Laura und Weronkia Rekus aus Lüttingen spielen für Polen

Fußball-Schwestern sind Nationalspielerinnen : Zwillinge aus Lüttingen starten durch

Weronika und Laura Rekus spielen beim Regionalliga-Spitzenclub Bocholt sowie fürs polnische U19-Nationalteam.

Nur allzu gern erinnert sich Heinz-Willi Kemkes an 40 Jahre ehrenamtliche Arbeit als Fußball-Jugendtrainer beim SSV Lüttingen zurück. Eine Zeit ist dem 59-Jährigen besonders im Gedächtnis geblieben. Als im Sommer 2010 die Bagger über die Anlage am Schürkamp rollten und der neue Kunstrasenplatz entstand, trainierte er mit Kerstin Kremers (28) die U11-Mädchen auf dem Ascheplatz am Stiftsgymnasium. Eines Abends schauten zwei neunjährige Mädchen vorbei. „Nur mal mitspielen wollten sie“, erzählt Kemkes von der ersten Begegnung mit den Zwillingen Weronika und Laura Rekus. Nach nur einer Übungseinheit war klar, „dass wir zwei Talente entdeckt haben“, erinnert sich Papa Adrijan Rekus an Kemkes’ Worte von vor neun Jahren.

Was die beiden Lüttinger Jugendtrainer damals ahnten, hat sich längst bestätigt. Die 17-jährigen Xantenerinnen mit polnischen Wurzeln haben ihren Weg gemacht. Seit der Winterpause spielen sie für Borussia Bocholt, dem Tabellenzweiten der Regionalliga West. Während sich Laura als „Linksfuß“ auf der linken Abwehrseite zuhause fühlt, beackert Weronika – genannt „Wero“ – mit ihrem starken rechten Fuß die andere Seite.

Zweikampfstärke und die nötige Robustheit haben die 1,65 Meter großen Fußballerinnen schon in ihrer Zeit beim SSV mitbekommen. Immerhin kickten sie auch eine Zeit mit den C-Junioren in der Jungen-Niederrheinliga mit. Danach ging’s über den VfL Bochum und die SGS Essen in die U17-Bundesliga. Vor ihrem Wechsel im Dezember hatten die schnellen Schwestern in der Hinserie auch schon Einsätze in der 2. Bundesliga. Mit Bocholt peilen die Außenverteidigerinnen den Aufstieg an.

Auf dem Platz und auch abseits des Rasens sind die beiden unzertrennlich; optisch kaum zu unterscheiden. Wenn ihre Mitspielerinnen einen Namen rufen, drehen sich beide prophylaktisch um. „Dabei sind wir vom Charakter her unterschiedlich“, meint Laura, die eine Minute älter als ihre Schwester ist. Die Jüngere ist zurückhaltender. Auf dem Rasen sieht das jedoch anders aus. Da hat „Wero“ schon mal die Rote Karte kassiert. „Sonst spielen wir aber beide fair“, ergänzt ihre ältere Schwester grinsend.

Über die Landesgrenze hinaus ist das Fußballtalent der Schülerinnen nicht verborgen geblieben. 2016 bei einem Turnier in Spanien wurde ein Scout aus Polen auf die blonden Mädchen der U17-Mannschaft aus Rees aufmerksam. „Er hat uns polnisch reden hören und eine Visitenkarte gegeben“, erzählt Weronika. Nach einem kurzen Kontakt folgte die Einladung zur polnischen Nationalmannschaft. Seitdem tragen die Abwehrspielerinnen das rot-weiße Trikot mit dem goldgekrönten Adler. In drei Wochen geht‘s für die Zwillinge dann auch schon in die Türkei. Dort bestreiten sie mit der U19 in Side Freundschaftsspiele gegen Ungarn, den Kosovo und Tschechien. Noch vor Ostern folgen EM-Qualifikations-Partien in Belgien.

Für die angehenden Abiturientinnen ist es nicht einfach, den Schulalltag mit den Länderspielen unter einen Hut zu bringen. Papa Adrijan, Mama Katarzyna und die ältere Schwester Angelika unterstützen sie so gut wie möglich. Und das Placidahaus, an dem die Rekus-Zwillinge ihr Fachabitur mit dem Schwerpunkt Sozial- und Gesundheitswesen anstreben, zeigt großes Verständnis für ihr zeitaufwendiges Hobby „Den Stoff nachzuholen, ist aber auch Stress“, betonen beide unisono. Klausuren wurden daher auch schon mal in den Ferien geschrieben. Dies nehmen die Fußballerinnen jedoch gerne in Kauf.

Bis zum Abi 2020 soll’s weiterhin dreimal in der Woche nach Bocholt zum Training gehen. Dazu kommen die Spiele und Auswärtsfahrten durch ganz Westdeutschland. An den straffen Wochenplan haben sich Laura und Wero gewöhnt. Den Fahrdienst übernahmen bisher Mama und Papa. Für Länderspiele hat sich Adrijan Rekus auch schon mal drei Tage frei genommen, um seine Töchter über 1200 Kilometer bis an die weißrussische Grenze zu kutschieren. In zwei Wochen werden die beiden 18 Jahre alt. Dann können sie sich selbst hinters Steuer setzen.

Zum Regionalliga-Rückrunden-Start am 24. Februar müssen die Zwillinge aus Lüttingen nicht weit fahren. Dann geht’s zum Tabellennachbarn SV Budberg. Vielleicht sind dann ja auch Heinz-Willi Kemkes und Kerstin Kremers am Platz, um zu sehen, was die Mädchen von damals denn so alles dazugelernt haben.

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