Leichtathletik Mit Bourani im Ohr den Tag vergoldet

Sonsbeck · Vier Siebenkämpferinnen des SV Sonsbeck baden im Glanz ihrer Leistungen bei der Deutschen Meisterschaft in Bernhausen. Drei von ihnen gewannen den Mannschaftstitel und trugen sich ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

 Judith Martens, Lea Halmans und Sonja Martens sowie ihr Trainer Werner Riedel kamen gestern zu der großen Ehre, von Sonsbecks Bürgermeister Heiko Schmidt (r.) vor dem Rathaus empfangen zu werden und sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen zu dürfen.

Judith Martens, Lea Halmans und Sonja Martens sowie ihr Trainer Werner Riedel kamen gestern zu der großen Ehre, von Sonsbecks Bürgermeister Heiko Schmidt (r.) vor dem Rathaus empfangen zu werden und sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen zu dürfen.

Foto: Armin Fischer

Es ist der Abend des zweiten Wettkampftages bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Bernhausen. Für die 14 und 15 Jahre alten Leichtathletinnen des SV Sonsbeck war es das Ende eines langen Siebenkampfs. Mehrere Stunden hatten sie gegen den Regen angekämpft, nachdem am Vortag noch nahezu ideale spätsommerliche Bedingungen herrschten. Doch alle Schwierigkeiten hatten Hannah Schoofs, Sonja und Judith Martens sowie Lea Halmans gemeistert. Dabei waren ihnen stets die Worte ihres Trainers Werner Riedel präsent. "Wenn es gelingt, solide Leistungen zu bringen, dann sollte es funktionieren."

Solide Leistungen - diese Worte kommen im Gespräch mit den selbstbewussten Mehrkämpferinnen einige Male über deren Lippen. Und mit dem Funktionieren war der deutsche Mannschaftstitel im Siebenkampf der U16-Jugend gemeint - nach der Verbesserung des nationalen Rekordes bei den Landesmeisterschaften in Wesel das zweite, das eigentlich große Vorhaben in dieser Saison. Und noch aus einem anderen Grund dachten sie an ihren Trainer. "Dem macht es immer so viel Spaß, die großen Vereine zu kitzeln", verriet Judith Martens.

Gleich zu Beginn des Siebenkampfes setzten die Sonsbeckerinnen im Hürdensprint über 80 Meter, ihrer Paradedisziplin, den erhofften Paukenschlag. Daraufhin waren sie in der Addition der drei besten Leistungen mit einer komfortablen Punktzahl an die Spitze des Klassements gestürmt. Ab jetzt mussten sie nur noch die von ihrem Trainer geforderten soliden Leistungen abrufen - mit der Drei-Kilo-Kugel, im Hochsprung, über 100 Meter, im Weitsprung, mit dem 500 Gramm schweren Speer und zu guter Letzt über 800 Meter. Es gelang ihnen vorzüglich - nicht eine Disziplin hing am sprichwörtlich seidenen Faden. Das auch deshalb, weil die Sonsbeckerinnen in ihrer Unbekümmertheit den Eindruck vermitteln, als machte es ihnen auch noch Spaß, aus einer achten Disziplin Kapital zu schlagen: der Favoritenrolle als amtierender Rekordhalter und dem daraus resultierenden Druck.

"Klar, gab es dieses Kribbeln am Morgen vor dem Siebenkampf", gibt Sonja Martens zu. Es war jedoch kein lähmender Druck, sondern eine gesunde Anspannung, die Leistungen eher positiv beeinflusst als diesen im Wege steht. Und als Absicherung hatten sie zudem mit Hannah Schoofs im jüngeren Jahrgang der U16-Klasse eine weitere Siebenkämpferin dabei, die zwar nach einem anderen Zeitplan unterwegs war, sich aber mit einem erstklassigen Siebenkampf dicht an die drittbeste Sonsbecker Punktzahl heranpirschte.

Und noch jemand war zur Stelle - gewissermaßen als Motivator auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft: Andreas Bourani, der in seinem Erfolgsstück "Auf uns" davon singt, einen Tag vergolden zu wollen. "Nichts anderes wollten wir auch", betonte Judith Martens. "Mit dem Song haben wir uns schon während der Sommerferien motiviert, als wir zum Teil vormittags und nachmittags trainiert haben und manchmal echt fertig waren."

"Ein Hoch, auf das, was vor uns liegt. Dass es das Beste für uns gibt", heißt es bei Bourani weiter. Am frühen Abend des vergangenen Sonntags waren es genau noch zwei Stadionrunden, die Traum und Wirklichkeit voneinander trennten. "Bloß jetzt nicht hinfallen", schoss es Lea Halmans durch den Kopf. Den anderen ging es ähnlich. Im Augenwinkel hatten sie dabei die Neubrandenburgerinnen, die ihnen in der Mannschaftswertung am nächsten waren. "Ich habe mich zusätzlich nach hinten orientiert, um den vierten Platz in der Einzelwertung nicht zu verlieren", erinnert sich Lea Halmans. Auf den Gedanken, die einen Platz vor ihr liegende Sonja Martens zu verdrängen, sei sie nicht gekommen. "Wir wissen, wie stark Sonja über 800 Meter ist."

So war es auch. Sonja Martens beendete die 800 Meter klar vor Lea Halmans. Kurz darauf kam Judith Martens ins Ziel. Bevor sie sich auf ihre entkräftet am Boden liegenden Freundinnen stürzte, warf sie ihre Brille weg. "Die war eh so beschlagen, dass ich nichts mehr sah", sagte sie. Und dann lagen die Sonsbeckerinnen übereinander auf der Bahn und freuten sich mit den Trainern, Eltern und mitgereisten Anhängern. Ohrenbetäubend laut war der Jubel, so dass einige im Stadion fragten: "Ist denn ganz Sonsbeck hier versammelt?" Das also war der goldene Moment, den sich Sonja Martens, Lea Halmans und Judith Martens gewünscht hatten: die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Siebenkampf.

Und was meinte Hannah Schoofs als Vierte im Bunde? Bei eigenen Bestmarken in vier Einzeldisziplinen und einer neuen Gesamtpunktzahl lautete ihr Fazit: "Für mich war die DM gut, sehr gut sogar." Dabei legte sich ein breites Lachen auf ihr Gesicht, das mindestens so viel zählt wie das, mit dem ihre drei Vereinskolleginnen als Deutsche Mannschaftsmeister durch die Lande ziehen. Die Sportlerinnen gönnen sich den Erfolg gegenseitig. Und das auch deshalb, weil sie beim SV Sonsbeck zu Freundinnen wurden.

(poe)
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