Lokalsport: "Stärkster Wums" führt nach Sotschi

Lokalsport : "Stärkster Wums" führt nach Sotschi

Fußball: Silas Baumbach, erfolgreicher Torschütze des A-Kreisligisten Concordia Ossenberg, fährt auf Einladung des ZDF zum WM-Spiel zwischen Deutschland und Schweden nach Russland. André Hoffacker begleitet ihn ans Schwarze Meer.

In der Fußball-Kreisliga A ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Mannschaften es tunlichst vermeiden sollten, Silas Baumbach zum Schuss gelangen zu lassen. Insbesondere die Torhüter der Liga haben die Folgen zu spüren bekommen, denn mit seinen erzielten 25 Treffern zählte der Angreifer von Concordia Ossenberg in der just abgelaufenen Spielzeit zu den erfolgreichsten Torschützen seiner Zunft. Baumbachs Schuss gewaltiger rechter Fuß hat seiner Mannschaft aber nicht nur zum Klassenerhalt verholfen, er hat dem 20-Jährigen, der nur wenige Schritte vom Ossenberger Sportplatz zu Hause ist, nun auch zu zwei Eintrittskarten für das am Samstag stattfindende WM-Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden verholfen.

Gemeinsam mit ihm wird sich morgen André Hoffacker in den Flieger nach Sotschi, dem Austragungsort der Weltmeisterschaftspartie, setzen. Denn der steckt eigentlich hinter der ganzen Geschichte, die für die unter den deutschen Fans so heiß begehrten Eintrittskarten gesorgt hat. Oder, exakter gesagt, seine Tochter Josi. Die junge Dame, beim TC Solvay Rheinberg als Tennisspielerin aktiv, hatte wenige Wochen zuvor den ZDF-Fernsehgarten besucht. Bei der sonntäglichen Vormittagsshow mit Moderatorin Andrea Kiewel wurden Teilnehmer für die Verlosung der beiden Tickets gesucht. Gefragt war der "Größte Wums", nichts Unanständiges oder Ansteckendes, sondern Fußballerinnen oder Fußballer mit dem stärksten Schuss. Wieder daheim in Ossenberg übernahm Josis Vater die Regie. "Ich habe natürlich sofort an Silas gedacht", berichtet der ehemalige Spieler der Concordia, der vor mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Bernd das Ossenberger Spiel geprägt und später auch noch im Trainerstab mitgearbeitet hat. "Bei mir machen ja inzwischen die Knie nicht mehr so richtig mit", erklärt der 48-Jährige, der deshalb Baumbach sofort informierte. "Mach mal", sagte der, und Hoffacker machte. Und zehn Tage später kam dann tatsächlich die Zusage vom ZDF, dass das Ossenberger Duo dabei sein dürfe - Hoffacker auf den Rängen, um die Daumen zu drücken, Baumbach auf der Wiese, um zu gewinnen.

"Es ist alles ganz entspannt abgelaufen", berichtet Silas Baumbach. Am Samstag reisten die beiden am Mainzer Lerchenberg an, es folgten einige Proben, um den Ablauf der Sendung zu erfahren und tags darauf vor laufender Kamera, eingerahmt von der Musik der Amigos und Vanessa Mai, um die Tickets aufs Tor zu schießen. Von neun Kandidaten blieben im Finale letztlich drei Schützen über. Und auch da hatte Silas Baumbach gegen Christin aus Hagen und Thomas aus Leipzig mit 121,3 km Schussgeschwindigkeit den "stärksten Wums" und kurz darauf aus den Händen von "Kiwi" Kiewel die Tickets in der Hand. "Schickt uns ein paar Fotos", gab die Moderatorin noch mit auf den Weg.

"Machen wir", versicherte Silas Baumbach, der das vom ZDF bereit gestellte Deutschland-Trikot nun im Stadion von Sotschi tragen wird. Als Erinnerung an die Sendung, und "auch weil ich selbst gar kein anderes WM-Trikot habe", wie der Gewinner gesteht. Inzwischen sind das speziell für die Weltmeisterschaft erforderliche Visum und die Flugtickets in Ossenberg eingetroffen. Morgen früh um 6.20 Uhr startet der Flieger in Düsseldorf, dann geht es über Moskau ans Schwarze Meer. Dort warten drei Tage bei bestem Sommerwetter auf die beiden. "Das Hotel liegt nur etwas mehr als einen Kilometer vom Stadion entfernt", freut sich André Hoffacker über die perfekte Organisation. Am Sonntag nach dem Spiel bleibt noch ein freier Tag, an dem sich die Gewinner der Reise den Badeort, in dem vor vier Jahren noch die Olympischen Winterspiele stattfanden, anschauen werden, ehe es am Montag zurück nach Ossenberg geht.

Alles perfekt also? Nein, nicht ganz. Da wäre noch das ärgerliche 0:1 gegen Mexiko, mit dem die Nationalelf den Start in die WM gründlich versemmelte. "Dumm gelaufen", sagt André Hoffacker. "Umso mehr kommt es jetzt auf unsere Unterstützung im Stadion an." Sein Tipp bleibt trotzdem. "Wir gewinnen 2:0", ist er überzeugt, dass sich Neuer & Co. diesmal auch mit dem richtigen "Wums" präsentieren.

(RP)
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