Isabell Werth im Interview: „Ruhestand? Ich werde 50, nicht 100“

Interview mit Isabell Werth : „Ruhestand? Ich werde 50, nicht 100“

Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt feiert am Sonntag runden Geburtstag. Ein guter Grund für ein Gespräch mit 50 Fragen an Isabell Werth.

Der Zeitpunkt passt. Der Ort passt. Am Sonntag beim CHIO in Aachen feiert Isabell Werth runden Geburtstag. Die sechsmalige Olympiasiegerin im Dressurreiten nennt das Weltfest des Pferdesports gerne ihr zweites Wohnzimmer. Vor dem Turnier nahm sich die Rheinbergerin die Zeit, um 50 Fragen zum bevorstehenden 50. Geburtstag zu beantworten. Einige mit einem Augenzwinkern, andere sehr persönlich oder zur sportlichen Weltkarriere gestellt.

Gab’s schon mal eine bessere Isabell Werth als heute?

Isabell Werth Momentan habe ich einen guten Lauf.

Warum ist der CHIO Ihr zweites Wohnzimmer?

Werth Weil ich mich dort immer sehr heimisch und wohl fühle.

Wo haben Sie Ihre beste Kür geritten?

Werth Es gibt nicht die eine Kür, sondern die beste mit dem jeweiligen Pferd. Zum Beispiel Gigolo in Atlanta, Satchmo und Emilio in Aachen oder Weihegold in Paris.

Wer war/ist Ihr Lieblingskonkurrent im Viereck?

Werth Immer die Besten Top-Leistungen sind insbesondere dann möglich, wenn man sich gegenseitig fordert und pusht. Nicole Uphoff, Anky van Grunsven, Edward Gal, Charlotte Dujardin, Laura Graves oder unsere Deutschen Dorothee Schneider und Sönke Rothenberger waren beziehungsweise sind eben solche Spitzenreiter.

Was macht einen sehr guten Dressurreiter aus?

Werth Liebe zum Pferd, Feingefühl, Kurze Leitung vom Kopf zum Hintern, Disziplin und Selbstkritik.

Würden Sie gerne mal am Richter-Tisch sitzen?

Werth Sporadisch, ja.

Wie hieß Ihr erstes eigenes Pferd?

Werth Abendwind.

Wo liegen die olympischen Goldmedaillen?

Werth In einer Vitrine.

Sie haben viele Titel geholt. Welcher war der Schönste?

Werth Olympische Spiele in Atlanta, die WM in Aachen und die WM in Tryon.

Wie sieht der Dressursport in zehn Jahren aus?

Werth Das wird davon abhängen, wie die nächste Generation mit den Herausforderungen „rund ums Pferd“ umgehen wird.

Gab’s eine Zeit, wo Sie übers Karriereende nachgedacht haben?

Werth Nicht wirklich, jetzt möchten es aber viele von mir wissen.

Warum sind Sie nicht Springreiterin geworden?

Werth Weil ich immer ein Faible fürs Dressurreiten hatte und es auch viel besser kann.

Sitzen Sie auch mit 60 Jahren als Profi noch im Sattel?

Werth Zu Hause bestimmt.

Wie werden Sie ihre Zeit als Ruheständlerin verbringen?

Werth Ruhestand? Ich werde 50, nicht 100.

Was halten Sie von Olympischen Sommerspielen 2032 in NRW?

Werth Es wäre großartig für NRW, für unser Land, für die ganze Stimmung. Ich wünsche mir, dass wir in Deutschland den Mut, die Inspiration, den Enthusiasmus und die Freude dafür aufbringen werden. Die Fußball-WM 2006 hat gezeigt, zu welchen Emotionen Deutschland fähig ist und was für ein würdiger Gastgeber wir sein können.

Was bedeutet Ihnen die Zahl 50?

Werth Nicht mehr oder weniger als 49 oder 51.

Würden Sie sich die Haare färben?

Werth Ja!

Nordsee oder Karibik?

Werth Nordsee – obwohl einmal Karibik live wäre auch ein Erlebnis.

Bier oder Sekt?

Werth Wein.

Pumps oder Sportschuhe?

Werth Sportschuhe.

Pommes rot-weiß oder Lachstatar?

Werth Beides, so wie die Gelegenheit sich bietet.

Twitter oder Instagram?

Werth Wenn überhaupt, dann Instagram.

Krimi oder Liebesroman?

Werth Sehr gerne beides, je nach Stimmung.

Wie entspannen Sie sich?

Werth Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Auf dem Pferd, in der Badewanne, mit der Familie und Freunden bei einem gemütlichen Essen oder im Garten.

Was wünschen Sie sich zum 50.?

Werth Gesundheit im Haus und im Stall.

Können Sie sich vorstellen, nach Ihrer aktiven Karriere ein öffentliches Amt in Rheinberg zu bekleiden?

Werth Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Wenn nicht Rheinberg: Wo würden Sie gerne leben?

Werth Die Frage stellt sich nicht.

