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Handball: Marie Kowald erlebt zweiten Frühling bei HSG Alpen/Rheinberg

Handball : Marie Kowalds zweiter Frühling

Ihre Laufbahn schien schon beendet zu sein, aber beim Verbandsligisten HSG Alpen/Rheinberg griff die 33-Jährige, die einst für den TuS Lintfort in der Zweiten Bundesliga spielte, nach fünfjähriger Pause noch einmal an.

Wer Marie Kowald heute als Handballerin der HSG Alpen/Rheinberg erlebt, der kann sich gar nicht vorstellen, dass ihre Laufbahn vor einigen Jahren eigentlich schon so gut wie beendet war. Damals, im Jahr 2011 „brauchte ich etwas Abstand vom Handball“, sagt sie. Der Plan war jedoch nicht, dass aus dieser Pause gleich fünf Jahre wurden.

Dass es so kam, hatte mehrere Gründe. Mitten in der Auszeit nahm Marie Kowald an einem Jux-Turnier teil und zog sich dabei einen Kreuzbandriss zu, was eine baldige Rückkehr schon zwangsläufig verhinderte. Und anschließend blieb sie dem Handball als Zuschauerin zwar stets verbunden, aber an einen Wiedereinstieg dachte die heute 33-Jährige zunächst nicht.

Das änderte sich erst, als sie auf einer Feier eine Wette verlor. Ihr Einsatz: Sie sollte mit zu einer Partie der HSG Alpen/Rheinberg kommen. Aus dem Mitkommen wurde allerdings sofort ein Mitspielen – der Anfang zur Fortsetzung ihrer Laufbahn war gemacht. „Ich habe sofort wieder Blut geleckt. Alle waren total nett, ich habe mich sehr schnell eingefunden. Und jetzt denke ich aktuell überhaupt nicht mehr ans Aufhören“, sagt Marie Kowald.

Marie Kowald, geborene Zeegers, hier noch im Trikot des TuS Lintfort, läuft inzwischen für die HSG Alpen/Rheinberg auf. Foto: Archiv

Angefangen mit dem Handball hat sie bereits im Alter von sechs Jahren. Er wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt, denn sowohl ihr Vater als auch ihr älterer Bruder spielten Handball. „Für mich kam auch gar kein anderer Sport infrage“, sagt Marie Kowald. „Ich mag die Abwechslung beim Handball, die vielen Tore und die Tatsache, dass es sich um einen Ball- und Teamsport handelt.“

In der Jugend spielte die aus Kamp-Lintfort stammende Marie Kowald, die damals noch Zeegers hieß, fast ausschließlich für den TuS Lintfort. Eine Ausnahme bildete lediglich ein Gastspiel beim Neusser HV, für den sie in der A-Jugend ein Zweitspielrecht besaß. „Neuss war für gute Jugendarbeit bekannt und so konnte ich dort Spielpraxis sammeln, während ich in Lintfort schon bei den Frauen mittrainiert habe“, sagt die 33-Jährige.

Den ersten Aufstieg des TuS in die Zweite Bundesliga erlebte sie noch von der Bank aus. Anschließend entwickelte sie sich aber immer mehr zur festen Größe im Lintforter Team, das in der Folgezeit regelmäßig zwischen Regionalliga und Zweiter Liga hin und her pendelte. Als 2010 erneut der Sprung in die zweithöchste Spielklasse gelang, zog es Marie Kowald zum TV Walsum-Aldenrade in die damals neu gegründete Dritte Liga. „Ich hatte gerade meine Ausbildung zur Bankkauffrau beendet, und es wurde mir einfach zu viel. So musste ich für die Spiele nicht mehr quer durch Deutschland reisen.“ Nach einem Jahr in Walsum-Aldenrade folgte die bereits erwähnte Pause und 2016 der Wiedereinstieg bei der HSG Alpen/Rheinberg.

„Das ist wirklich eine super nette Truppe, und wir sind dann ja auch direkt von der Landesliga in die Verbandsliga aufgestiegen und bis heute drin geblieben“, so Kowald. Während sie in ihrer Lintforter Zeit zumeist auf der Linksaußen-Position eingesetzt wurde, ist nun der Kreis ihr Wirkungsfeld. „Und da passe ich jetzt auch ganz gut hin“, sagt Kowald, deren sportliche Qualitäten auch von ihrem Trainer Jürgen Mölleken sehr geschätzt werden. „Sie ist nicht nur eine tolle Spielerin, die sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt. Sie geht als Führungskraft auch immer mit gutem Beispiel voran und spricht zum richtigen Zeitpunkt auch schon mal ein gewichtiges Wort“, sagt der HSG-Coach.

Ein Lob, das Marie Kowald natürlich freut und das sie mit ihrer Ansicht über den Sport auch bestätigt. „Ich versuche stets das Komplette im Blick zu haben. Man braucht ein Team, um erfolgreich zu sein“, sagt Kowald. „Wenn ich bei einem Sieg in einem Spiel kein Tor erzielt habe, aber dennoch gut für die Mannschaft gearbeitet habe, ist das genauso viel wert wie persönliche Triumphe.“ Dass Kowald sich mit einer derartigen Einstellung auch eine Zukunft als Trainerin eines Jugend- oder Frauenteams vorstellen kann, liegt fast auf der Hand.

Zunächst will sie ihrer „großen Liebe Handball“ aber noch als Spielerin erhalten bleiben. Derzeit teilt sie in der Hinsicht aber das Schicksal vieler Amateursportler. Sie ist zum Warten verurteilt. Die Corona-Pandemie hat – wie schon im Frühjahr – erneut zu einer Unterbrechung der laufenden Saison geführt. „Diese zweite Zwangspause ist beinahe noch schwieriger. Die Motivation, sich fit zu halten, sinkt schon deshalb, weil es aktuell dunkel ist, wenn man von der Arbeit kommt“, sagt Kowald. Training mit dem Team, so ihre Vermutung, sei wohl frühestens im Februar wieder möglich. Außerdem hält sie es für wahrscheinlich, dass die Saison letztlich nur mit einer gespielten Runde gewertet wird.