Vom Pech verfolgt Comeback von Janik Schweers geht gründlich schief

Xanten · Nach einer Hüftverletzung und einer langen Pause ist der 25-Jährige Mitte September wieder für den Fußball-A-Ligisten SSV Lüttingen aufgelaufen. Doch im ersten Spiel hat er sich die nächste Verletzung zugezogen. Der Offensivmann gibt sich aber nicht auf und erzählt, wie er damit umgeht.

 Janik Schweers (rechts) absolvierte nur ein Spiel für den SSV und muss nun wohl wieder lange pausieren.

Janik Schweers (rechts) absolvierte nur ein Spiel für den SSV und muss nun wohl wieder lange pausieren.

Foto: Jakob Klos

Bitterer hätte die Rückkehr für Janik Schweers nicht verlaufen können. Es war ein üblicher Zweikampf, geschehen nach einer halben Stunde beim bisher einzigen Lüttinger Saisonsieg in der Fußball-Kreisliga A im Heimspiel gegen den TV Asberg (3:2) am 10. September. Der nach langer Hüftverletzung gerade erst wieder voll genesene Top-Torjäger der „Fischerdörfler“ fiel im Strafraum über das Bein eines Asberger Verteidigers und danach unglücklich kopfüber auf die Schulter. Malte Peters‘ verwandelter Elfmeter wurde schnell zur Nebensache.

„Ich kann mir das nicht erklären. Die normale Reaktion ist eigentlich, sich mit den Händen abzustützen. Vielleicht hatte ich unbewusst Angst, wieder auf die Hüfte zu fallen. Es hat sich sofort komisch angefühlt“, erinnert sich Schweers an den Sturz. Zunächst bestand noch die Hoffnung, die Schulter wäre „nur“ ausgekugelt gewesen. Mitspieler Max Stapelmann sah jedoch sofort das schiefe Schlüsselbein. „Max ist sofort weggegangen und hat nichts gesagt. Er wollte mich wohl nicht verrückt machen“, sagt Schweers.

Noch während der Partie ging es für den Angreifer mit dem Rettungswagen auf direktem Weg ins Krankenhaus. Die Diagnose nach dem Röntgen: eine Schultereckgelenkssprengung dritten Grades. „Auf dem Bild sah es zuerst so aus, als wäre alles gebrochen. Das war zum Glück nicht so. Die Bänder zwischen Schlüsselbein und Schulter sind komplett durch“, sagt der Lüttinger. Da eine konservative Behandlung nur bei einem harmloseren Härtegrad infrage gekommen wäre, folgte schon am Dienstag die Operation. Der 25-Jährige bekam eine Platte eingesetzt, die in drei Monaten wieder entfernt wird. Sofern alles zusammengewachsen und die Narbe verheilt ist, könnte Schweers schon zur Vorbereitung auf die Rückrunde im Januar wieder auf den Platz zurückkehren.

Nach schmerzhaften ersten Tagen sind die Einschränkungen mit Schlaufe inzwischen schon gar nicht mehr so groß. „Ich kann den linken Arm im Alltag einigermaßen normal benutzen und darf ihn nur nicht über 70 Grad anheben. Zum Glück bin ich Rechtshänder und kann auch nächste Woche aus dem Homeoffice wieder arbeiten. Es geht definitiv schlimmer“, sagt Schweers und spricht damit aus Erfahrung.

Denn der Lüttinger hatte seine fast einjährige Leidenszeit gerade erst beendet. Die Vorgeschichte hat es in sich. Ein Knorpelschaden in der Hüfte setzte den Stürmer von Anfang Oktober 2022 bis Sommer außer Gefecht. Alles begann mit Schmerzen an der rechten Leiste. Schweers suchte verschiedene Ärzte auf. Bis Klarheit herrschte, verging sehr viel Zeit. Erst ein Hüftspezialist in Neuss stellte Anfang Februar weder einen Leistenbruch, noch eine Schambeinentzüdnung fest, sondern ein sogenanntes Impingement – übersetzt Hüftgelenkverschleiß.

Erst zwei Monate später konnte Schweers in Düsseldorf unters Messer. Nach dreimonatiger Regeneration kämpfte sich der Goalgetter in der Sommer-Vorbereitung zurück ins Team. „Wir haben nichts überstürzt und uns das Asberg-Spiel für das Comeback auserkoren. Das ist schon verzweifelnd. Man fragt sich ‚Warum wieder ich?‘. Ich hatte früher nie etwas und jetzt zweimal hintereinander. Das ist heftig, wenn wieder alles von vorne losgeht“, sagt er. Trotz des erneuten Rückschlags gibt sich der Knipser nicht auf, im Gegenteil. Schweers sieht den Fußball als wichtigen Ausgleich und will 2024 wieder angreifen.

Sein Ausfall trifft den SSV Lüttingen hart. Die Torquote ist beachtlich. Seit 2016 gingen satte 117 Treffer auf das Konto des SSV-Scorers, der für seinen Jugendklub eine Art Lebensversicherung ist. Ohne Schweers legte die Mannschaft von Mirko Poplawski, der das Ruder im Juli von Stefan Kuban übernahm, einen Fehlstart in die Kreisliga A hin. Mit nur fünf Zählern aus sieben Spielen belegen die „Fischerdörfler“ einen Abstiegsplatz.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Neben Janik Schweers fehlen mit Fabian Wenten und Johann Hildebrandt (Bandscheibenvorfall) beide Stamm-Innenverteidiger. „Wir haben einfach nicht die Breite, um das aufzufangen. Außerdem sind wir mit der jüngste Kader. Die A-Jugendlichen müssen sich noch zurechtfinden. Ich war mit 25 beim Training sogar schon öfter der Zweitälteste beim Training“, so Schweers.

Das Trainer-Trio aus Poplawski, Fabian Bender und Danny Frieburg investiere viel. „An ihnen liegt’s nicht“, ist sich Schweers sicher. Doch der Komplett-Umbruch benötige eben Zeit. Mut machen könnte, dass die Lüttinger vor einem Jahr ebenso schlecht starteten und keines der ersten zehn Spiele gewinnen konnten. Damals landete das Team im gesicherten Mittelfeld, was auch in diesem Jahr wieder das Ziel ist. Im nächsten Heimspiel gegen Aufsteiger 1. FC Lintfort II am Sonntagmittag gilt es, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. „Wir haben keine Panik, weil wir die Situation sehr gut einschätzen können“, gibt sich Schweers entspannt.

Auch wenn der Offensivmann fürs Erste nur von der Seitenlinie zuschauen kann, ganz ohne Fußball muss der 25-Jährige nicht auskommen. Sein Sportmanagement-Studium hat er inzwischen abgeschlossen. Schweers ist bei einem Tourismus-Unternehmen in Oberhausen für das Projekt „Ruhr.Fußball“ tätig und im ständigen Austausch mit Vertretern der großen Westvereine aus Dortmund, Bochum, Schalke, Oberhausen und Essen sowie mit dem westdeutschen Fußball-Verband und dem deutschen Fußballmuseum. „Das ist zum Berufseinstieg schon ein Geschenk und macht extrem viel Spaß“, sagt der Pechvogel.

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