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Lokalsport: Johannes Oerding kickt auf dem Kiez

Lokalsport : Johannes Oerding kickt auf dem Kiez

Der Sänger aus Kapellen gastierte mit der Arminia seines Heimatortes am Millerntor. Heute trifft der SV Sonsbeck auf den A-Ligisten.

Die Vereinsverantwortlichen staunten nicht schlecht, als Anfang Dezember eine Einladung zu einem Freundschaftsspiel in der Geschäftsstelle auf dem Schreibtisch lag. Der FC St. Pauli wollte sich mit Arminia Kapellen messen. "Da fahren wir hin, das lassen wir uns nicht durch die Lappen gehen, was für eine Sache; eine Einladung zu einem Freundschaftsspiel gegen die Traditionsmannschaft vom Kiez", lautete die einhellige Meinung. Zwar nicht gegen die Profis vom Millerntor: Es ging gegen die Vierte.

Den Kontakt stellte Laurenz Blindenbacher her. Der gebürtige Kapellener und ehemalige Spieler der Arminen lebt mittlerweile in Hamburg, studiert dort Medienwissenschaft und kickt für St. Pauli IV.

Die Überraschung war 90 Minuten vor dem Anpfiff groß und die Begrüßung herzlich, als Johannes Oerding mit seinem typischen schwarzen Hut und schmaler Sporttasche zur Mannschaft stieß, um ganz einfach ein paar Minuten mitkicken zu dürfen. Der Sänger, der seit Jahren in der Hansestadt wohnt, blickt auf eine fußballerische Vergangenheit in Kapellen zurück.

"Ich bin fit wie ein Turnschuh, rauche seit vier Wochen nicht mehr, ziehe regelmäßig mein Fitnessprogramm durch und stehe voll im Saft", erklärte der Pop-Star. Wann er das letzte Mal für die Arminia gespielt habe? "Das muss so etwa 15 Jahre her sein, da habe ich gemeinsam mit meinen beiden Brüdern Philipp und Matthes in der Ersten gespielt. Ich meine, in der Kreisliga B."

Die erste Halbzeit hatten die Kapellener fest im Griff, gingen im unmittelbaren Schatten des Millerntor-Stadions durch Niklas von Hoensbroech früh in Führung, mussten aber kurz vor dem Halbzeitpfiff noch das 1:1 aus klarer Abseitsposition hinnehmen.

Oerding hatte an der Seitenlinie Zeit, etwas über seine musikalischen Pläne zu verraten. "Im Moment bin ich im Studio und produziere dort meine neue CD, die im Mai erscheinen soll. Zum Titel möchte ich noch nichts sagen, da wird noch dran gearbeitet; im Herbst werde ich eine große Tournee durch Deutschland, Österreich und der der Schweiz machen." Nachdem er 2016 auf dem vollen Straelener Marktplatz spielte, wird er in diesem Jahr mit Sicherheit nicht in der alten Heimat auftreten. "Aber ich hoffe, 2018 dort wieder auf der Bühne stehen zu dürfen. Es ist tatsächlich immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis, bei meinen treuesten Fans am Niederrhein zu gastieren."

In der zweiten Hälfte wurde bei Kapellen mächtig ausgewechselt, und nach etwa 60 Minuten gab Coach Philipp Oerding, der an diesen Tag den erkrankten Mario Kanopa vertrat, dem Sänger das Kommando: "Los, Hannes, warm machen, gleich biste dran!" Das ließ der sich nicht zweimal sagen, kam für Carsten Trienekens ins Spiel und orientierte sich direkt in die Sturmspitze. Das eine oder andere Mal brannte es im Strafraum der Paulianer, und zwei dicke Dinger hatte "Hannes" auf dem Schlappen, aber vermutlich wegen mangelnder Spielpraxis blieb ihm ein Torerfolg versagt.

"Alter Schwede, eins hätte ich machen müssen, aber es hat echt Spaß mit den Jungs gemacht", lautete Oerdings Bilanz nach dem Abpfiff. Das Spiel endete 5:1 für St. Pauli; Laurenz Blindenbacher, dessen Eltern ebenfalls angereist waren, steuerte einen Treffer bei. Lennard Kratz, Getränkewart an diesem Tag, brachte es auf den Punkt: "Der zweite Anzug zwickt an allen Stellen, wir waren einfach nicht abgezockt genug." Bei anschließenden Zug durch St. Pauli vom Hans-Albers-Platz aus war das aber wohl kein Thema mehr.

(RP)