Änderung im Fußball-Kreis Moers Geteiltes Echo auf eingleisige Kreisliga B

Kreis · Ab der Saison 2024/2025 wird nur noch in einer Gruppe um Punkte gekämpft. Der Spielplan wird voller, die Qualität aber auch höher. Die betroffenen Trainer sehen nicht nur Vorteile. Ein Stimmungsbild.

 Der SV Millingen II und Viktoria Alpen II haben in der vorigen Saison in der Gruppe 1 um Punkte gespielt.

Der SV Millingen II und Viktoria Alpen II haben in der vorigen Saison in der Gruppe 1 um Punkte gespielt.

Foto: FuPa/Björn Niedrig

Auf der Sommer-Arbeitstagung beim FC Neukirchen-Vluyn wurde den hiesigen Vereinsvertretern Ende Juli eine gravierende Neuerung mitgeteilt. Die B-Liga-Mannschaften werden ab Sommer 2024 nur noch in einer Ligagruppe an den Start gehen. Die eingleisige Liga soll zwischen 20 und 22 Mannschaften umfassen und ist das Resultat von zahlreichen Rückzügen. Allein in der vergangenen Saison hatten sich acht Teams vom Spielbetrieb abgemeldet. Wir haben bei fünf Klubs nachgehört, wie die Entscheidung dort aufgefasst worden ist. Die Meinungen gehen weit auseinander.


Michael Kolkenbrock (Sportlicher Leiter SV Menzelen) hat schon länger damit gerechnet, „dass es irgendwann so weit kommen wird.“ Insgeheim hoffte der 55-Jährige sogar bereits in diesem Jahr auf die Änderung. Beim SVM ist man sich einig und steht der Entscheidung durchweg positiv gegenüber. „Wir haben gefühlt mehr Pause als wir spielen, fangen durch das spielfreie erste Wochenende erst im September an, um dann Anfang Dezember wieder vier Monate frei zu haben. Das macht doch keinen Spaß“, sagt Michael Kolkenbrock. „Ich verstehe auch nicht, warum man nicht Anfang Februar weitermacht. Durch die vielen Kunstrasenplätze fallen witterungsbedingt kaum noch Spiele aus.“

Allerdings sei es in diesem Jahr „wohl so einfach wie nie“, in die A-Liga aufzusteigen. Dieses Ziel möchte der SVM bis 2025 erreichen (wir berichteten). „Das kann unser Vorteil sein. Wenn wir es jetzt nicht packen, sind wir es fast schon selbst Schuld“, bekräftigt Kolkenbrock die Ambitionen.


Alexander Wisniewski (Trainer SV Viktoria Birten) sieht die Thematik etwas gespaltener und pflichtet Kolkenbrock hinsichtlich des sinkenden Unterhaltungswerts in Teilen bei. „Das hat alles seine Vor- und Nachteile. Durch die aktuell kleinen Gruppen sinkt der Spaß-Faktor. Andererseits werden der Zeitaufwand und die Belastung der Plätze ab dem nächsten Jahr deutlich größer. Für mich ist es daher ein zweischneidiges Schwert. Vielleicht ist es auch eine Möglichkeit, die Spiele wie in der Corona-Saison der Kreisliga A durch eine Auf- und Abstiegsrunde zu reduzieren.“ Die Teilung kam damals bei den meisten Vertretern jedoch weniger gut an.

Fest steht: Je kleiner der Kader, desto schwieriger ist es, das Mammutprogramm mit bis zu 42 Spielen zu bestreiten. Die aktuelle Gruppe 1 gelte es laut dem Birtener Coach neben den „Favoriten aus Menzelen, Rumeln oder Sonsbeck“ mit Blick auf die sieben Zweitvertretungen als „Zwei-Klassen-B-Liga“ zu betrachten. „Für uns ist es natürlich interessant, möglichst weit oben mitspielen zu können.“

 Thilo Munkes (Trainer DJK Eintracht Wardt) hingegen äußert schon größere Bedenken und steht der Reform mit gemischten, aber auch kritischen Gefühlen gegenüber. Einerseits sei es in der neuen Saison erfreulich, weiterhin so viele freie Wochenenden zu haben. Munkes: „Wir haben viele ältere Spieler mit Familie. Da passt das schon gut.“ Andererseits sei für den DJK-Aufstiegscoach die Gefahr nach weiteren Rückzügen während der Saison durch die bald steigende Belastung sowie den aufgeblähten Spielplan durch Englische Wochen noch größer, vor allem für Klubs wie die DJK Wardt, die keinen Unterbau – weder eine Jugend noch eine Zweitvertretung – mehr haben.

„Da sind wir schon klar im Nachteil. Die Möglichkeiten des Auffüllens haben wir leider nicht. Der Verband handelt im Sinne des Wettbewerbs, hat nicht mehr so viel Organisationsaufwand und wünscht sich weniger zweite und dritte Mannschaften in den unteren Ligen. Ich denke, in der neuen C-Liga mit 17 Teams wird man sich eine gute Meinung bilden können, ob die Vereine alles gestemmt kriegen und wie gewünscht, überhaupt jeden Spieltag antreten können.“

Ein weiterer negativer Punkt für den ehemaligen Lüttinger: das verschobene Interesse von Prioritäten. „Die Zeiten haben sich einfach geändert, das merkt man an den vielen Veranstaltungen wie zum Beispiel Parookaville oder dem Oktoberfest. Das war zu meiner aktiven Zeit nicht so“, sagt Munkes.

Wolfgang Kowalski (Trainer TV Kapellen) teilt die Auffassungen seiner Trainerkollegen. Der neue Mann an der Seitenlinie befindet sich im Moerser Süden gerade mitten im Neuaufbau und möchte nach und nach mehr junge Spieler in die erste Mannschaft integrieren. „Auch für sie ist es wichtig, dass die B-Liga noch leistungsstärker und langfristig attraktiver wird, auch wenn es deutlich schwieriger wird, aus der C-Liga aufzusteigen“, sagt Kowalski. Den Kapellenern würden künftig zwar weitere Fahrten bevorstehen, der Reiz an neuen Gegnern im Nordkreis sei aber auch zu spüren.

Beris Vrebac (Trainer SV Orsoy) musste den Amateurfußball im Kreis Moers nach vielen Jahren in Österreich seit seinem Amtsantritt im Januar überhaupt erst mal kennenlernen. Auch er vollzieht beim SVO derzeit einen Umbruch inklusive Verjüngungskur. „Es ist gut, wenn die Qualität steigt und es weniger Gegner gibt, wo sich nur die Frage stellt, wie viele Tore sie kassieren. Es kommen mehr Top-Spiele auf uns zu, das ist für die Zuschauer und der Entwicklung meiner Spieler wichtig. Es ist eine Entscheidung, von der der Fußball nur profitieren kann. Das einzige Problem sind die 20 Vereine. Es ist jetzt schon schwer genug, gute Spieler für diese Liga zu finden“, sagt Vrebac.