Jung-Schiedsrichter Julian Schmelzer gewährt einen Einblick in seine sportliche Welt.

Ein Fußball-Schiedsricher berichtet : „Man wird mal geliebt und mal gehasst“

Julian Schmelzer ist 17 Jahre alt und Jung-Schiedsrichter. Der Fußball-Referee gewährt einen Einblick in seine sportliche Welt. Und der Xantener beschreibt, warum er gerne Spielleiter ist.

Es ist 19.30 Uhr. Derby-Zeit. Ein Flutlicht-Spiel steht an. Das ist für jeden Fußball-Schiedsrichter etwas Besonderes. Für junge Spielleiter umso mehr. Ich bin 17 Jahre und erst seit 2017 dabei. Gegenüber stehen sich die A-Jugend-Mannschaften der SG Lüttingen/Labbeck-Uedemerbruch und des SV Sonsbeck. Durch das schnelle Führungstor für die Gäste ist von Anfang an Brisanz in der Partie.

Als Schiedsrichter wird man mal geliebt und mal gehasst. Es ist nicht immer leicht. Erfahrungen mit körperlichen Angriffen habe ich noch keine. Wenn es aber dazu kommt, sind die Strafen meist zu gering oder die Öffentlichkeit bietet den Fällen keine Beachtung.

Zurück auf dem Platz in Lüttingen. Durch einen Abwehrfehler fällt der Ausgleich. Der Kapitän der Hausherren trifft. Trotz meiner relativ kurzen Leine muss ich den gelben Karton erst in Minute 34 zum ersten Mal zeigen. Fortan wird das Spiel hitziger.

Interessiert war ich schon immer an den Männern mit der Pfeife. Früh fing ich an, in der Schule die Klassen-Spiele am Fußball zu leiten oder auch in anderen Sportarten. Seit dieser Saison pfeife ich Begegnungen der Senioren-Kreisliga und stehe als Assistent in der A-Junioren-Niederrheinliga an der Linie. Mein Ziel ist es, ganz oben anzugreifen und irgendwann in der Bundesliga zu pfeifen.

In Lüttingen fällt noch vor der Pause das 1:2. Meine Halbzeit-Bilanz: drei Gelbe Karten und drei Tore. Die Teams gehen in die Kabine.

Für viele ist es erschreckend, was sich ein Schiedsrichter so alles auf und nehmen dem Platz anhören muss. So ist es auch kein Wunder, dass es Nachwuchsprobleme gibt. Aber ich mache es gerne. Es ist ein Ausgleich zum Alltag. Und ich kann meiner Persönlichkeit freien Lauf lassen. Der Schiedsrichter-Ausschuss des Fußball-Kreis Moers sorgt sich sehr um einen und bietet monatlich Fortbildungsmöglichkeiten an. Es gibt dennoch zu wenige Unparteiische im Kreis Moers.

In Lüttingen beginnt die zweite Halbzeit – mit zwei gelben Karten in den ersten drei Minuten. Beide Mannschaften wollen unbedingt ein Tor schießen, doch nur die Gäste treffen. Die Sonsbecker erhöhen 20 Minuten vor dem Ende auf 3:1. Nach einem groben Foulspiel im Mittelfeld muss ich einen Spieler der Heim-Mannschaft des Feldes verweisen.

Ich hatte mit einer hitzigen und hart umkämpften Partie mit vielen kleinen Nickligkeiten gerechnet. Hinter den Mannschaften lag ein dürftiger Saison-Start. Es gehört zu meiner Vorbereitung, die Tabellensituationen auszuwerten und vergangene Partien mit den zwei Rivalen nach Auffälligkeiten zu untersuchen. Und als Schiedsrichter für den TuS Xanten wusste ich, dass es auf dem Lüttinger Kunstrasenplatz keine einfache Partie wird.

Durch meine Tätigkeit als Schiedsrichter habe ich in den letzten zwei Jahren an Menschenkenntnis und Lebenserfahrung gewonnen. Man lernt, sich zu behaupten. Nach jedem Spiel bin ich selbstkritisch und versuche Szenen durchzugehen, die ich beim nächsten Mal unbedingt besser machen will. Meine Stärken sind die Körpersprache und Kommunikation. Ich bin kontaktfreudig und habe viel Selbstbewusstsein.

In Lüttingen gebe ich eine Elfmeter für die Sonsbecker. Der Torwart hatte einen Gegenspieler von den Beinen geholt. Der Keeper hält den Elfmeter mit einer starken Parade. Er wehrt den Ball zur Ecke ab. Eine kurz ausgeführte Ecke mit einer Traumflanke führt dann doch zum 4:1 für die Gäste. Nach Spielende muss ich noch eine Regeländerung anwenden, als ich den Co-Trainer der Heim-Mannschaft verwarne. Zudem beleidigt mich der Spieler, dem ich Rot gezeigt hatte. Es folgt ein Sondereintrag im Spielbericht. Mein persönliches Resümee: Zehn gelbe Karten habe ich noch nie in einem Spiel gezeigt.

Nicht in jeder Begegnung ist so viel los. Doch gerade diese Spiele machen einem Schiedsrichter am meisten Spaß. Man ist hochkonzentriert und motiviert. Natürlich gibt’s auch mal Partien, nach denen man sich denkt, wofür man das überhaupt macht. Aber das nächste Spiel ist dann meistens so gut, dass man schlechte Leistungen ganz schnell vergisst. Das Wichtigste aber ist, dass die Schiedsrichter-Gemeinschaft immer hinter einem steht – und auch ich immer vollste Rückendeckung bekomme.

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