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Fußball: Der Hallenfußball hat keine Zukunft

Fußball : Der Hallenfußball hat keine Zukunft

Der DFB will, dass Turniere ab 2016 nur noch als Futsal-Variante stattfinden. Das gilt auch für Stadtmeisterschaften.

In der Sportschule Wedau trafen kürzlich erstmals Futsal-Mannschaften aus allen 21 Fußballverbänden des DFB aufeinander. Sieger wurde Hamburg. Die Niederrhein-Auswahl belegte nach einem Sieg, einem Remis und drei knappen 1:2-Niederlagen übrigens nur Platz 19. Die Spitze des nationalen Verbands war verzückt: Denn in Duisburg wollte jeder Futsal spielen. Das sieht an der Basis ganz anders aus. "Futsal ist eine tolle Sache und gefällt mir hervorragend. Ich kann das ganze Gemeckere nicht nochvollziehen", sagte Hans-Dieter Wichert, der Vorsitzende des Fußballkreis Moers.

Ihm gefällt diese Variante sehr, vielen Amateurspielern anscheinend nicht. "Die meisten haben sich doch mit Futsal noch nie richtig beschäftigt - geschweige denn gespielt", so Wichert. Das dürfte sich spätestens im nächsten Winter ändern. Denn für 2016 sieht der DFB vor, alle offiziellen Hallenturniere nur noch als Futsal-Veranstaltungen austragen zu lassen. Der Hintergrund ist, dass Futsal die einzige von der FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs ist. Im Gebiet des Fußball-Verbandes Niederrhein (FVN) und Kreis Moers kommt Futsal dagegen weniger gut an. Bei offiziellen Turnieren wie Stadtmeisterschaften wird der klassische Hallenfußball bevorzugt. "Wir haben noch nichts Offizielles vom Verband gehört. Aber ich gehe davon aus, dass Hallenturniere mit Beginn des nächsten Jahres nur genehmigt werden, wenn mit dem Futsal gespielt wird", meint Wichert. Im Ruhrgebiet haben zahlreiche Vereine bereits angekündigt, unter diesen Voraussetzungen nicht mehr um den jeweiligen Stadttitel spielen zu wollen. Auch in Rheinberg hatten sich die Clubvertreter vor den letzten Titelkämpfen gegen die Futsal-Variante entschieden.

Dabei hat der DFB klar gemacht, dass er von seiner Entscheidung nicht mehr abrücken wird. Deutschland ist neben Zypern und Luxemburg übrigens das einzige Land in Europa ohne Futsal-Nationalmannschaft. Über Workshops könnten Trainer, Spieler und auch Schiedsrichter an die Unterschiede zum Fußball herangeführt werden. "Körperlos", wie häufig zitiert wird, ist Futsal übrigens nicht. Zweikämpfe gibt es wie unter freiem Himmel. Lediglich die Grätsche ist tabu. Ansonsten halten sich die Regelunterschiede zum klassischen Hallenfußball in Grenzen. Das Spielgerät wird beim Futsal eingekickt, der Torwart darf den Ball bei einem Rückpass nur einmal berühren, als normale Spieleröffnung aber über die Mittellinie werfen oder auch Tore schießen. Es werden Mannschaftsfouls gezählt, es gibt direkte Freistöße und eine Vier-Sekunden-Regel für ruhende Bälle sowie den Ballbesitz des Torwartes. Wird diese Zeit überschritten, wechselt der Ballbesitz. Auf die im Futsal übliche Nettospielzeit (Zeitstoppen bei Spielunterbrechungen) würde man bei Turnieren im Hinblick auf einen Zeitplan wohl verzichten.

Hans-Dieter Wichert schaut gerne bei Futsalturnieren vorbei, weil es weniger Bolzerei, dafür mehr Kabinettstückchen zu sehen gibt. Erst am vergangenen Sonntag beim Kreisturnier der B-Juniorinnen war er zugegen. "In den letzten sieben Spielen gab's nur ein Foulspiel. Mir fällt nichts ein, was gegen Futsal im Kreis Moers spricht."

(RP)