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Fußball: Nils Speicher von Viktoria Alpen ist Torschützenkönig der Kreisliga A

Fußball : Instinktfußballer mit Torgarantie

32 Saisontore hat Nils Speicher für Viktoria Alpen in der abgelaufenen Saison erzielt – Liga-Bestwert. Der 23-jährige Kamp-Lintforter lobt aber auch seine Mitspieler und den Zusammenhalt bei der Viktoria. Geld spiele hier keine Rolle.

Solche Zahlen lassen jedem Abwehrspieler die Schweißperlen auf die Stirn treten. Nils Speicher spielt seit drei Jahren im Dress des Fußball-A-Ligisten Viktoria Alpen, hat in dieser Zeit 89 Meisterschaftsspiele für seinen Club bestritten und dabei satte 103 Treffer erzielt – so richtig schön dürfte es für die Verteidiger der gegnerischen Mannschaften also nicht sein, am Wochenende gegen den 23-jährigen Stürmer bestehen zu müssen.

„Ich bin nun mal sehr ehrgeizig“, sagt Speicher, fast so, als ob er seine Treffer entschuldigen möchte. „Ich will immer gewinnen, will Tore schießen und das auch noch in der letzten Sekunde des Spiels.“ Derlei Tugenden zahlen sich aus, denn in der vor wenigen Wochen abgelaufenen Spielzeit hat kein anderer Angreifer der Kreisliga A öfter ins Netz getroffen als Speicher. Für den angreifer mit der eingebauten Torgarantie standen am Saisonende 32 Treffer zu Buche.

In anderen Vereinen gibt es dafür ein Schulterklopfen, bei der Viktoria eine Kanone. Gewonnen hatte sie einmal Alpens Sturmlegende Ronny Votruba in den Jahren vor der Jahrtausendwende. Etwas angesetzten Staub weg gewischt, steht sie nun im Wohnzimmer von Speicher, der sie in Ehren halten wird. „Für mich ist das eine Bestätigung, dass Arbeit und Beharrlichkeit auch belohnt werden“, sagt er und verspricht: „Wenn es irgendwann wieder einen Alpener Torschützenkönig gibt, dann werde ich die Kanone gerne weiterreichen.“

Nur ausgeliehen also, und Speicher erklärt auch, warum er es so halten möchte. „Für die Treffer bin ich ja nicht alleine verantwortlich. Die gehen auch auf die Kappe meiner Mitspieler“, nennt er Jan-Luca Rassier, den genialen Vorbereiter in seinem Rücken. „Zwischen uns herrscht blindes Verständnis“, lobt er den Mittelfeldspieler, dessen Ideen und Pässe er in Tore ummünzt. „Wenn man ihn hinter sich hat, ist das Treffen ganz einfach.“ Und seit zwei Jahren steht im Sturm Andreas Dargel an seiner Seite, der mit 25 Toren ebenfalls weit vorn in der Torjägerliste landete. Das Duo kommt bestens miteinander aus. „Wir tauschen immer wieder die Positionen, dann legt der eine dem anderen auf“, erklärt Speicher. „Wenn ich mir einen Sturmkollegen hätte schnitzen können, dann wäre er vermutlich so wie Andi geraten.“

Der gebürtige Kamp-Lintforter, der als Justizvollzugsbeamter in Kleve arbeitet, begann seine Karriere als kleiner Knirps bei der Kamper Alemannia, für die er auch zwei Jahre in der A-Liga auflief. Mit 19 Jahren folgte der Wechsel zum damaligen Bezirks- und heutigen Landesligisten Fichte Lintfort. Speicher gelangte dort zwar zu 33 Einsätzen, in den meisten Spielen kam er aber von der Bank in die Partie. „Hab‘ ich nicht immer verstanden“, berichtet er im Rückblick. Auch nicht, warum er im rechten Mittelfeld auflaufen musste. „Das war nicht unbedingt meine Position.“ Klar, der Mann ist Stürmer mit Leib und Seele, und in dieser Funktion durfte er dann ein Jahr später bei der Viktoria ran.

Eine Spielklasse tiefer, und – kein Geheimnis – mit einigen Euro weniger am Monatsende. „In Alpen fließt kein Geld, wenn etwas von Sponsoren kommt, dann geht es in die Mannschaftskasse“, sagt er. „Auch das macht die Viktoria aus“, fährt er fort, „es gibt keine Querelen, ob der eine eventuell mehr als der andere bekommt. Daraus resultiert auch das tolle Verhältnis unter den Spielern und im gesamten Verein, und darüber definiere ich mich auch.“ Da ist sich Speicher sicher: „Ich werde meinen Kindern später einmal erzählen, was wir für eine geile Truppe und Freundschaft in Alpen hatten. Und nicht, dass ich als 23-Jähriger soundsoviel Euro durch den Fußball verdient habe.“

Andere mögen da anders denken, weswegen der große sportliche Wurf zwar in jedem Jahr angestrebt wird, die Mannschaft aber über einen dritten Tabellenplatz noch nicht hinaus gekommen ist. „Wir versuchen uns immer zu verbessern und zu verstärken, aber bei manchen Kandidaten taucht dann ganz schnell die Frage auf, wie viel es zu verdienen gibt.“ Nichts eben, und deswegen muss die Viktoria weiterhin in kleinen Schritten denken. „Auch der Gedanke, dass wir vier bis fünf Monate im Jahr auf Asche spielen müssen, lockt keine Interessenten an“, weiß Speicher. Der Kunstrasenplatz ist zwar geplant, lässt allerdings noch auf sich warten.

Aber, die Mannschaft ist schon wieder im Training – das vorrangig deshalb, weil im Juli noch die Mannschaftstour nach Mallorca ansteht. „Ist etwas kurios, am Abend vor dem Flug haben wir sogar noch ein Freundschaftsspiel“, erklärt Alpens Torjäger das Timing. Fußball eben als Hobby, wohl aber mit dem nötigen Ehrgeiz. „Von uns verlangt niemand den Aufstieg, aber ich denke schon, dass die Liga wieder mit uns rechnen kann“, sieht Speicher der neuen Spielzeit mit Optimismus und voller Tatendrang entgegen.

Die Frage nach neuen Spielern ist noch nicht beantwortet, aber die Langzeitverletzten Dan Tooten und Fabian Hass scharren schon wieder mit den Füßen. „Wenn sie wieder dabei sind, wären das unsere besten Verstärkungen“, sagt Speicher und hat noch ein Bonbon parat. Musste er in den vergangenen Jahren mehrfach beruflich passen und konnte nicht auflaufen, wird dies in diesem Jahr nicht mehr der Fall sein – keine gute Nachricht für die Verteidiger der Liga.