Fußball Sieg der Moral mit zwei Schmitz-Toren

Sonsbeck · Oberliga-Fußball: Der SV Sonsbeck bog gegen den PSV Wesel-Lackhausen einen 1:2-Pausenrückstand in der Schlussphase noch in einen 3:2-Sieg um. Bei den "Roten" sahen Torwart Ahmet Taner und Kristof Prause Rot.

 Die Sonsbecker Michael Müller, Georgios Efthimiou und Tim Haal (v.l.) können den Kopfball des Weselers Oliver Vos (Mitte) nicht verhindern, der kurz vor der Pause zur Weseler Führung im SVS-Kasten einschlug.

Die Sonsbecker Michael Müller, Georgios Efthimiou und Tim Haal (v.l.) können den Kopfball des Weselers Oliver Vos (Mitte) nicht verhindern, der kurz vor der Pause zur Weseler Führung im SVS-Kasten einschlug.

Foto: Jürgen Bosmann

Ein empfindlich kalter Ostwind fegte über die frei im Feld liegende Sportanlage des PSV Wesel-Lackhausen. So waren die nicht gerade zahlreich gekommenen Zuschauer schon durchgefroren, bevor der Ball seine ersten offiziellen Umdrehungen gemacht hatte. Beide Teams wollten sich rehabilitieren. Der PSV-Wesel-Lackhausen für die 1:8-Gegentore innerhalb einer Halbzeit beim TuS Bösinghoven, und der SV Sonsbeck für die blutarme 1:3-Heimvorstellung gegen den VfB Speldorf.

Aus Sicht der Gäste begann die für sie überlebenswichtige Partie beim Tabellenletzten so, wie sie unglücklicher nicht hätte beginnen können. In der vierten Minute musste SVS-Keeper Ahmet Taner bei einem Konto über rechts weit aus seinem Tor eilen, erwischte den Ball dabei außerhalb des Strafraums mit der Hand und sah daraufhin in Verhinderung einer Torchance Rot. Wie im Übrigen schon im Spiel in Baumberg, als anschließend Jonas Kremer zwischen die Pfosten ging. Seinerzeit waren nur wenige Minuten auf der Uhr, jetzt aber lag nahezu noch das gesamte Spiel vor den Sonsbeckern. Trainer Horst Riege schickte Ingo Samp ins Tor, nahm dafür Daniel Müller aus der Partie.

Die Gäste benötigten nur wenige Minuten, um sich auf die neue Situation einzustellen. Kapitän Dennis Schmitz nahm die Zügel auf dem Platz jetzt noch konsequenter in die Hand, ermunterte seine Mitspieler immer wieder aufs Neue, Druck gegen den ballführenden Spieler zu machen — und belohnte sich und sein Team in der 26. Minute mit einem direkt verwandelten Freistoß, der dem Weseler Keeper durch die "Hosenträger" rutschte.

Die kalte Dusche gab es für den SV Sonsbeck dann innerhalb von nur vier Minuten nach zwei Standardsituationen. Kevin Kirstein schickte einen Freistoß an der Sonsbecker Mauer vorbei ins kurze Toreck (38.). Wenig später drückte Oliver Vos einen hoch vor den Sonsbecker Kasten geschlagenen Freistoß zum 2:1 (42.) mit dem Kopf in die Maschen. Doch damit nicht genug. Vor der Pause leistete sich Sonsbecks Kristof Prause, der wenige Aktionen vorher Gelb gesehen hatte, vor den Augen des Schiedsrichters einen Ellenbogencheck gegen Vos — und sah Rot. "Gegenüber der Mannschaft ist das eine Frechheit", fand Riege deutliche Worte für das Fehlverhalten seines Offensivmannes.

In doppelter Unterzahl wurde es für die Gäste jetzt richtig schwer, den Kopf über Wasser zu halten. Doch sie versuchten alles — rackerten, kämpften, gaben kaum einen Ball verloren und legten Meter um Meter zurück. "Wir hatten aber auch das Glück, dass die Weseler ihre sehr guten Torchancen nicht genutzt haben", sagte SVS-Coach Riege nach der Partie. Mehr als nur einmal war Ersatzkeeper Samp mit prächtigen Reflexen zur Stelle und vereitelte Schlimmeres. Er und das Unvermögen der PSV-Angreifer hielten den SV Sonsbeck am Leben, das ihnen in der Schlussphase des Spiels der eingewechselte Sebastian Schulz (81.) und "Willi" Schmitz (84.) mit einem abgefälschten Freistoßtreffer endgültig wieder einhauchte.

Mit vereinten Kräften stemmten sich jetzt die verbliebenen Sonsbecker den Angriffsversuchen der Weseler entgegen. Den allerletzten vereitelte Georgios Efthimiou — anschließend nahm der Schiedsrichter den Ball in die Hand und pfiff eine spielerisch ganz und gar nicht gutklassige Partie ab. "Für die Moral der Mannschaft, die sich nach den beiden Platzverweisen sensationell gewehrt hat, ist der Sieg sehr wichtig", sagte ein erleichterter SVS-Coach Riege, der seinen Kapitän mit einem Extra-Lob bedachte.

(poe)