Freizeitsport : Doping auch im Freizeitsport

Doping-Wirkstoffe sind auch bei Hobbyathleten äußerst beliebt, haben Studien ergeben. Ärzte und Apotheker warnen vor den Gesundheitsrisiken mit Langzeitfolgen. Männer greifen häufiger zu anabolen Steroiden.

Die Meldungen über Dopingfälle im Spitzensport reißen nicht ab. Enthüllungen und Geständnisse scheinen fast schon alltäglich. Mittlerweile greift die Unsitte aber auch unter den Hobbyathleten verschiedenster Sportarten um sich: Um ihre Leistungen zu steigern, nehmen sie Doping-Wirkstoffe wie Amphetamine, Schmerzmittel, Anabolika, Steroide oder Hormone zu sich.

Eine gefährliche Entwicklung — wie der Alpener Apotheker Thomas Kretzer sagt: "Studien etwa zum Doping in Fitness-Studios haben ergeben, dass etwa jeder fünfte Besucher bereits Erfahrungen mit der Einnahme von verbotenen Substanzen hatte."

Aufklärungsarbeit

Als Pressesprecher der Apotheker im Altkreis Moers weiß er, dass häufig anabole Steroide eingenommen werden und dabei die Zahl der Männer deutlich höher sei, als die der Frauen. "Sportler, die zu verbotenen Substanzen greifen, spielen mit ihrer Gesundheit und sind sich oft gar nicht bewusst, was sie ihrem Körper damit antun", warnt Kretzer. Hier sei Aufklärungsarbeit gefordert.

Jürgen Schepers, Geschäftsführer zweier Fitness- und Gesundheitscenter in Alpen sowie Rheinberg, kann dies nur unterschreiben. Mitglieder, die mit unerlaubten Mittelchen in seinen Räumlichkeiten nachhelfen, können gleich ihre Sachen packen. "Vor zehn Jahren habe ich mal jemanden erwischt, den habe ich gleich vor die Türe gebeten", sagt er.

Ein Einzelfall, wie Schepers betont. Und er glaubt zu wissen: Reha- und Gesundheitssport rücken immer mehr in den Fokus, der typische Bodybuilder verschwindet aus den Studios. Leistungssteigerung im Hobbysport — ob Fußball oder Leichtathletik — mittels Doping hält der Veener Sportmediziner Michael Kroll indes für "schwachsinnig".

Es sei völlig unsinnig. Gleichwohl meinte er: "Ich weiß von Kollegen, dass es Kraftsportler gibt, die sich teilweise obskure Sachen einwerfen. Diese Leute setzen mutwillig ihre Gesundheit auf Spiel." Schepers weist darauf hin, dass die letzten Dopingfälle im Spitzensport nichts mit dem Kraftsport-Bereich zutun hätten.

Auch Dieter Winkelmann von "OlympxSports in Xanten hat eine Veränderung der Fitness-Studio-Kundschaft festgestellt: "Der Trend geht in Richtung Wellness, man will sich in seinem Körper wohlfühlen — ohne irgendwelche verbotenen Mittelchen zu schlucken." Ergänzende Eiweißprodukte seien hingegen bei vielen seiner Mitglieder beliebt.

Gefahren für Körper

Trotzdem sieht sich Apotheker Kretzer in der Pflicht, aktuelle Warnungen auszusprechen. Denn: "Trotz der Gefahren für Körper und Geist ist die Nachfrage bei Freizeitsportlern nach Doping- oder Arzneimitteln mit leistungssteigernder weiterhin groß — vor allem im Internet", sagt er.

(RP)