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Fußball-Verband Niederrhein kann Saison nicht so einfach abbrechen

Videokonferenzen im FVN : Das Dilemma des Fußball-Verbandes

Die Tendenz ist klar: Die Mehrheit der Vereine wünscht sich einen Abbruch der Saison. Doch so einfach ist das für den Verband Niederrhein nicht, weil seine Regularien den Fall nicht vorsehen. Jetzt soll bis Mitte Mai eine Entscheidung her.

Die Tendenz ist klar. Und daran wird sich wohl in den kommenden Tagen nichts ändern, wenn der Fußball-Verband Niederrhein (FVN) die nächsten Videokonferenzen startet, um an der Basis abzufragen, wie mit der seit Mitte März ausgesetzten Spielzeit 2019/2020 umgegangen werden soll. Das Bedürfnis bei den Vereinen ist in unsicheren Zeiten wegen der Corona-Krise groß, wenigstens in einem Punkt schnell Klarheit zu haben. Deshalb haben sich die Klubs in der Ober-, Landes- und Bezirksliga mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, einen Schlussstrich unter die Spielzeit zu ziehen. Mittlerweile stellen sich viele Klubs dabei die Frage, warum es dem Fußball so schwer fällt, die Saison zu beenden, während dies in den meisten anderen Sportarten längst geschehen ist.

Die Antwort ist einfach. Ein Saisonabbruch ist in der Spielordnung des Verbandes schlicht und einfach nicht vorgesehen. Das bedeutet: Die FVN-Funktionäre können nicht mal eben die Reißleine ziehen, auch wenn das der Wunsch der Basis ist. Um die Saison abbrechen zu können, müsste eigentlich ein außerordentlicher Verbandstag her, der in Zeiten der Corona-Pandemie aber nicht so einfach einberufen werden kann.

Deshalb lässt der FVN derzeit juristisch prüfen, welche Möglichkeiten er hat, einen Weg aus diesem Dilemma zu finden. Er will damit auch rechtlich auf der sicheren Seite sein, um eventuellen Klagen von Vereinen, die sich ungerecht behandelt fühlen, keine Grundlage zu geben. „Ich kann verstehen, dass sich unsere Vereine so schnell wie möglich Klarheit wünschen. Wir werden sie weiter sehr sorgsam einbinden – mit dem Ziel, etwa Mitte Mai eine Entscheidung herbeizuführen“, sagt FVN-Präsident Peter Frymuth.

Die Frage ist, wann es überhaupt wieder möglich sein wird, im Amateurfußball um Punkte zu kämpfen. Dass der vom FVN schon vor geraumer Zeit aufgestellte Rahmenterminkalender für die Spielzeit 2020/21 umgesetzt werden kann, daran haben selbst die größten Optimisten erhebliche Zweifel. Schließlich sollten die ersten Meisterschaftsspiele auf Verbandsebene schon Mitte August steigen.

„Daran ist für meine Begriffe nicht zu denken, wenn es bis Ende August ein Verbot von Großveranstaltungen gibt. So lange das Kontaktverbot mit Abstandsregelung besteht, kann kein Fußball gespielt werden. Die Frage, wann es mit der neuen Saison losgehen könnte, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. Und dies liegt nicht nur daran, das wir noch nicht wissen, wie mit der aktuellen Spielzeit verfahren wird“, sagt Holger Tripp, Vorsitzender des Fußballausschusses im Kreis Kleve-Geldern. Das Problem sei, dass Fußball wie auch Handball ein Kontaktsport sei, bei dem eine große Ansteckungsgefahr bestünde. „Und was machen wir, wenn wir die Saison Anfang September beginnen und sich ein Spieler dann infiziert? Es gibt halt im Moment zu viele Unsicherheitsfaktoren, um eine neue Spielzeit zuverlässig planen zu können“, so Tripp.

Er hat in den vergangenen Tagen an einigen Videokonferenzen teilgenommen und lobt die „große Solidarität“ der Vereine bei den Gesprächen. „Es gab keinen Klub, der gesagt hat, dass er gegen irgendeine Entscheidung, die der Verband treffen wird, juristisch vorgehen wird“, sagt er. Wobei es klarer Wunsch der Vereine sei, dass es keine Absteiger und eine erhöhte Zahl von Aufsteigern geben solle.

Die Frage ist da wiederum, wie die Teams ermittelt werden, die in die höhere Klasse aufrücken können, da nicht alle die gleiche Anzahl von Spielen aufweisen. Der Handball hat mit der Quotientenregel einen möglichen Weg aufgezeigt. Dort wurde die Zahl der bis zum Saisonabbruch gewonnenen Punkte durch die Anzahl der Partien geteilt, um eine Abschlusstabelle zu ermitteln.