Fußball-Oberliga : Scout beim SV Straelen

Nach sechs Jahren als Trainer des SV Budberg hat Patty Jetten eine neue Herausforderung gefunden. Er ist beim SV Straelen als Talentsichter für die erste Fußball-Mannschaft tätig.

Im Oberliga-Spiel zwischen Union Nettetal und Tabellenführer SV Straelen steht’s nach 56 Minuten 2:0 für die Hausherren. Nach etwas mehr als einer Stunde fällt der Anschlusstreffer. Am Ende gewinnt der Spitzenreiter mit 5:2. Patrick Jetten, den alle nur „Patty“ nennen, verfolgt die Aufholjagd ganz genau und freut sich mit Trainerin Inka Grings. Der Familienvater, der im Sommer nach sechs Jahren als Coach der ersten Mannschaft des SV Budberg aufhörte, ist jetzt als Scout für den Regionalliga-Absteiger tätig. Ein Posten, den es vorher noch nicht gab beim SVS.

„Fußball ist nicht nur ein Hobby für mich, sondern Leidenschaft“, sagt Jetten. Dass der 39-Jährige Ahnung hat, und weiß, wovon er spricht, hatte vor einigen Monaten Hermann Tecklenburg, Geldgeber und Vorsitzender des SV Straelen, gesteckt bekommen. „Hermann und ich haben einen gemeinsamen Bekannten.“ So wurde das Interesse von Tecklenburg geweckt, der ohnehin jemanden für den Scouting-Bereich suchte. Als Bindeglied wie Unterstützer für Abteilungsleiter Stephan Dix und Stephan Houben (Sportlicher Leiter).

So kam es, dass Jetten im April mit Tecklenburg als Beifahrer zum Spiel beim Bonner SC fuhr. Sie unterhielten sich viel für Fußball im Allgemeinen, aber auch über Taktik oder die Ausbildung besonders talentierter Fußballer. Jetten hatte in Budberg erfolgreich mit vielen jungen Spielern einen Umbruch eingeleitet. Es war ein gutes Gespräch.

Wochen später stieg der SVS ab. Einiges war in Bewegung in Straelen. Im Juli trafen sich Jetten und Tecklenburg, um per Handschlag die Zusammenarbeit zu besiegeln. Der Vater dreier Töchter ist seitdem als Scout für die erste Mannschaft zuständig. „Ich bin quasi ein Teil der Erweiterung der Infrastruktur des Vereins. Und in Bezug auf die Rückkehr in die Regionalliga gilt es, die U23-Regel im Auge zu behalten.“

Patty Jetten schaut sich Partien der Regionalliga, Oberliga und im U19-Bereich an. „Bei einem guten Tipp fahre ich auch zu Landesliga-Spielen.“ Dass der Budberger über ein großes Trainer-Netzwerk verfügt, ist von Vorteil. Interessant sei auch der Blick über die Grenze in die Niederlande. Es versteht sich von selbst, dass er einen guten Draht zu Inka Grings haben sollte. Beide kennen sich seit Jahren und schätzen sich. Als Grings beim FCR 2001 Duisburg spielte, war Jetten dort Co-Trainer. „Wir waren damals schon auf einer Wellenlänge. Ich mag ihre Direktheit. Ich ticke ähnlich.“

Grings und Jetten, der sein Geld als Projektleiter im Hochbau verdient, tauschen sich regelmäßig aus. Mal vor oder nach dem Training, mal telefonisch oder via Handy-Nachrichten. Für ihn hat die Scout-Tätigkeit einen entscheidenden Vorteil: Er kann sich die Zeit frei einteilen. Das freut auch seine Ehefrau. „Als Trainer ging sonntags die meiste Zeit für den SV Budberg drauf.“

Ganz loslassen vom Fußball konnte er aber nicht. „Ich sehe durch meine Scout-Tätigkeit die neusten Taktik-Trends. Auch das macht den Job für mich so interessant.“ Wenn er einen für den SV Straelen interessanten Fußballer auf dem Platz beobachtet, „schaue ich mir vorher nie seine Statistiken an. Auch das Alter ist zunächst nebensächlich.“ Im November, wenn sich die Verantwortlichen des Oberliga-Spitzenreiters zusammensetzen und entscheiden, ob personell im Winter nachgelegt werden muss, werden auch Jettens Aufzeichnungen in die Überlegungen mit einfließen.

Die Vereinbarung zwischen Patty Jetten und dem SVS gilt zunächst bis zum Saisonende. Eine Rückkehr als Trainer schließt der Budberger nicht aus. Zwei Angebote liegen ihm vor. „Im Moment ist der Job in Straelen aber genau das Richtige für mich. Ich bin flexibel und habe eine Menge Spaß.“