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Fußball: Der Name Kremers hat einen guten Klang

Fußball : Der Name Kremers hat einen guten Klang

Die Brüder Heinz und Jakob traten lange Zeit vor den Ball, ehe sie sich dem Sport auch als Funktionäre und Ehrenamtler zur Verfügung stellten. Die nächste Generation kickt nicht mehr im Trikot von Viktoria Birten.

Der Name Kremers hat im Lande einen guten Klang. Der Fußballfreund denkt an die Zwillinge Erwin und Helmut, die erst für die Borussia aus Mönchengladbach spielten, mit Kickers Offenbach und später auch noch mit Schalke 04 Deutscher Pokalsieger wurden. Helmut stand im Kader der Nationalmannschaft, die 1974 den WM-Titel gewann, Erwin war zwei Jahre zuvor bereits Europameister geworden und hat zudem auch noch einen bronzenen Bravo-Otto im Regal stehen, den er 1973 erhielt – vor ihm lagen bei der damaligen Wahl der Jugendzeitschrift lediglich Gerd Müller und Günter Netzer. Dass die Kremers-Zwillinge sich auch gemeinsam als Sänger versuchten, sei nicht unerwähnt; für die ZDF-Hitparade hat's allerdings nicht gereicht.

Zur gleichen Zeit wurde in Birten vielleicht im Vereinsheim gesungen. Von Pokalen und Ehrungen war die dortige Viktoria allerdings doch weiter entfernt als die Zwillinge aus Gelsenkirchen. Immerhin, mit dem Namen Kremers durfte auch der Club aus dem Xantenener Süden mithalten. Mehr noch: Gleich dreifach waren in den 70-er und 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Kremers-Brüder im Trikot der Viktoria unterwegs – allerdings nie gemeinsam, weil zwischen Jakob, dem Ältesten, und Josef, dem Jüngsten im Bunde, dann doch 14 Jahre lagen. Was aber noch wichtiger ist: Während die Kremers-Zwillinge heute dem Fußballsport weitgehend entsagt haben, halten Jakob und Heinz Kremers, der Mittlere im Trio, ihrem Heimatverein immer noch die Treue und engagieren sich zudem seit Jahren in ehrenamtlicher Funktion für den Fußballkreis Moers.

Jakob Kremers, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, begann als kleiner Steppke in der D-Jugend der Viktoria und hielt als Verteidiger später die Abwehr der ersten und zweiten Birtener Mannschaft zusammen. Beide Teams hat er anschließend auch trainiert und war von 2000 an zudem sechs Jahre lang erster Vorsitzender des Clubs. In seine Trainerzeit fiel auch ein dritter Platz, mit dem die Viktoria eine ihrer besten Platzierungen in der B-Liga erreichte. „Prompt haben andere Vereine unsere besten Spieler abgeworben“, erinnert er sich. „Und im Jahr darauf sind wir dann abgestiegen.“

1965 gab Jakob Kremers bereits als Trainer der D-Jugend die Kommandos an der Seitenlinie und war somit auch der erste Coach seines sechs Jahre jüngeren Bruders Heinz. Einige Jahre später standen beide gemeinsam im Birtener Team, ehe sich der Jüngere die damals noch schwarze Kluft der Unparteiischen überzog. „Ich habe mich als Spieler über die Schiedsrichter geärgert, die nur den Radius eines Bierdeckels hatten“, sagt er. „Also bin ich selber Schiri geworden.“ Und das über 32 Jahre lang; erst 2014 hing Kremers II die Pfeife an den Nagel. Da war längst schon die Arbeit in der Moerser Kreisspruchkammer hinzu gekommen. Nachdem Heinz Kremers bereits Ende der 80er für drei Jahre in der Jugendspruchkammer gesessen hatte, ist er seit 2001 Mitglied des Moerser Kreissportgerichts. Erst als Beisitzer, seit 2010 als dessen offizieller Vorsitzender, der die Verhandlungen mit seinen derzeitigen Beistzern Marcin Baluch, Sven Dielkus und Dunja Gooßens leitet und die fälligen Urteile verkündet.

„Nach den Sitzungen werden nicht alle froh aufgestanden sein“, sind ihm einige Urteile noch in bester Erinnerung. Der TuS Xanten etwa verspielte 2014 durch eine entdeckte und folglich bestrafte Schummelei seinen möglichen Bezirksliga-Aufstieg; die Fälle und Verhandlungen der beiden Spielabbrüche nach tätlichen Angriffen auf Schiedsrichter in Budberg und Asterlagen fanden im vergangenen Jahr auch überregionales Interesse und sorgten für Schlagzeilen. „Die meisten Verhandlungen verlaufen unauffälliger oder werden schriftlich behandelt“, stellt Kremers aber klar. Im Schnitt stehen rund 65 Verhandlungen jährlich an; das vergangene Jahr zeigte mit 86 Terminen aber einen Anstieg.

Ist Heinz Kremers' Terminbuch also oft genug ausgefüllt, würde sich Bruder Jakob dagegen gerne etwas mehr Arbeit wünschen. Seit zwei Jahren ist er dafür verantwortlich, dass die Kasse des Kreises stimmt (das tut sie), nachdem er vor vier Jahren auch schon als Ehrenamtsbeauftragter benannt wurde. Damit ist er nicht nur das Bindeglied zwischen den Vereinen und dem Kreisvorstand, in seinen Aufgabenbereich fällt auch die Würdigung der Ehrenamtler an der Basis. „Die Vereine können aus ihren Reihen Mitarbeiter benennen, die wir dann dem DFB zur Aufnahme in den „Club 100“ vorschlagen – eine besondere Anerkennung für ihre Tätigkeit“, erklärt Jakob Kremers. „Es kommen aber viel zu wenige Vorschläge“, nennt er die Resonanz seitens der Clubs des Kreises „steigerungswürdig“.

Die Brüder wohnen auch heute noch in Birten Haus an Haus. Der Nachwuchs der Familie allerdings trägt nicht mehr das Trikot der Viktoria – die hat ja bekanntlich keine Fußballerinnen in ihren Reihen. Kerstin und Steffi, die Töchter von Heinz, treten seit Jahren für den Bezirksligisten SSV Lüttingen an und sorgen so dafür, dass der Name Kremers auch weiterhin einen guten Klang im Fußallsport hat.