Sonsbeck: Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung

Sportabzeichen-Tag: Sportabzeichen in Gold das große Ziel

Im Willy-Lemkens-Sportpark richtete der SV Sonsbeck zum fünften Mal einen Fitnessorden-Tag aus. Neben Schnelligkeit und Koordination sind auch Ausdauer und Kraft wichtig. LSB-Entscheidung sorgt für Ärger.

„Seid ihr so weit?“ Norbert Seelen, Übungsleiter beim Sportverein Sonsbeck (SVS) mit der Lizenz, Sportabzeichen abzunehmen, steht an der 400-m-Aschebahn, gibt das Startzeichen für vier Teenager, die in der Mittagshitze zwei Mal den Sportplatz umrunden müssen. An anderer Stelle nehmen Jugendliche und Erwachsene Anlauf, um die Latte beim Hochsprung zu überwinden oder es in der Sandgrube auf ein paar Meter zu schaffen. Um die 35 Helfer, zu erkennen an den von der Sparkasse gesponserten roten T-Shirts, kümmern sich um die Sportlerinnen und Sportler, stoppen Zeiten, messen Weiten, legen die Latte wieder auf die Balken, sammeln Schlagbälle und Kugeln ein.

Zum fünften Mal hatte die Turnabteilung um ihren Leiter Klaus Geisdorf, gleichermaßen Sportabzeichen-Beauftragter beim SVS, zum Sportabzeichentag eingeladen, der unter dem Motto „gemeinsam stark“ stand und bei dem es den ganzen Nachmittag ein Kommen und Gehen gab. Gut, dass die Leichtathleten am Tag vorher ihren Mehrkampf auf der Sportanlage hatten und an der Sprint-Strecke auch die elektronische Zeitabnahme haben stehen lassen, an der Robin Schäfer (25, Co-Trainer der Läufer) den Läufern direkt die Zielfotos zeigen konnte.

Abteilungsleiter und Sportabzeichen-Beauftragter Klaus Geisdorf, Norbert Wellmanns, Jochen Scheffer und Frank Schwich haben den Tag organisiert, zum zweiten Mal konnten auch Menschen mit Behinderungen teilnehmen. Eine von ihnen ist Freya, die seit einem Jahr die Handschuhe für ihren Rolli griffbereit in ihrem Zimmer liegen hat. Die heute 24-Jährige kam als Frühchen mit der Diagnose Trisonomie 9 zur Welt, Ärzte hatten ihrer Mutter nicht allzu große Hoffnung gemacht, dass ihre Tochter lange leben. Außerdem würde sie niemals laufen können. „Die ersten fünf Lebensjahre hat sie nur gelegen“, erzählt ihre Mutter. Aber die beiden gaben nie auf. Heute braucht Freya zwar immer noch ihren Rollstuhl, aber sie kann gehen. Und sie hat mit dem Rollstuhl auch am Sonntag wieder die drei Disziplinen geschafft, die sie für ihr Mehrkampf-Abzeichen braucht: 100 Meter Sprint, mit dem Rollstuhl Slalom fahren, innerhalb von Hütchen drehen und wenden, die Keule erst weit werfen und dann in eine Zielscheibe, die auf dem Boden gemalt ist. Und dann noch 800 Meter auf der Aschebahn zurücklegen. „Hut ab vor der Leistung,“ zollen Klaus Geisdorf und Norbert Wellmann ihr Respekt. „Freya ist sichtlich stolz. Auf das, was sie geschafft hat, und über das Lob der Übungsleiter.

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Auch Jürgen Schäfer, der bei der Leichtathletik-Senioren-WM 2017 in Australien über 400 Meter im Mittelfeld gelandet ist, hat sich auf den Weg zum Willy-Lemkens-Sportpark gemacht, um sein Sportabzeichen abzulegen. In Gold natürlich, so wie eigentlich alle an dem Tag liebend gerne das goldene Abzeichenerworben hätten. „Viele machen kein Sportabzeichen mehr, weil sie Gold nicht oder nicht mehr schaffen - und Bronze reicht ihnen nicht,“ bedauert Klaus Geisdorf, der alle einlädt, dienstags von 19 bis 20.30 Uhr zu seinem Kraft- und Ausdauertraining zu kommen. Denn neben Schnelligkeit und Koordination sind Ausdauer und Kraft wichtig, um ein Sportabzeichen zu schaffen. Dafür kann dann noch jeden Mittwoch um 18 Uhr trainiert werden, außerdem nimmt Geisdorf an diesem Tag auf Prüfungen fürs Sportabzeichen ab. Sein Traum wäre es gewesen, wenn der SVS zum 100-Jährigen im nächsten Jahr den Tour-Stopp des Deutschen Olympischen Sportbundes nach Sonsbeck hätten holen können. „Wir haben ein Konzept erstellt, uns beworben, Empfehlungsschreiben vom Landrat und Bürgermeister dazu gelegt - und dann erfahren wir, dass sich der Landessportbund NRW aus finanziellen Gründen im Jahr 2019 nicht am Tour-Stopp beteiligt. Da haben wir alle einen dicken Hals gekriegt“, so Klaus Geisdorf. Das Konept kommt jetzt in die Schublade, wird 2020 erneut eingereicht.

Hinweis: Am zweiten Samstag im Januar werden wie immer im Kastell die Sportabzeichen verliehen. Dann bekommt auch Freya ihre Urkunde.

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