Büdericher SV feiert 100. Geburtstag und bringt Chronik heraus

Jubiläum des Büdericher Spielvereins : 90 Seiten über 100 Jahre SV Büderich

Am 19. März 1919 wurde der SV Büderich gegründet. Zum Hundertjährigen ist Chronist Hans-Jörg Hackstein in die Tiefen der Vereinsgeschichte eingetaucht. Er gibt Einblicke in historische Begebenheiten, erzählt Anekdoten und wagt einen Ausblick.

Dass Josef Ingendoh am Abend des 19. März 1919 ausnahmsweise länger aufbleiben durfte, hatte er dem Umstand zu verdanken, dass er Namenstag hatte. Dass er aber dadurch Zeuge einer für den kleinen Ort Büderich historischen Entwicklung werden würde, hätte sich der damals sechsjährige Stöpsel wohl nicht gedacht. Denn just an diesem Abend trafen sich in der Küche der Ingendohs 19 junge Männer, um einen Sportverein aus der Taufe zu heben: Den Büdericher Spielverein 1919.

Heute vor 100 Jahren wurde der BSV gegründet – und Josef Ingendoh ist es zu verdanken, dass dieses Datum in den Geschichtsbüchern festgehalten werden kann. Denn bereits zum 70. Geburtstag des Vereins schrieb Ingendoh einen Brief an den Verein, in dem er seine Erinnerungen an den Gründungsabend detailliert schilderte. Aus unklaren Vermutungen zur Gründung des Vereins wurden bestätigte Fakten.

Diese und weitere Anekdoten sind in der Chronik nachzulesen, die der Verein anlässlich seines hundertjährigen Jubiläums nun erstellt hat. Genauer gesagt war es Hans-Josef Hackstein, der in den vergangenen Monaten mit Hilfe einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe in die Vereinsgeschichte eingetaucht ist und die Historie des BSV nun auf knapp 90 Seiten niedergeschrieben hat. „Erst wollte ich das gar nicht tun. Aber Mia Angenendt, die Leiterin der Breitensportabteilung, hat so lange auf mich eingeredet, bis ich letztlich eingewilligt habe“, erzählt Hackstein. „Es hatte sich nur kein anderer gefunden und ich hatte auch noch nie eine Chronik geschrieben.“

Das Protokoll der Gründungsversammlung des BSV. Quellen lassen vermuten, dass es erst sechs Wochen später niedergeschrieben wurde. Foto: Markus Plüm

Doch Hackstein kniete sich in seine Aufgabe, sichtete historische Quellen und Protokollbücher, durchforstete Zeitungsartikel, las vorherige Chroniken. Alle zwei Wochen traf er sich mit seinen Mitstreitern, um die aktuellsten ERgebnisse seiner Forschungen zu besprechen. Herausgekommen sind 90 Seiten voller Erzählungen, Geschichten und Anekdoten, aufgeteilt in zwölf Kapitel. „Ich bin froh, dass mir weitestgehend freie Hand gelassen wurde“, sagt Hackstein. Er schildert die Geschehnisse rund um die Gründung, erzählt von der anfänglichen Suche nach einem Spielfeld, nach Toren, nach Geld. Berichte über Siege und Niederlagen, Auf- und Abstiege und die Gründung der Leichtathletik-Abteilung, die schnell von sich Reden machte, folgen.

Die Gründungsmannschaft des BSV im Jahr 1919 auf den Rheinwiesen an der alten Pumpstation. Foto: Markus Plüm

„Wie viele Arbeitsstunden da drin stecken, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Aber teilweise musste meine Frau mich um halb zwei Nachts daran erinnern, wie spät es eigentlich schon ist“, beschreibt Hackstein die Arbeit, die er sich machte. Die im Ergebnis aber auch zeigt, wie vielseitig der BSV aufgestellt ist. So betont Hackstein die enorme Bedeutung der Breitensport-Abteilung nach dem Zweiten Weltkrieg für die weitere Entwicklung des Vereins und seiner Strukturen. „Diese Abteilung trägt heute maßgeblich den Verein mit seinen knapp über 1000 Mitgliedern“, sagt der Chronist.

Die Niederrheinstaffel in den 1930er-Jahren mit den BSV-Läufern Paul Gardemann (3.v.l.) und Bernhard Wanders (3.v.r.) vor einem Wettkampf in Königswinter. Foto: Markus Plüm

Aber Hackstein verschweigt auch die Probleme nicht, die sich in den vergangenen Jahren immer mal wieder ergaben. So thematisiert er, wie 1980 nahezu die gesamte erste Fußball-Mannschaft zurücktrat, weil der Verein die – im Amateursport eigentlich verbotenen – Prämienzahlungen an die Spieler einstellte. Und auch die derzeitigen Schwierigkeiten mit Nachbarn und der aktuellen Nutzungsvereinbarung der Sportanlage an der Schützenstraße sind Gegenstand Hacksteins Schilderungen. „Diese ist für uns auf Dauer existenzbedrohlich, darauf wollen wir auch aufmerksam machen“, sagt dazu der Vereinsvorsitzende Simon Schwirtz.

Die Zusammenfassung der Vereinsgeschichte endet im Jahr 2017. „Eines lässt sich sagen: Auf- und Abstiege gab es immer. Daher sollte man die aktuelle Verfassung unserer Fußballer nicht allzu ernst nehmen“, sagt Hackstein mit einem Augenzwinkern. Doch er wirft auch einen Blick nach vorn. „Hat der klassische Verein noch Zukunft? Müssen wir uns auch den heutigen Gegebenheiten anpassen? Diese Fragen versuche ich zu beantworten.“

Vielleicht werden Hacksteins Geschichten und Anekdoten in einigen Jahren für künftige Chronisten ja ebenso aufschlussreich sein wie die Erlebnisse des kleinen Josef Ingendoh am 19. März 1919 – der Geburtsstunde des Büdericher Spielvereins.

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