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Frauenfußball: Trainer Jürgen Raab vom SV Budberg vermisst Fußball kaum

Fußball :  Jürgen Raab vermisst den Fußball kaum

Der Trainer des Frauen-Regionalligisten SV Budberg kann mit der nun schon monatelangen Pause ganz gut leben. Er hat nun endlich Zeit für Familie und Hobbys. Eine Tendenz, ob er seinen Vertrag verlängert, hat Raab aktuell noch nicht.

Ein Leben ohne den Fußballsport ist möglich, war für Jürgen Raab in der Zeit seines inzwischen schon langen Trainerlebens allerdings nur schwer vorstellbar. „Aber tatsächlich“, sagt der Übungsleiter, der für die Fußballerinnen des Regionalligisten SV Budberg verantwortlich ist, „man gewöhnt sich daran.“ Zu Zeiten, als Corona und Lockdown noch Fremdwörter waren, hatte Raab seine Spielerinnen dreimal pro Woche auf den Trainingsplatz gebeten. Am Wochenende wurde gespielt, und wenn dann noch Zeit übrig war, ging‘s für den Coach mitunter auf fremde Sportanlagen, um den kommenden Gegner auch noch schnell unter die Lupe genommen. Im Winter 2020 liegt dieser Marathon an fußballerischer Leidenschaft schon weit zurück. „Im Augenblick komme ich auch gut ohne aus“, sagt Raab. „Mir fehlt nichts.“

Seit November sind in Budberg wie an allen anderen Fußballorten die Strafräume verwaist. Die letzte Möglichkeit, ihre schlechte Position in der Regionalliga-Tabelle zu verbessern, vergaben Raab und seine Mannschaft am letzten Tag im Oktober mit der 0:3-Heimpleite gegen den frechen Aufsteiger VfR Warbeyen. Trainer und Spielerinnen verabschiedeten sich anschließend nicht mit glücklichen Gesichtern. Seitdem heißt es: „Still ruht der See“.

Raabs Versuch, in der dann folgenden Spielpause Gespräche mit möglichen neuen Spielerinnen zu führen, blieben erfolglos. „Ohne Probetraining ist das auch nicht möglich“, sagt der Trainer. Wie in den meisten anderen Vereinen erhielt sein Kader einen Trainingsplan. Oder, eher einen Trainingsvorschlag. „Im Moment ist die Motivation jeder einzelnen Spielerin gefragt“, mag Raab die Ausführung nicht kontrollieren. „Schließlich ist es für jede Aktive nur ein Hobby; da muss man die Kirche auch im Dorf lassen“, erklärt er.

Seine eigene nun plötzlich so vermehrte Freizeit weiß der Trainer zu nutzen. Klar, das Familienleben kommt endlich einmal zu seinem Recht. Raab war zudem schon immer ein begeisterter Fahrradfahrer; so lange das Wetter es zulässt, sieht man ihn auch jetzt wieder in die Pedalen treten. Und dann wäre da auch noch das Hobby mit den kleinen Pfeilen: Raab ist ein Fan des Dartsports, der auch in Deutschland immer populärer geworden ist. Budbergs Trainer begleitet den Sport schon seit langem und war bereits dabei, als sich die Weltelite vor Jahren im Mülheim im Rahmen der „European Darts Championships“ traf. „Erschwingliche Eintrittspreise, tolle Stimmung im Publikum und beste Unterhaltung“, schwärmt Raab von den Auftritten der Darter, die dabei waren.

Von Phil Taylor, der nach 16 Weltmeisterschaftstiteln inzwischen seine Karriere beendet hat, oder von Peter Wright, dem World Darts Champion des Jahres 2019, der mit seinem Spiel ebenso wie mit seinen Frisuren begeistert und der erst vor wenigen Tagen bei der WM in London mit grünem Kostüm und grünen Haaren als „Grinch“ für Aufsehen sorgte. „Er ist der Paradiesvogel“, sagt Raab, „mit solchen Spielern hat sich das Darten inzwischen vom Kneipen- und Kellersport zu einem richtigen Sportevent entwickelt.“ Der Fußballtrainer ist auf der Couch dabei, wenn die Turniere im Fernsehen übertragen werden. Und versucht sich dann auch gerne selbst mit den Pfeilen an der Dartscheibe, die in seiner Wohnung hängt. Seine Frau spielt mit und macht ihn sogar sprachlos. Denn wer von beiden kann‘s besser? „Dazu möchte ich lieber schweigen“, sagt Raab.

Geredet werden muss aber in nächster Zeit trotzdem – zum Beispiel über die Frage, ob der Trainer ab Sommer in sein viertes Trainerjahr beim SV Budberg geht. „Ich habe im Moment keine richtige Tendenz“, mag sich Raab nicht festlegen, wie es nach dem Sommer weitergehen könnte. „Im Moment ist es ohne Fußball tatsächlich sehr angenehm. Aber ich kenne mich“, verspricht er, „das wird kein Dauerzustand bleiben.“