Fußball: Nur mehr Kontinuität bringt Rheinberg nach vorne

Fußball-Kreisliga B : Nur mehr Kontinuität bringt Rheinberg nach vorne

ANALYSE Die erste Fußball-Mannschaft des TuS 08 wurde in der Winterpause enorm verstärkt. Die Angst vor dem Absturz in die C-Liga ist groß. Doch die Verantwortlichen müssen weiter denken. Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen.

Im Sommer 2005 war die sportliche Talsohle erreicht. Die Fußballer des TuS 08 Rheinberg stiegen in die Kreisliga C ab. Tiefer geht’s nicht. Der TuS 08 bekrabbelte sich wieder, spielte zwischen 2011 und 2014 in der A-Liga. Dann ging’s erneut runter. Vieles wurden versucht, um Kontinuität in der Abteilung zu bekommen. Die Jugendarbeit sollte besser werden. Doch vieles blieb Stückwerk. Das Ergebnis: Anfang 2020 liegen Rheinbergs Kicker in der B-Liga, Gruppe 1, auf dem letzten Tabellenplatz. Erneut droht der Absturz ins fußballerische Niemandsland. Die Verantwortlichen reagierten. Zehn Neuzugänge, die Erfahrung aus höheren Ligen mitbringen, wurden verpflichtet.

Es sind personelle Veränderungen, die teilweise heftige Reaktionen in sozialen Medien hervorgerufen haben. Unter anderem war von einer Söldnertruppe die Rede. Die Konkurrenz reagiert misstrauisch. Während der Hallen-Stadtmeisterschaft wurde hinter vorgehaltener Hand von einer fünfstelligen Summe gesprochen, die sich der TuS 08 die Rettungsaktion bis zum Saison-Ende kosten lassen würde. Neidgefühle kamen auf.

Der Vorstand muss sich mit den Vorwürfen auseinandersetzen. Sind diese Reaktionen doch nicht wirklich überraschend. Doch Geschäftsführer Dieter Wiekhorst sowie Abteilungsleiter Ralf Kuhlen, den 2018 der damalige Präsident Frank Tatzel zum TuS 08 holte, und ihre Mitstreiter haben sich schon was dabei gedacht, als sie diese Truppe zusammenstellten. Und: Für die Fehler der Vergangenheit können sie nichts. Es gibt nun mal keine Jugendspieler im eigenen Verein, auf die man zurückgreifen kann.

So nutzten Kuhlen und Wiekhorst ihre Kontakte aus der gemeinsamen Zeit beim TuS Baerl. „Es war eine tolle Zeit mit einer toller Mannschaft – bis es den Ärger mit dem Vorstand gab“, sagt der TuS 08-Geschäftsführer. Die verbalen Angriffe habe es schon damals gegeben. „Und ich kann auch heute nur sagen, dass das Gerede von einer Söldnertruppe totaler Quatsch ist. Keiner der neuen Spieler hat ein Handgeld bekommen.“ Man wolle in Rheinberg etwas aufbauen. Den Zugängen sei mitgeteilt worden, dass sie über den kommenden Sommer hinaus bleiben sollen. Wie beim TuS Baerl wurde bereits ein Förderverein gegründet. Wiekhorst: „Ohne Sponsoren läuft eben nichts. Wenn der TuS 08 Rheinberg absteigen würde, käme der Verein nicht mehr hoch.“

So muss der Vorstand aber nicht nur in die Beine der ersten Mannschaft investieren, sondern auch in die Nachwuchsarbeit. Wiekhorst: „Das ist uns natürlich bewusst. Doch das geht nicht auf die Schnelle.“ Für eine funktionierende Jugendförderung sei auch der Zusammenschluss mit Concordia Ossenberg unumgänglich. Ob es soweit kommt, werden im Februar die Mitglieder der beiden Fußball-Abteilungen entscheiden.

Entscheidungen auf dem Platz beim TuS 08 trifft seit November Roman Ehresmann. Der Spielertrainer kickte damals ebenfalls in Baerl. Er muss mit seinem Team die Argumente dafür liefern, damit wieder positiver über den Fußball im Underberg-Stadion gesprochen wird. Der Coach will sich nicht zum Klassenerhalt wurschteln, sondern attraktiven Offensiv-Fußball spielen lassen. Mit den Zugängen ist das sicherlich möglich. So haben die drei Karabuluts Serhat, Ridvan und Hakan schon bei der Hallen-Stadtmeisterschaft gezeigt, dass sie mit dem Ball umgehen können.

Ehresmann hat sich was bei der Zusammenstellung der Mannschaft gedacht. So sollen Stiven Al Mando und Ricardo Reol das 6er-Pärchen bilden oder Tarik Mustafa und Junior Holzum als laufstarke Spieler im Mittelfeld agieren. Für die Abwehr wurde jetzt noch Dominik Reol (Laar 21) geholt. „Ich weiß, wie die Jungs ticken. Und die Jungs wissen, wie ich ticke.“ Als Zugänge zählt er auch die lange verletzten Mehmet Seckin und Kajanthan Sivam aus dem „alten“ Rheinberger Kader.

Die verstärkte Mannschaft des TuS 08 wird bestimmt die Klasse halten. Der Vorstand geht davon aus, dass mindestens vier Teams direkt absteigen. Rheinberg wird sich schnell aus der Gefahrenzone spielen. Der Klassenerhalt ist aber nur ein Ziel. In der Abteilung muss mit mehr Weitsicht gearbeitet werden. Das ist ebenso wichtig.