4:3-Sieg im Finale gegen den SV Scherpenberg SV Budberg ballert sich zum Kreispokal

Neukirchen-Vluyn · Das Team von Tim Wilke gewinnt das Finale gegen den SV Scherpenberg vor 1600 Zuschauern in Neukirchen-Vluyn mit 4:3. Der SV Budberg spielt die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Bei der Siegerehrung wäre es fast zu einem Eklat gekommen.

Der SV Budberg ist nach einem 4:3 über den SV Scherpenberg Kreispokal-Sieger
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SV Budberg gewinnt den Fußball-Kreispokal

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Foto: Jakob Klos

Der SV Budberg hat das Kreispokal-Finale vor 1600 zahlenden Zuschauern in Neukirchen-Vluyn gegen den SV Scherpenberg mit 4:3 (1:1) gewonnen und die Trophäe erstmals seit 2012 wieder mit nach Hause genommen. Moritz Paul erzielte einen Dreierpack. Trainer Tim Wilke schwärmte von einer historischen Spielzeit, SVS-Coach Ralf Gemmer war über einige Gesänge der knapp 400 mitgereisten Gästefans verärgert.

„Männer, alles geben für den Pokalsieg.“ Diese Worte richtete Wilke nicht nur an seine Mannschaft, sondern kurz vor Wiederanpfiff auch an die vielen Budberg-Anhänger, die am Pfingstmontag für eine tolle Stimmung rund um den Kunstrasenplatz des FC Neukirchen-Vluyn sorgten. Mit lauten Sprechchören forderten die Fans nach Schlusspfiff ihren Coach, der sich im Gegensatz zu seinen Spielern aber nur kurz mit der Trophäe vor der Trainerbank feiern ließ.

„Das ist schon einzigartig. Den Verein gibt es seit fast 80 Jahren, und wir haben mit dem Pokalsieg die beste Saison aller Zeiten gespielt“, sagte Wilke und ergänzte: „Viele Kinder werden irgendwann sagen: ‚Könnt ihr euch noch an diese Truppe erinnern?‘ Die Jungs nehmen das Besondere, was sie gerade erleben, voll an. Ich habe noch nie so eine fußballerisch starke und charakterlich tolle Truppe trainiert. Aber so eine Saison kann auch kein Alltag sein.“


Fan-Invasion Mit zwei eigenorganisierten Bussen rief das Budberger Fanprojekt zur Auswärtsfahrt nach Neukirchen auf. 180 SVB-Mitglieder und -Sympathisanten nahmen darin Platz. Mehr als die doppelte Anzahl von Unterstützern hatte den kurzen Weg von Rheinberg aus mit dem Auto oder Fahrrad auf sich genommen. Um nicht nur akustisch auf sich aufmerksam zu machen, hatten die Fans sogar eine Choreografie vorbereitet. Die Stehtribüne zwischen den Trainerbänken war in zwei geschlossene Blöcke geteilt, in denen schwarze und weiße Regenponchos verteilt wurden. „Alles für unsere Farben – alles für unseren Verein“ stand auf den 15 Meter großen Spruchbändern, die beim Einlauf der Mannschaften gezeigt wurden.

Gemmer-Beschwerde Weil der SVB-Anhang immer wieder auch einige Schmähgesänge in Richtung Scherpenberg richtete, war Ralf Gemmer außer sich und wollte mit seinem Team schon vor der Siegerehrung den Platz verlassen, während der Gegner noch ausgiebig feierte. Am Ende blieben die Moerser doch, auch der Ärger beim SVS-Trainer blieb: „Anfeindungen und Beleidigungen im Amateurbereich sind für mich eine Katastrophe und das Allerletzte. Wir sind keine Profis, das hat hier nichts verloren und ist einfach unsportlich.“

Paul-Dreierpack Die erste Hälfte in einem verrückten Endspiel gehörte komplett dem SV Scherpenberg, der durch das Tor von Marcio Blank (7.) früh in Führung ging. Budberg fand kaum eine Lücke. Erst durch den Abschluss von Niklas Ueberfeld kam der SVB erstmals gefährlich vor das Tor der Moerser. Doch der Außenverteidiger schoss den eigenen Mann an. Die anschließende Ecke von Mike Terfloth wuchtete Moritz Paul mit viel Druck zum Ausgleich ins Netz (38.).

Die zweite Halbzeit lief noch keine 60 Sekunden, als Paul die Partie aus kurzer Distanz mit seinem Treffer zum 2:1 drehte (46.). Wie im Liga-Spiel kippte die Begegnung dann. Nach einem Foul an Oliver Nowak erhöhte Lennart Hahn vom Elfmeterpunkt auf 3:1 (64.). Dass es Paul auch aus der Distanz kann, bewies der beste Sechstliga-Angreifer eine Viertelstunde vor Schluss mit dem vorentscheidenden 4:1 – sein Dreierpack war perfekt. Nermin Badnjevic (78.) und Marcel Gesemann (88.) machten es noch mal spannend. Doch die Scherpenberger Aufholjagd kam zu spät. Auch Budbergs Pokalkeeper David Dohmen zeigte eine starke Leistung.

„Der Gegner war zwei Klassen besser als in der Meisterschaft. In der ersten Halbzeit haben wir kein Mittel gefunden. In der Pause haben wir umgestellt und uns am Ende ins Ziel geschlabbert“, atmete Wilke durch, dessen Spieler wie schon zuletzt in der Landesliga auf dem Zahnfleisch gingen und sich mit Krämpfen am Boden wälzten. Kollege Gemmer sah den Strafstoß zum 1:3 aus Scherpenberger Sicht als Knackpunkt. „Der darf nicht passieren. Budberg hat am Ende sehr viel Tempo rausgenommen. Das war ärgerlich, weil wir gut im Spiel waren.“

Kreispokal-Tag-Resümee Der Moerser Kreisfußballausschuss-Vorsitzende, Wolfgang Jades, ist seit 40 Jahren im Geschäft. Er lobte er die Austragung des FC Neukirchen-Vluyn in den höchsten Tönen und sprach von guter Werbung für den Fußballkreis Moers. „Alles war glänzend vorbereitet. Ein großes Dankeschön an den FC Neukirchen-Vluyn. Alle Mannschaften haben fair gespielt, auf den Rängen blieb es ruhig. Es waren sicher noch 200 bis 300 mehr als die zahlenden Zuschauer da. Und auch Schiedsrichterin Lilly Berndtsen hat im brisanten Finale keine Hektik aufkommen lassen.“

Anel Pedljic, Trainer des gastgebenden FC Neukirchen-Vluyn, schloss sich Jades an. „Für unseren jungen Verein war das eine tolle Sache. Jeder ist voll auf seine Kosten gekommen.“

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