Fußball Hanna Hamdi ist beim Afrika-Cup am Ball

Niederrhein · Die 26-jährige Stürmerin des Frauen-Regionalligisten VfR Warbeyen, die früher auch beim GSV Moers und VfL Repelen spielte, ist mit Tunesien mit einem Sieg und einer Niederlage in das Turnier gestartet. Sie hat mit dem Nationalteam und ihrem Klub ehrgeizige Ziele.

 Hanna Hamdi (rechts), hier im Pokalspiel gegen Alemannia Pfalzdorf, will mit Tunesien beim Afrika-Cup das WM-Ticket lösen.

Hanna Hamdi (rechts), hier im Pokalspiel gegen Alemannia Pfalzdorf, will mit Tunesien beim Afrika-Cup das WM-Ticket lösen.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Nominierung für das tunesische Aufgebot beim Afrika-Cup in Marokko war für Hanna Hamdi, die seit dem Sommer 2021 für den Fußball-Regionalligisten VfR Warbeyen spielt, eine echte Überraschung. „Ich hatte mit der Nominierung nicht gerechnet. Wir waren 40 Leute im Trainingslager, dann musst du dich beweisen und immer wieder zeigen, was du drauf hast. Ich bin sehr stolz, nun dabei sein zu dürfen“, sagt die 26-Jährige.

Seit einigen Tagen kämpft Hanna Hamdi mit ihrem Nationalteam um die Trophäe beim Afrika-Cup. Zum Auftakt der Gruppenphase setzte sich Tunesien mit 4:1 (2:1) gegen Togo durch. Die Partie wurde am Sonntag in der Küstenstadt Casablanca ausgetragen. Fünf Minuten vor Schluss wurde Hamdi eingewechselt, sie sorgte für frischen Wind. „Ich kämpfe aktuell mit einer Hüftverletzung. Daher bin ich froh, dass ich überhaupt fünf Minuten auf dem Platz stehen durfte. Die Mädels haben das super gemacht, ich bin sehr stolz auf den Sieg zum Auftakt“, sagt die in Tunis geborene Stürmerin, die vor ihrer Zeit beim VfR bei Borussia Bocholt, dem MSV Duisburg, dem VfL Repelen, dem GSV Moers sowie bei der SGS Essen aktiv war. In der Vergangenheit lief sie gar schon in der Ersten und Zweiten Bundesliga auf.

Im Vorfeld des Turniers war eigentlich erwartet worden, dass die Tunesierinnen es recht mühelos ins Viertelfinale schaffen. Doch das zweite Gruppenspiel gegen Sambia ist mit 0:1 (0:0) verloren gegangen. Erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielten die Spielerinnen aus dem kleinen Staat in Ostafrika den Siegtreffer. Hamdi blieb ohne Einsatz. Die Angreiferin verfolgte die Begegnung in Casablanca von der Ersatzbank aus. Die Niederlage bedeutet für Tunesien allerdings noch nicht das Aus. Am Samstagabend, 21 Uhr, geht es gegen Kamerun, das bislang zwei Remis eingefahren hat. Mit einem Sieg würde Tunesien ins Viertelfinale einziehen. Alle Mannschaften, die beim Africa-Cup den Sprung ins Halbfinale schaffen, qualifizieren sich damit für die Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland – der große Traum von Hanna Hamdi.

Zunächst steht aber das Weiterkommen beim Afrika-Cup im Fokus. „Es ist unser Ziel, den Pott mit nach Hause zu nehmen. Wir wollen unbedingt zeigen, was wir draufhaben. So können wir den Frauenfußball in Tunesien hoffentlich noch einmal ein ganzes Stückchen weiterbringen“, sagt Hanna Hamdi, die in der Offensive flexibel einsetzbar ist.

Im Jahr 2020 hätte das Turnier in Tunesien stattfinden sollen, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. In Marokko würden sich die Fußballerinnen allerdings auch äußerst wohlfühlen. „Die Stimmung ist toll. Die Mannschaft wächst klasse zusammen, wir sind schon eine Familie geworden. Gemeinsam erleben wir eine wunderschöne Zeit“, sagt Hanna Hamdi, die ihr Debüt für die tunesische Nationalmannschaft im Juni 2021 feierte. Wenig später traf sie beim Freundschaftsspiel gegen Jordanien. Sollte ihr Traum nun in Erfüllung gehen, würde das Team am 23. Juli im Finale des Afrika-Cups stehen. Doch bis dahin ist der Weg noch weit, die Konkurrenz ist stark. Seit 1991 wird der Wettbewerb ausgetragen, nie landete Tunesien unter den besten vier Mannschaften. Doch in diesem Jahr soll alles anders laufen, das Team hat reichlich Potenzial.

Viel Unterstützung erhält die 26-Jährige vom VfR Warbeyen. „Wir sind unglaublich stolz auf Hanna und fiebern mit“, sagt ihr Trainer Sandro Scuderi. Auch die Teamkolleginnen, die sich seit einigen Tagen in der Sommervorbereitung befinden, würden sich immer wieder melden. „Sie schreiben täglich und fühlen mit. Ich bin aber auch superstolz darauf, wie sie die Vorbereitung aktuell angehen. In Warbeyen sind wir eine große Familie. Ich freue mich schon darauf, meine Mädels wiederzusehen“, sagt die Deutsch-Tunesierin, die in der vergangenen Saison in zehn Partien fünf Treffer erzielen konnte.

Hanna Hamdi fiebert der neuen Saison in Warbeyen entgegen. Doch mit dem Tabellenplatz fünf, auf dem die Schwarz-Weißen zuletzt landeten, will sich die Angreiferin nicht mehr zufriedengeben. Dazu passen auch die Kaderplanungen. Am Montag will der Klub einige namhafte Neuzugänge vorstellen. Schon im Frühjahr 2020 hatte man das Ziel festgehalten, zumindest mittelfristig in die Zweite Liga aufzusteigen.

„Ich bin sehr zuversichtlich für die neue Saison. Wir haben ein Top-Team, das viel erreichen kann. Wir haben eine klasse Mannschaft, ein starkes Betreuer-Team und einen tollen Trainer. Hinzu kommt, dass wir zusammen kämpfen, stehen und fallen“, sagt Hanna Hamdi. Ende August trifft sie in der ersten Runde des DFB-Pokals auf ihren Ex-Klub Borussia Bocholt. Das Spiel des VfR wolle sie in den nächsten Monaten noch stärker prägen – und viele Tore schießen. „Ich will vom Afrika-Cup stärker nach Warbeyen zurückkehren und der Mannschaft noch besser helfen“, sagt sie.

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