Fußball: Ein WM-Job unter der Sonne Brasiliens

Fußball : Ein WM-Job unter der Sonne Brasiliens

Der Alpener Ben Ingenfeld ist Geschäftsführer einer Agentur, die vor und während des Turniers für adidas tätig ist.

Es gibt schlechtere Arbeitsplätze. Das Büro von Ben Ingenfeld befindet sich im Clubhaus von Flamengo Rio de Janeiro, dem beliebtesten Fußballverein Brasiliens. In Sichtseite liegt das Trainingsgelände, auf dem sich wohl die niederländische Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft fit halten wird. Der 34-jährige Alpener, der in Menzelen-Ost aufwuchs und das Xantener Gymnasium 1999 mit der Hochschulreife verließ, hat der Beruf vor einigen Monaten in das bevölkerungsreichste Land Südamerikas verschlagen. Der gebürtige Niederrheiner soll seinen Teil dazu beitragen, dass die WM für den deutschen Sportartikelhersteller adidas ein Erfolg wird.

Angestellt ist Ben Ingenfeld bei der Agentur act.3, die für das weltweit agierende Unternehmen adidas mit Sitz in im fränkischen Herzogenaurach Aufgaben rund ums Marketing übernimmt. Als Geschäftsführer der brasilianischen Tochterfirma von act.3 kümmert er sich mit seinen zwölf Mitarbeitern um die Projektsteuerung und Kommunikation, Kundenbetreuung oder Umsetzung von Werbemaßnahmen. So war Ingenfeld mit seinem Team 2013 mit für die offizielle Präsentation des WM-Spielballs "Brazuca" zuständig. In seinen Bereich fällt auch das Fahnenträgerprogramm mit Kindern aus aller Welt.

"Sie laufen vor den Spielen ins Stadion ein. Wir kümmern uns beispielsweise um die Koordination und Betreuung vor Ort", sagt der Alpener, der interkulturelle Kommunikation sowie internationales Marketing an der Fachhochschule Regensburg und im französischen LaRochelle auf Diplom studiert hat. Sein Job ist vielfältig. Häufig ist er unterwegs, im Büro gerade in der heißen WM-Vorbereitungsphase nur selten anzutreffen. Bei Temperaturen von zeitweise über 40 Grad kommt Ingenfeld ohnehin leicht ins Schwitzen. Doch das macht ihm nichts. "Ich arbeite schließlich in einer der fünf schönsten Städte der Welt." Von den etlichen Traumständen und Sehenswürdigkeiten darf er sich nicht ablenken lassen. Es gilt, den Überblick zu behalten. Derzeit suchen seine Festangestellten nach freien Mitarbeitern, die während der WM für adidas-Aktionen in den zwölf Austragungsstädten unterwegs sein sollen. Die Unterstützung von bis zu 300 Frauen und Männern wird benötigt. "Wir haben viel vor", meint Ingenfeld, der einst bei Viktoria Alpen Tennis gespielt hat.

Nun zählt für ihn nur der Fußball. "Dieser Sport ist das Größte für die Brasilianer. Bevor hier jemand nach dem Vornamen gefragt wird, ist ihnen wesentlich wichtiger, zu welchem Verein man hält." Der Marketingexperte kann am Zuckerhut noch so sehr von der attraktiven Spielweise der deutschen Nationalmannschaft vorschwärmen, die Einheimischen haben längst ihren Favoriten ausgemacht: "Mich fasziniert immer wieder ihr unzweifelhafter Glaube, dass der Titel an Brasilien geht."

Und er macht deutlich, dass trotz aller Demonstrationen in den zurückliegenden Monaten die Turnier-Vorfreude im Land des fünfmaligen Weltmeisters groß ist. "Die Proteste sind nicht gegen die WM an sich gerichtet. Die Leute können halt nicht verstehen, warum dafür so viel Geld da ist, die Politik aber die Grundversorgung nicht geregelt bekommt."

Die WM hat für Ben Ingenfeld also längst begonnen. Während der Weltmeisterschaft wird seine tägliche Arbeitszeit noch weiter zunehmen. Am 4. Juli könnte seine Mittagspause allerdings länger als üblich ausfallen — wenn die Adlerträger im Viertelfinale im umgebauten Maracanã-Stadion, also quasi vor der Haustüre, auflaufen sollten. "Dafür müssten sie Gruppensieger werden und ihr Achtelfinalspiel gewinnen. Die Partie würde ich mir wohl nicht entgehen lassen", sagt Ingenfeld und weist schmunzelnd darauf hin, dass auch das Finale in Rio de Janeiro ausgetragen wird.

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(RP)