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Fußballer Pascal Rusch von Borussia Veen ist Karnevalsprinz

Borussia Veen wird 100 : Karneval und Sport – das passt zusammen

Rund 800 Mitglieder zählt Borussia Veen. Viele von ihnen feiern ausgelassen die fünfte Jahreszeit. Das wird auch im Jubiläumsjahr 2020 so sein. In der ersten Fußball-Mannschaft spielt mit Pascal Rusch aus Büderich sogar ein echter Prinz.

Der Veener an sich und der Borusse insbesondere gelten gemeinhin als fröhliche Menschen. Weil es sportlich stimmt, die Mannschaft des Clubs sich pünktlich zum 100-jährigen Bestehen der Borussia erfolgreich in der Bezirksliga zurückgemeldet hat, ist der Spaß schon aus der Kabine zu hören. Die Fußballer mögen es laut, auch wenn ihr Trainer mitunter Zweifel am guten Geschmack seiner Kicker äußert. „Das ist nicht unbedingt meine Musik“, nimmt Christian Hauk, der an der Seitenlinie die Kommandos gibt, in der Umkleide nach den Siegen gegen Hip-Hop und Techno auf verlorenem Posten steht, dann Reißaus.

Auch in närrischer Mission ist das Krähendorf bestens aufgestellt. Vor fast sieben Jahrzehnten übernahmen elf junge Männer aus der Katholischen Jugend das Kommando im „Veenzer Fastelowend“, seit 1965 ist der Elferrat „De Veenze Kräje“ ein fester Bestandteil des Vereinslebens der Borussia. „Wir planen die Büttensitzung und organisieren den Umzug, alles liegt in den Händen des Elferrats“, erklärt Jan Schmitz. Der frühere Spieler und jetzige Co-Trainer der Borussia ist in diesem Jahr erstmals Mitglied im Elferrat, der auch das diesjährige Motto der Session bestimmt hat. „100 Jahre und topfit – Borussia reißt alle mit“, lautet es passend zum Jubiläumsjahr, in dem sich der Club zudem noch über einen Karnevalsprinzen in seinen Reihen freut.

Pascal Rusch ist den Fußballfreunden eher als, na ja, schon unangenehmer Gegenspieler bekannt, der auf dem Platz keinen Spaß versteht, wenn es gilt, das Tor der Borussia zu verteidigen. Aber, wenn die Fußballschuhe ausgezogen sind, dann kommt das Herz für den Karneval schnell wieder hervor. Der 26-Jährige, von Beruf Brandmeister der Weseler Feuerwehr, ist keiner, der zum Lachen in den Keller geht.

In Büderich, wo er zu Hause ist, war er schon früh im Junggesellen-Elferrat dabei. Und als Anfang des Jahres zu hören war, dass in Wesel noch ein Prinzenpaar gesucht wird, war schnell klar, dass der Borusse und seine Freundin Marja nichts lieber täten, als sich damit einen Lebenstraum zu erfüllen und zudem ihr privates Glück zu krönen. Die beiden Liebenden, die sich, natürlich im Karneval, vor jetzt bald fünf Jahren kennengelernt haben, gaben sich im Oktober das Ja-Wort. Kurz darauf regierten sie schon als „seine Tollität und ihre Lieblichkeit“ nebst Hofstaat mit Pagen.

„Für uns haben damit die Flitterwochen angefangen“, sagen Pascal I. und Marja I., die für den Karneval auf ihre Hochzeitsreise verzichtet haben. Kann man später ja noch nachholen, denn jetzt stehen erst einmal einige andere Termine an. Bis zum Aschermittwoch regiert das Prinzenpaar nicht nur in Wesel, sondern stellt sich auch in den anderen Karnevalshochburgen am Rhein vor.

Es wird Besuche in den Niederlanden bis hin nach Köln geben, der Spaß an der fünften Jahreszeit hört eben nicht an den Stadtgrenzen auf. „Das ist eine der schönen Sachen: Wir lernen viele andere Prinzenpaare kennen und werden bei ihnen zu Gast sein“, sagen die Weseler Regenten, für die die Session sogar erst im Juli enden wird. Mitten im Sommer wird das Prinzenpaar im englischen Felixstone zu Gast sein. Dort, in der Nähe von Cambridge, findet dann ein Umzug mit mehr als 50 Wagen statt – internationaler Karnaval trotz Brexit, ohne Europa geht’s eben auch nicht. „Das wird dann etwas anders sein als am Rhein“, hat das Weseler Prinzenpaar schon erfahren. Es werden keine Kamelle geworfen, „in Felixstone werfen die Besucher Geld auf die vorbei ziehenden Wagen, das später für soziale Zwecke verwendet wird“, berichten beide.

„Paco“ – so rufen die Borussen-Spieler ihren Verteidiger – „lebt nun mal für den Karneval“, bestätigt Jan Schmitz. Aber muss, weil „Paco“ diesmal Prinz Pascal I. ist, der Veener Karneval für ihn nun ausfallen? „Ich hoffe nicht“, sagt seine Tollität von der rechten Rheinseite. „Denn wenn alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, werden wir auf der Büttensitzung in Veen, am Samstag vor dem großen Rosenmontagsumzug in Wesel, mit der gesamten Prinzengarde einmarschieren“, verrät er.

Da wird’s dann ziemlich eng werden auf dem Spargelhof Schippers, wo die Veenze Kräje ihr „Kräj, kräj, helau“ erschallen lassen. „Das werden rund 120 Personen sein, die zu Besuch kommen“, kündigen Prinz und Prinzessin an, die am nächsten Morgen aber schon wieder hellwach sein müssen, wenn das Paar um 10 Uhr an der Eselordenverleihung in der Weseler Niederrheinhalle an den Kabarettisten und Radio-Moderator Stefan Verhasselt teilnimmt. Der Kalender ist eben voll, bleibt aber weiterhin auch sportlich. Pascal Rusch hat schon mal ausgerechnet, dass sich Karneval und Fußball nicht gänzlich ausschließen.

„Ich verpasse wohl nur ein Meisterschaftsspiel“, sagt er. Und vielleicht klappt‘s ja auch mit dem Rosendienstagstraining, mit dem sich die Veener Fußballer nach vier Tagen fröhlichen Feierns auf ihre ganz eigene Art vom Karneval verabschieden.