Lokalsport: Null Toleranz für Gewalt auf dem Fußballplatz

Lokalsport : Null Toleranz für Gewalt auf dem Fußballplatz

Der Vorstand des Fußball-Kreis Moers zieht nach Saison-Ende Bilanz. Es wird eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei geben. Die Schiris kündigen einen "Warnstreik" an.

Randalierender Mob in Essen, Braunschweig und München, Jagdszenen und Prügeleien in Solingen - der Fußballsport kommt nicht zur Ruhe und wird von Gewaltausbrüchen auf den Rängen und auf dem Platz immer wieder eingeholt. "Wir dachten eigentlich, es geht schon nicht mehr schlimmer, aber wir werden ständig eines Neuen belehrt", äußerte sich Wolfgang Jades, Vorsitzender im Ausschuss des niederrheinischen Fußballverbands (FVN) angesichts der noch frischen Eindrücke der vergangenen Wochen. "Vor derlei Exzessen sind wir nicht gefeit, aber wir können darauf reagieren", stellte er jetzt auf einem Pressegespräch des Moerser Fußballvorstandes fest.

Schon zu Beginn des Jahres hatten die Verantwortlichen des hiesigen Kreises auf der Arbeitstagung mit den Vereinen einen Maßnahmenkatalog vorgestellt, der inzwischen offensichtlich erste Wirkung gezeigt hat. War die Zahl der Verhandlungen nach Ausschreitungen auf den Spielfeldern des Kreises in den vergangenen Jahren noch auf Rekordhöhe angelangt, so lassen die neuesten Werte leise Hoffnung auf ein Umdenken auf und rund um den Plätzen aufkommen. "In der zweiten Saisonhälfte der gerade abgelaufenen Spielzeit ist es auf unseren Plätzen wesentlich ruhiger zugegangen als im Vorjahr", stellte der Kreisvorsitzende Franz-Peter Mölders die neuesten Zahlen vor. Ein Ergebnis sowohl der Aufklärung und des Gespräches mit den Vereinen als auch rigoroser Strafen, die den Akteuren drohen und die inzwischen auch nicht mehr den langen und mühsamen Weg über die Spruchkammer gehen müssen. "Den Gruppenleitern bietet sich immer häufiger die Chance, auf vorhandene Bild- und Videodokumente zurückzugreifen", berichtete Mölders von jetzt auch rechtlich abgesicherten Möglichkeiten, auf schnellem Weg empfindliche Urteile zu sprechen.

Kreis-Schiedsrichter-Obmann Jakob Klos bestätigte die Tendenz, gab aber eindrücklich zu bedenken, dass die "Qualität" der Gewalt, der sich insbesondere die Unparteiischen ausgesetzt sähen, längst eine andere geworden sei. "Hat man früher noch ,Du Blinder' gesagt, werden heute Prügel angedroht", stellte er klar und betonte: "Wir müssen unsere Schiedsrichter schützen." Den Gedanken wird der Kreis in der neuen Spielzeit mit einem "Warnstreik" betonen. An einem noch festzulegenden Spieltag sowohl im Junioren- als auch im Seniorenbereich werden die Schiedsrichter dann ihre Spielleitungen unterbrechen, die Plätze für fünf Minuten verlassen und somit demonstrieren, dass es ohne sie nicht geht.

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Bei drohenden Ausschreitungen von Zuschauern darf sich der Fußballkreis und sein Vorstand künftig der Unterstützung der Polizei gewiss sein. Im Gespräch mit der Kreispolizeibehörde Wesel wurde vereinbart, dass zuvor als "Problemspiele" eingestufte Begegnungen unter Begleitung der Polizei stattfinden können. Keine Hundertschaft, aber die uniformierten Beamten werden sich sehen lassen, um Eskalationen frühzeitig zu vermeiden.

Die bislang auf mehrere Polizeidienststellen verteilte Arbeit wird künftig in Wesel konzentriert - dort gehen die Informationen vor den Spielen ein, dort werden gemeinsam mit dem Kreis die möglichen Maßnahmen abgesprochen. "Die Polizei", so versicherte Hans-Dieter Wichert, als Konfliktbeauftragter im Kreisvorstand tätig, "hat sich sehr zugänglich gezeigt". So wäre es möglich, schon im Vorfeld Probleme anzugehen und drohende Gefahren abzuwenden. Auch für Unparteiische, die jenseits der Stadionmauern noch bedroht würden, sei die 110 die richtige Nummer. "Die Polizei wird dann reagieren", erklärte Wichert.

"Fair Play ist ein kostbares Gut", fügte Jades am Ende des Abends noch hinzu. Bei allen Problemen sollten aber jene Mannschaften und Vereine, die sich einem friedlichen Ablauf des Wettbewerbs verpflichtet fühlen und dies auch immer wieder bestätigen, nicht vergessen werden. "Wir prüfen derzeit die Einrichtung von Fair Play-Pokalen in den Ligen des Kreises", verriet er, dass faires und sportliches Verhalten sich für die Teams auch lohnen sollte.

(DK)
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