Mitglieder der Abteilungen müssen entscheiden : Der Weg zur Rheinberger „Fußball-Ehe“

Die Abteilungen von Concordia Ossenberg und des TuS 08 wollen einen neuen Verein gründen. Darüber sollen die Mitglieder im Februar abstimmen. Wir fragen nach den Gründen und erläutern, was beachtet werden muss.

Seit Monaten schon fiebern die Fußball-Vorstände von Concordia Ossenberg und des TuS 08 Rheinberg diesen beiden Treffen entgegen. Dann zeigt sich, ob sich die ganze Vorarbeit gelohnt hat. Die Verantwortlichen möchten, dass sich die zwei Abteilungen zusammenschließen. Am 4. und 10. Februar wird sich entscheiden, ob die Mitglieder den Weg mitgehen wollen.

Was ist genau geplant? Die Fußballer aus Ossenberg und des Innenstadtvereins sollen sich in einem neuen Verein zusammenfinden. Es ist angedacht, die Abteilungen aufzulösen. Ab der Saison 2021/22 möchte man gemeinsam am Spielbetrieb teilnehmen. Die Neugründung eines eigenständigen Fußballclubs ist auch notwendig, damit die Senioren-Teams höher als auf Kreis-Ebene spielen können. „Bei einer Spielgemeinschaft ist das nicht möglich“, weiß Dieter Wickhorst aus der Abteilungsspitze des TuS 08.


Was sind die Beweggründe? Als zwei Hauptziele nennt Dennis Tenge für den Concordia-Vorstand die „Konsolidierung und Stärkung des Herren-Fußballs und den Aufstieg in die Bezirksliga“. Und die verbesserte Infrastruktur auf der Anlage an der Xantener Straße würde die Attraktivität steigern und sich positiv auf die Mitglieder-Entwicklung auswirken. Wiekhorst erwartet sich von der Rheinberger „Fußball-Ehe“ einen Schub für die Jugendarbeit als Unterbau für die Senioren-Teams.


Wie sieht die Abstimmung aus? Beim TuS 08 dürfen die Mitglieder aus der Fußball-Abteilung abstimmen, die das 18. Lebensjahr erreicht haben. Es können demnach 76 der 161 Mitglieder über die weitere Zukunft entscheiden. Eine einfache Mehrheit reicht den Befürwortern. In Ossenberg sind 119 Mitglieder aufgerufen, abzustimmen. Die Besonderheit: Kinder übertragen ihr Stimmrecht auf die Eltern. Bei der Versammlung wird formell nicht über die Abtrennung vom Verein abgestimmt, die kann laut Satzung nur der Hauptvorstand anstoßen.

„Wir wollen sehen, wie groß der Rückhalt ist. Grundlegende Veränderungen sind immer schwierig. Aber wir sind überzeugt, dass die Vorteile überwiegen. Wir hoffen mindestens auf eine Zweidrittelmehrheit. Dann wissen wir, dass wir die Mitglieder auf unserer Seite haben und würden die weiteren Schritte gehen“, erläutert Geschäftsführer Tenge. Die Abnabelung vom Hauptverein käme dann auf die Tagesordnung der Hauptversammlung des Clubs Ende März.


Wie geht’s weiter? Sollten die Mitglieder das Vorhaben der Vorstände unterstützen, wird’s für den neuen Verein alsbald eine Gründungsversammlung geben. „Bis dahin muss noch vieles abgeklärt werden. Es wäre schön, wenn wir bis Ende Oktober dieses Jahres einen Termin fänden“, sagt Wiekhorst. Über das neue Logo oder die Clubfarben sei im Detail noch nicht gesprochen worden. Für den Vereinsnamen gebe es den Arbeitstitel „Concordia Rheinberg“.


Was sagt die Konkurrenz? Michael Nagels vom SV Budberg würde den Zusammenschluss begrüßen. Der Obmann sagt: „Ich hoffe, dass gerade im Jugendbereich in der Stadtmitte wieder was passiert. Es macht mehr Spaß, wenn auch die Konkurrenz im Nachwuchsbereich auf Augenhöhe ist. In den Wintermonaten spielen die Ossenberger ja schon an der Xantener Straße. Das ist eine gepflegte Geschichte.“

Rainer Lempert vom SV Millingen meint, dass beide Abteilungen von der Fusion „profitieren können. Grundlage ist jedoch eine harmonische Zusammenarbeit“. Der Senioren-Obmann weiter: „Gerade aus Sicht der Ossenberger ist das Unterfangen verständlich, da die Anlage nicht mehr im besten Zustand ist.“


Wie findet der Bürgermeister die Idee? „Als Dezernent für den Fachbereich Sport begrüße ich es, wenn Vereine zusammenarbeiten und gemeinsam die weitere Zukunft gestalten wollen. Die Umsetzung dieses anspruchsvollen Projektes erfolgt vereinsintern durch die beiden betroffenen Vereine“, teilt Frank Tatzel mit.

Was muss beachtet werden? Der Antrag einer Fusion muss bis spätestens zum 1. Mai des Jahres dem Kreis-Vorstand vorliegen. Das Okay des Zusammenschlusses kann nur dann für das folgende Spieljahr durch das Präsidium des Fußballverband Niederrhein (FVN) erteilt werden. Die Genehmigung wird zum 30. Juni wirksam. Alle Teams treten weiter in ihren Spielklassen an. Sollten zwei Mannschaften einer Liga auf FVN-Ebene angehören, muss ein Team zwangsabsteigen. Auf Kreisebene ist das nicht der Fall. Spieler der Urspungsvereine, die nicht für den neuen Club weiterkicken wollen, können ohne Wartefrist und Zustimmung des Vorstands wechseln.

„Wir empfehlen, von Anfang an den Kontakt zur FVN-Geschäftsstelle zu suchen. Wir helfen gerne und beraten, welche Dokumente auch für den Kreis wichtig sind, damit es kurz vor dem Spielbetriebsbeginn kein böses Erwachen gibt, weil ein Dokument fehlt“, sagt Henrik Lerch, der Verbandspressesprecher.


Wann gab’s zuletzt gelungene Fusionen?
Im Kreis Moers war das 2018 der Fall. Der Jugendförderverein Neukirchen-Vluyn, TuS Preußen Vluyn und SV Neukirchen taten sich zum FC Neukirchen-Vluyn zusammen. Im Fußball-Kreis Duisburg/Mülheim/Dinslaken wurde im Sommer 2015 aus dem Holthausener Turnverein und RSV Mülheim der SV Heißen.