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Niederrhein: Auch die Fußball-Schiedsrichter haben Leerlauf

Fußball : Leerlauf haben auch die Schiedsrichter

Die Unparteiischen haben seit einigen Monaten keine Spieler mehr geleitet. Jakob Klos, Schiedsrichter-Obmann im Kreis Moers, erklärt, was er und seine Kollegen in der Zwangspause gemacht haben und wie es weitergehen könnte.

Normalerweise ist Jakob Klos, Schiedsrichter-Obmann des Fußball-Kreises Moers, ein Mann der klaren Worte. Doch angesprochen darauf, wie es in Zeiten der Corona-Krise aktuell bei den Unparteiischen aussieht, tut sich auch Klos schwer damit, die Situation einzuordnen. „Wir konnten und können nicht viel machen. Es gibt keine Spiele, also gibt es für uns auch keine Einsätze. Und wie es weitergeht, da habe ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung“, sagt er.

Was auf viele Menschen im Berufsleben zutrifft, das traf jedenfalls auch auf die Schiedsrichter des Kreises zu. Um in Kontakt zu bleiben, mussten sie sich mit Video-Konferenzen behelfen. Auf diese Weise fanden die Schulungen der Unparteiischen statt. Das Feedback hierzu war auch recht gut, doch Jakob Klos räumt ein: „Je mehr Personen teilgenommen haben, umso schwieriger wurde es natürlich. Und diese Form der Schulungen ersetzt auch nicht den persönlichen Kontakt.“ Vor gut einer Woche gab es dann ein erstes Live-Treffen im Kreisschiedsrichter-Ausschuss. Klos hofft nun, dass sich die Schiedsrichter auch bald wieder in größerer Runde begegnen werden. „Ich freue mich jedenfalls darauf, alle wiederzusehen.“

Zwar stellt die Vorbereitung auf die neue Saison aufgrund der Corona-Krise die Schiedsrichter nicht vor eine ganz so große Herausforderung, wie dies bei den einzelnen Vereinen der Fall ist, aber auch für sie ist diese Situation Neuland.

 Jakob Klos rechnet mit einigen Veränderungen im Schiedsrichter-Wesen.
Jakob Klos rechnet mit einigen Veränderungen im Schiedsrichter-Wesen. Foto: privat

Denn eigentlich müssen die Unparteiischen davon ausgehen, dass mit jedem großen Turnier auch neue Regeln für die dann folgende Spielzeit in Kraft treten. Das wäre in diesem Jahr die Europameisterschaft gewesen. Doch die wurde auf 2021 verschoben. „Auch hier bleibt uns nichts anderes übrig als abzuwarten, ob eventuelle Änderungen im Regelwerk nun auch verschoben werden“, sagt Klos.

Spannend dürfte es für die Schiedsrichter hinsichtlich des Auftakts der kommenden Saison werden. Denn es ist nicht auszuschließen, dass durch einen Saisonstart, der frühestens Mitte September infrage kommt, der Spielplan bis zum Ende des Jahres einige Englische Wochen nach sich ziehen wird.

„Da könnten wir schon Probleme bekommen, alle Spiele mit Schiedsrichtern zu besetzen, denn wir haben bei uns viele Studenten oder Schichtarbeiter, die nur am Wochenende pfeifen können“, so Klos. Schon in der Vergangenheit war es nicht leicht, stets einen Schiedsrichter zu entsenden, weil es im Kreis laut Klos „definitiv zu wenige gibt. Mit doppelten Einsätzen haben wir es so gerade hinbekommen.“

Auch was das Anwerben neuer Schiedsrichter angeht, war die Corona-Krise nicht gerade hilfreich. Denn der Anwärter-Lehrgang, der vom Fußball-Verband Niederrhein üblicherweise in den Osterferien angeboten wird, fiel aus. Allerdings: Für eine Online-Schulung, die in Kürze über die Bühne gehen soll, waren innerhalb von zwei Wochen, sämtliche 150 zur Verfügung stehenden Plätze vergriffen. „Das ist sicherlich ein schönes Ergebnis“, sagt Jakob Klos.

Er selbst hat in den vergangenen Wochen zwar nicht allzu viele Geisterspiele in der Bundesliga gesehen. Gleichwohl ist ihm aber aufgefallen, dass der Umgang zwischen Spielern und Schiedsrichtern deutlich respektvoller ist.

„Das ist zumindest mein Eindruck. Der Druck auf die Schiedsrichter ist nicht so groß, wenn die Stadien leer sind. Die Emotionen kochen nicht so hoch. Es geht sachlicher auf dem Platz zu, und auch das Gestikulieren der Spieler ist zurückgegangen.“