Gibt es etwas an Pferden, was Sie absolut nicht mögen?

Werth Nein. Ausgenommen gefährliche Reaktionen.

Was ist das meist verbreitete Vorurteil über Pferde?

Werth Ich kenne die Statistik nicht. Ich habe keine Vorurteile.

Können Sie jemandem, der absolut keine Ahnung von Dressurreiten hat, die Sportart in zwei Sätzen erklären?

Werth Dressurreiten ist wie Kindererziehung. Man ist gefordert, sich mehrere Jahre nahezu tagtäglich mit dem Pferd und all seinen Stärken, Schwächen und Verhaltensweisen zu beschäftigen, das Talent zu fördern, zu schleifen, mit dem Ziel, das ganze Potential mit größtmöglicher Leichtigkeit zur Entfaltung zu bringen.

Wie lautet Ihr Lieblingslied?

Werth Es gibt nicht das eine Lied, sondern das hängt von meiner Stimmung ab. Und da bediene ich das gesamte Repertoire.

Stehen Sie gerne im Rampenlicht?

Werth Kommt drauf an.

Welche Sportart abseits des Reitens fasziniert Sie?

Werth Ich bin generell sportafin und kann mich für viele Sportarten wie Fußball, Tennis oder Formel 1 begeistern.

Öffentlich-rechtliches TV oder Netflix?

Werth TV.

Pony oder Pferdeschwanz?

Werth Pferdeschwanz.

Wie würden Sie heute Ihr Geld verdienen, wenn Sie keine Reiterin geworden wären?

Werth Vermutlich als Juristin.

Mathe oder Deutsch?

Werth Deutsch.

Mit oder ohne Sattel?

Werth Mittlerweile mit Sattel.

Ausritt durch den Wald oder über die Wiese?

Werth Ist beides wunderbar.

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?

Werth Frühaufsteher.

Kaffee oder Tee?

Werth Kaffee.

Supermarkt oder Onlinehandel?

Werth Supermarkt.

Bahn oder Flugzeug?

Werth Flugzeug.

Einkaufsliste oder Spontankauf?

Werth Sogenannter Kombikauf mit einer Liste, die spontan aufgefüllt wird.

Was können Menschen von Pferden lernen?

Werth Ganz klar, Unvoreingenommenheit, Treue und ehrliche Zuneigung.

FC Bayern München oder Borussia Dortmund?

Werth Schalke.

Wie sieht ein Sonntagsfrühstück bei den Werths aus?

Werth Gemütlich um 8 Uhr, Kaffee, Brötchen, Ei, Obst.

Können Sie über Blondinen-Witze lachen?

Werth Klar, als Blondine habe ich immer eine Entschuldigung.

Kniffel oder Scrabble?

Werth Kniffel.

Sind Sie für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen?

Eine bewegte Karriere. Foto: Pixabay
CHIO 2019: Weltklasse-Dressurreiterin Isabell Werth sattelt in Aachen auch Bella Rose. Auf dem Championatspferd gewann sie den Grand Prix. Die Fuchsstute trug die Noch-49-Jährige bereits zu drei WM-Goldmedaillen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
Gruß an die Rheinberger: Isabell Werth wurde 2018 nach der Weltmeisterschaft mit einer Kutsche von zu Hause abgeholt und zur Anlage des RV „Graf von Schmettow“ Eversael gebracht. Aus Tryon brachte sie zweimal Gold mit. Foto: Fischer/Armin Fischer
Isabell Werth vor einem Ortseingangsschild ihrer Heimatstadt. Sie kann sich nicht vorstellen, aus Rheinberg wegzuziehen. Foto: Christoph Reichwein (crei)
Ein Küsschen für Satchmo, einem ihrer großen Championatspferde. „Satchie“ verabschiedete sich 2011 von der Turnier-Bühne. Foto: Werth
Drei ihrer größten Fans: Mama Brigitte, Schwester Claudia und Papa Heinrich. Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)
Isabell Werth wurde nach den Olympischen Spielen in Rio mit allen Ehren auf dem Reitplatz ihres Heimatverereins in Eversael empfangen. Sie brachte eine Gold - und Silbermedaille mit. Foto rechts: Isabell Werth warb wie Boxer Henry Maske im Jahr 2000 für die Karstadt-Marke „Yorn“. Foto: Fischer, Armin (arfi)/Fischer, Armin (afi)
Isabell Werth ist das Aushängeschild für das junge Mode-Label "Yorn".,Isabell Werth. Foto: Karstadt
 Isabell Werth auf Don Johnson bei der Europameisterschaft 2013, mit dem sie Mannschaftsgold holte. 2019 ist die letzte Turnier-Saison für den 17-jährigen „Johnny“. Der Hannoveraner kommt auf rund 50 internationale Grand Prix-Erfolge. Foto: dpa/dpa, Jochen Lübke

Werth Wenn ich mein Punktekonto anschaue, dann haben wir ganz schön viele Tempolimits.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Isabell Werth

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