationalspieler Klaus Fischer (69 Jahre) und Reporter-Legende Werner Hansch (80) über die schönste Nebensache der Welt. Komplettiert wurde die Talkrunde von Moderator Sebastian Falke sowie Volksbank-Chef Guido Lohmann.

Erstes großes Thema vor zahlreichen Zuhörern im Trikot von Schalke 04 war die sportliche Lage der „Königsblauen“. „Wir hatten in der letzten Saison sehr viel Spielglück und haben nicht gerade berauschend gespielt. In diesem Jahr fehlt uns dieses Spielglück“, sagte Fischer, der zwischen 1970 und 1981 für den Bundesligisten auflief. Aus Sicht von Lohmann werde viel zu oft quer gespielt, zu guter Letzt dann der lange Ball geschlagen. Der ehemalige Weltklasse-Angreifer Fischer sieht darin die Crux: „Das bringt überhaupt nichts. Die Verteidiger sind heute alle zwischen 1,90 und 1,95 Meter groß. Da hast du als Stürmer keine Chance.“

Für den ehemaligen Schalker Stadionsprecher Hansch sind das allenfalls Ausflüchte: „Ich sehe das etwas tiefgründiger. Das entscheidende Manko ist, dass die Mannschaft kein Tempo hat. Und ohne Tempo im Umschaltspiel brauchst du gar nicht erst versuchen, um die Europapokal-Plätze mitzuspielen.“ Am Verletzungspech, zum Ende der Hinrunde fehlten fünf Stürmer, machte Fischer die schlechte Platzierung nicht fest, eher an mangelnder Qualität im Kader. So sei Guido Burgstaller nur ein „gehobener Zweitliga-Spieler“.

Bestätigung bekam „Mister Fallrückzieher“ prompt vom Hansch: „Einen Spieler, der kein Tempo hat, machst du nicht mehr schneller. Wenn kein Motor da ist, kann man auch keinen einschalten.“ Falke sprach schließlich vielen S04-Anhängern aus der Seele: „Spieler werden auf Schalke schlechter. Fertige Spieler kommen für Millionen und stagnieren bestenfalls in ihrer Entwicklung.“

Einer davon ist Sebastian Rudy. „Der brauchte bei Bayern nur die Bälle verteilen, bei uns muss er in die Zweikämpfe. Und wenn du keine Zweikämpfe gewinnst, gewinnst du auch kein Spiel“, so Fischer. Wie misslich die Lage in Gelsenkirchen derzeit ist, wird vor allem daran deutlich, dass man ausgerechnet dem ungeliebten Nachbarn aus Dortmund Lob zollen muss.

„Ich musste meinem Opa auf dem Sterbebett versprechen, immer gegen Dortmund zu sein. Aber selbst als Schalker muss ich anerkennen, dass sie einen tollen Offensivfußball spielen“, erzählte Guido Lohmann in Veen.

Für Werner Hansch war der Sieg der Dortmunder am vergangenen Wochenende in Leipzig ein ganz entscheidender Schritt zur Meisterschaft. Der Mann mit der markanten Reibeisenstimme gab allerdings zu bedenken: „Wer in Düsseldorf verliert, kann auch noch anderswo verlieren.“ Kurz vor dem Achtelfinale der Champions-League wollte Falke von den Fachleuten wissen, wie die Chancen in den deutsch-englischen Vergleichen stehen. Fischer: „Dortmund und Bayer fliegen raus, wir kommen weiter. Ich freue mich aufs Achtelfinale, die besten 16 Mannschaften Europas spielen dort.“ Hansch konterte: „Das kann nicht sein, dann wäre Schalke nicht dabei.“

Ein weiteres Thema war das schlechte Abschneiden der Nationalmannschaft bei der WM in Russland. Für Fischer, der zwei Weltmeisterschaften gespielt hat, kam das wenig überraschend: „Nach einem Titelgewinn haben wir fast immer schlecht abgeschnitten. Weil Trainer an Spielern hängen, mit denen sie Erfolg hatten, die ihren Zenit aber längst überschritten haben. 1978 beispielsweise spielte Berti Vogts, obwohl Manni Kaltz auf dieser Position längst besser war.“

Zwischenfragen aus dem Publikum waren erwünscht. Herbert Oymann etwa wollte wissen, warum es im Fußball keine Vertragstreue mehr gibt. Die Antwort von Hansch war nichts für Fußball-Romantiker: „Kapitalismus kennt keine Ethik. Vertragstreue hat keinen Platz in diesem System. Moderne Fußballer sind Zwitter – halb Mensch, halb Ware, die wie Rohstoffe an der Börse gehandelt wird. Das ist die Wahrheit.“

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