Muskelpaket Lucas-Alexander Guido aus Xanten wird Deutscher Meister

Kraftsport : Ein Muskelpaket wird Deutscher Meister

Er hat monatelang hart trainiert und auf Kalorien verzichtet, um auf der Bühne zu glänzen. Lucas-Alexander Guido ist einer der besten Bodybuilder Deutschlands. Der 26-Jährige will Profi werden.

Er hatte mächtig Durst nach dem Titelgewinn. „Todesdurst“ sogar. Einen halben Liter Orangensaft spülte der 26-Jährige hastig seine Kehle hinunter. Auf ex. Vor seinem großen Wettkampf hatte der Sport-Ökonomie-Student 36 Stunden lang nichts getrunken. Verzicht üben ist Teil der Vorbereitung eines Bodybuilders. 2014 fing Lucas-Alexander Guido mit dem Kraftsport an. Im Winter 2019 setzte er sich die Krone auf, wurde internationaler Deutscher Meister im Mittelgewicht.

Xanten, Fitness-Arena. Es ist einer dieser grauen Tage, an denen der Regen nicht aufhören will. Lucas-Alexander Guido grinst übers ganze Gesicht und nippt an seiner Tasse Cappuccino. Das Schiedwetter kann seiner guten Laune nichts anhaben. Der gebürtige Moerser hat sein großes Ziel erreicht, auf das er unzählige Stunden hin gearbeitet hatte. Im RuhrCongress Bochum sicherte sich der viermalige NRW-Meister den DM-Pokal in der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm. Der Weg dahin war lang, verbunden mit vielen Entbehrungen. In den letzten Tagen vor dem Wettkampf „bin ich wie ein Zombie durch den Alltag gelaufen“.

Auch auf gut definierte Rückenmuskeln kommt’s an. Foto: Justina Stryczek

Die Xantener Fitness-Arena sei sein „HomeGym“. Dort arbeitet er auch in Teilzeit. Während der Saison trainiert Guido fünf bis sieben Mal die Woche. Eine Einheit dauert rund zwei Stunden. Hinzu kommen 30 bis 60 Minuten Ausdauertraining. Rund sechs Monate nahm die intensive DM-Vorbereitung in Anspruch. Die auf ihn persönlich abgestimmte Diät spielte eine wichtige Rolle.

Guido hatte eine eigene Strategie entwickelt. Allein 14 Wochen dauerte die Phase des Kalorien-Defizits. Und da gibt es noch die Entwässerungswoche. „Das fühlt sich an wie eine Grippe – nur ohne Symptome.“ Ziel ist, den Anteil des Wassers zwischen Haut und Muskeln zu minimieren für eine möglichst tolle Körper-Shilouette am Tag X. „Meine Strategie hat diesmal böse funktioniert.“

2018 war das anders. Vier Tage vor der DM fuhr er mit dem Auto gegen einen Baum. Zu geschwächt war der Körper. Aus dem Unfall zog er seine Lehren. Mit neuen Trainings- und Ernährungsprinzipien. Und der Xantener nahm sich Christian Drost als Coach. Ein Kumpel, der ebenfalls Bodybuilding betreibt. Lucas-Alexander Guido sieht sich als „Bildhauer seiner selbst, der sich mithilfe seiner Vorstellungskraft“ immer wieder aufs Neue modelliert.

Ende Oktober dieses Jahres wurde der Student Zweiter bei der Süddeutschen Meisterschaft. Der Verdruss über den verpassten Sieg floss in die Motivation für die DM mit ein. Dann war’s soweit. Innerhalb von nur 24 Stunden vor der Deutschen Meisterschaft fastete sich Guido von 81,4 auf 78,8 Kilogramm runter. Ein halbes Jahr zuvor hatte die Waage 89 Kilogramm angezeigt. Nach dem Einwiegen in Bochum nahm er wieder Kohlenhydrate und Fette zu sich. Flüssigkeit war weiter tabu. Tags darauf um 18 Uhr begann die große Show. Guido wollte unter die Top 3. Er sah sich selber in einer hervorragenden Verfassung. Die Haut war dünn, Proportionen und Kampfgewicht stimmten. Vor allem mit seinen perfekt definierten Rückenmuskeln wollte der Extremsportler bei der Jury punkten. Guido traf in der Vorrunde auf 13 Konkurrenten. Es ging zunächst darum, die sechs Grundposen zu präsentieren. Nach den individuellen Vergleichen (call out) stand Guido im Finale der Top 6.

Das Kampfgericht wollte nochmals die Grundposen sehen. Und die Athleten mussten eine einminütige Kür vorführen. „Die Musik kann man sich selber aussuchen. Die Kür geht zu einem Drittel in die Bewertung ein.“ Guido hatte sich viele Gedanken zu seiner Präsentation gemacht. Rhythmus, Bässe oder Takt waren auf seine Posen abgestimmt. „Das war echt anstrengend. Ich hatte nachher Seitenstiche.“ Das harmonische Bild überzeugte die Jury und kürte den 26-jährigen aus Xanten zum Sieger. Für seinen großen Triumph hatte Guido seinem Körper einiges abverlangt. Für ihn gehört die sportmedizinische Betreuung dazu. Nach der DM ließ er ein großes Blutbild machen und seine Organe durchchecken.

„Alles okay.“ Durch den Titelgewinn ist er seinem Ziel, Profi zu werden, einen großen Schritt näher gekommen. Guido darf nun an namhaften Wettkämpfen wie den „Arnold Classics“ oder „Mister Olympia“ für Amateure teilnehmen. 2020 möchte der Ökonomie-Student aber auf die großen Events verzichten, stattdessen das nächste Jahr dem weiteren Muskelaufbau widmen. „Arme und Schulter müssen noch wachsen.“ 2021 will er dann auf der Bühne weiter durchstarten.

2020 möchte Guido auch als Personal Coach weiter Fuß fassen, andere Bodybuilder begleiten und „Otto Normalverbraucher“ zum gewünschten Körper verhelfen. Ihnen wird er bestimmt auch erzählen vom „Bildhauer seiner selbst“. Von einem wie ihn, der hart trainiert und versucht, sein Verständnis von Perfektion und Ästhetik in Stein zu meißeln.