Sonsbeck: Ein besonderes Erlebnis im Sportpark

Die D-Jugend des SV Sonsbeck trat gegen eine chinesische Nachwuchsmannschaft an. Der Kontakt zu den Asisaten kam über Schalke 04 zustande. Die Gastgeber unterlagen mit 1:2. Doch das Ergebnis spielte keine Rolle.

Auf der Fußball-Landkarte gilt China nicht gerade als erste Adresse. Aber das soll sich ändern. Die Regierung hat die Parole ausgegeben, mittelfristig auf der internationalen Bühne ein gehöriges Wort mitreden zu wollen, wenn es um die großen Titel geht. Vielleicht steht dann auch der eine oder andere Kicker aus der Mannschaft aus Kunshan auf dem Platz, die derzeit beim Bundesligisten Schalke 04 trainiert und jetzt zu einem Testspiel beim SV Sonsbeck antrat.

Jürgen Mader jedenfalls, der mit Nils Theysen und Henri Hermsen die DI- und DII-Junioren der Gastgeber trainiert, hat eine gehörige Portion Respekt vor der Mannschaft aus Fernost: „Sie haben schließlich die U10 von Schalke geschlagen. Wir wollen uns hier gut verkaufen.“ Anderthalb Stunden später konnte er mit der Leistung zufrieden sein. Lange Zeit hielten seine Jungs dagegen, führten sogar mit 1:0. In den letzten 20 Minuten kassierten die Sonsbecker jedoch noch zwei Tore.

Doch ums Siegen oder Verlieren ging’s nicht. „Die Jungs sollen Spielfreude und Spaß haben“, sagte Marco Ketelaer, der Trainer der Gäste, vor dem Spiel. Die Jungs, das sind 14 Spieler von elf und zwölf Jahren, die zwei Wochen lang tagsüber auf Schalke trainieren und nachmittags Testspiele bestreiten. Während in Deutschland schon die Bambini gegeneinander antreten, gibt’s in China im Kinder- und Jugendbereich solche Ligen nicht. Dort tritt man zumeist gegeneinander an. Darum sind Begegnungen wie jetzt im Willy-Lemkens-Sportpark besondere Erlebnisse.

Schalke und Sonsbeck – da war doch was? Richtig. Die Königsblauen veranstalten republikweit Jugendcamps, seit einigen Jahren auch beim Kooperationspartner SV Sonsbeck. Diese Zusammenarbeit führte nun zum Gastspiel der Chinesen. Schalke wiederum engagiert sich stark in dem asiatischen Land, bietet dort ähnliche Nachwuchscamps an und schickt Trainer um den halben Erdball, um den Fußball dort zu fördern. Marco Ketelaer zum Beispiel wird sich demnächst für ein Jahr aus Deutschland verabschieden und in Kunshan als Coach arbeiten.

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Jung-Schiri Julian Schmelzer hatte vorsorglich für das Spiel seine Englischkenntnisse um einige wichtige Fußballvokabeln erweitert. „Kick-off heißt Anstoß“, weiß er. Und Rote Karten sprechen eine internationale Sprache. Etwa fürs Nachtreten oder bei Beleidigungen. „Doch wie soll man einen chinesischen Spieler verstehen, wenn er sich in seiner Heimatsprache aufregt?“, schmunzelte der 15-jährige Referee. Doch darüber musste er sich an diesem Frühabend keine Gedanken machen. Jeder Ball war zwar heiß, aber fair umkämpft.

In der Kabine gab Ketelaer noch einige Tipps. Kombinieren und nicht vergessen, Tore zu schießen, sagte er auf Englisch, das einer der beiden mitgereisten Dolmetscher übersetzte. Denn selbst wenn die Gäste alle bisherigen Testspiele gewonnen haben, die bisher eingefahrenen Siege hätten höher ausfallen können. Auch in Sonsbeck wurde es am Ende knapp; Ketelaer hatte schon vor dem Anpfiff gewusst, dass es schwer werden würde: „Beide Mannschaften sind auf Augenhöhe.“

Unter dem Strich können die Sonsbecker mit dem Ergebnis sicher gut leben. Sie haben erst einmal miteinander trainiert. Der Gastgeber hat am heutigen Samstag Gelegenheit für eine Revanche. Um 16 Uhr werden die U17/19-Junioren von Beijing 81 Schule Aoxiang im Sportpark erwartet.