Fußball-Kreisliga A : Plan B – aus Kramer wird „KRAMER“

Seine Laufbahn als Fußballer beim TuS Borth musste der 22-Jährige aus Wallach wegen einer schwereren Knie-Verletzung beenden. Die Karriere als Musiker hat gerade erst begonnen. Vier Songs sind bereits veröffentlicht.

Über ein Jahr hat Maxi Kramer nicht mehr vor den Fußball getreten. Ein Knorpelschaden im Knie setzt den 22-jährigen Spieler des TuS Borth dauerhaft außer Gefecht. „Das Thema Fußball ist leider abgehakt“, sagt Kramer, der sich in naher Zukunft einer Operation unterziehen muss. Bestandteil der Mannschaft bleibt er weiterhin. Bei den Spielen schaut er so oft es geht vorbei. „Die Jungs geben mir das Gefühl, dass ich noch dabei bin“, schätzt er den Zusammenhalt beim TuS. Mehr als sein halbes Leben hat er auf dem Fußballplatz verbracht.

Von Wallach zog es den frisch ausgelernten Mediengestalter kürzlich nach Bochum. Nach dem Praktikum in einem Kindergarten strebt er dort ab Oktober ein Pädagogik- oder Musik-Studium an. Der Grundstein im Arbeitsleben ist gelegt. Ein zweites Standbein, seinen persönlichen „Plan B“, baut sich Kramer gerade auf. Gemeinsam mit drei Freunden aus der Umgebung produziert der 22-Jährige seine eigene Musik. Unter dem Pseudonym „KRAMER“ nimmt er das Mikrofon auch selbst in die Hand. Vier Songs wurden bereits auf Streamingdiensten wie Spotify oder Apple Music veröffentlicht.

Doch wie kam es überhaupt dazu? Schon während seiner Schulzeit blieb sein Gesangstalent nicht unerkannt. Maxi Kramer führte es, wie er sagt, von Schülerband zu Schülerband – teilweise auch als Frontsänger. „Das hat immer gut funktioniert. Aber ich wollte immer schon gerne meine eigene Musik machen.“ Sein Freund Leon Cleven („Jallasnow“) half ihm, diesem großen Traum ein Stück näher zu kommen. Cleven ist schon länger im Musikgeschäft vertreten, machte ihn mit Kennern der Szene vertraut und lernte grundlegende Dinge an. Schritt eins war getan. Danach kam ganz schnell eins zum anderen.

So traf sich die Gruppe, der auch Kramers langjähriger Kumpel Mike Eliab („Myke“) und Dennis Radtke („Cherno“) angehören, im Herbst vergangenen Jahres auf Eliabs Dachboden in Xanten. Mit eigens geschriebenen Texten und selbstgestalteten Beats ließen die Musiker ihrer Kreativität freien Lauf. Die Geburtsstunde von Kramers Musikkarriere. Den Augenblick der Aufnahme seines ersten Refrains kann er noch ganz genau beschreiben. „Absolut geil. Das war schon ein magischer Moment.“ Sein Markenzeichen: der Effekt in der Stimme. Mit den nötigen Filtern und Schnittprogrammen wurde aus Blaupausen schnell ein fertig gemixter Song.

Nur drei Wochen darauf wurde „Liebe von mir“ am 22. November 2019 auf den gängigen Streamingdiensten releast. Die Debütsingle zählt bis heute fast 42.000 Aufrufe. „Ich bin quasi bei null gestartet und hätte nie damit gerechnet, dass der Andrang so groß werden sollte“, so Kramer. Doch so einfach es vermeintlich war, einen Song gegen einen geringen Betrag im Internet zu veröffentlichen, so schwierig ist es, sein Werk zu verbreiten, um noch mehr Reichweite zu generieren. Das bekommt das Quartett aktuell zu spüren.

Zwar wurde viel über soziale Netzwerke geworben, doch die Konkurrenz ist groß. „Die Streamingdienste arbeiten viel mit Algorithmen. Man muss auch Glück haben und geduldig bleiben.“ Von einer möglichen Alternative, vielleicht schon früher groß herauszukommen, sieht der Künstler derzeit noch ab. „Dafür müsste man viel Geld in die Hand nehmen. Das möchte ich aber nicht.“ Seine Einnahmen, die pro Aufruf in einem sogenannten Distributor errechnet werden, finden Stand jetzt nur für Werbung und Equipment, nicht aber für private Zwecke Verwendung. „Aufgrund der Aufrufzahlen ist es im Moment noch zu sehr mein Hobby.“

Doch der 22-Jährige wäre nicht der Erste, der sein Hobby zum Beruf machen würde. „Es ist das Ziel eines jeden, irgendwann von der Musik leben zu können.“ Vor knapp zwei Wochen feierte Maxi Kramer seinen 22. Geburtstag. An diesem Tag erschien sein vierter Song „Coupé“, mit dem sich zugleich ein weiterer großer Traum erfüllte. Dank des zuvor eingenommenen Budgets bastelte er mit seinen Kollegen an seinem ersten Video auf professioneller Basis, das über YouTube den sofortigen Weg in Öffentlichkeit fand.

Um weiter an seinem Durchbruch zu feilen, arbeitet Maxi Kramer in Zeiten der Corona-Krise von zu Hause bereits an neuen Texten und Beats. Das Virus verhinderte zudem den ersten Bühnenauftritt in Hamburg, wo er ebenfalls viele Hörer hat. Der Musikproduzent opfert seiner großen Leidenschaft jede freie Minute. Großen Wert legt der 22-Jährige übrigens darauf, nicht als Rapper bezeichnet zu werden. „Ich bin Musiker oder Sänger“, stellt er klar. Mit dem Gesangstalent von Maxi Kramer in den Reihen dürfte zumindest die nächste Mannschaftsfeier des TuS Borth gesichert sein.