Immer weniger Mannschaften im FVN : Dem Amateur-Fußball geht die Luft aus

Womöglich hat der SSV Bönninghardt auch in der nächsten Saison keine Fußball-Mannschaft. Doch damit ist er nicht allein. Der Niederrhein-Verband meldet alamierende Zahlen. Im Vergleich zu 2000 gibt’s heute über 300 Senioren-Mannschaften weniger.

Seit einigen Monaten ist es ruhiger auf der Sportanlage in Bönninghardt. Torjubel sind nicht mehr zu hören. Beim BSV 1951 Rot-Weiß gab’s einen Einschnitt in der Clubhistorie. Es wird in dieser Saison nicht mehr um Punkte in Bönninghardt gespielt. Der BSV konnte erstmals keine einzige Männer- und keine einzige Jugend-Mannschaft mehr am Spielbetrieb anmelden. Die Bönninghardter stehen nicht allein da und teilen das Schicksal mit anderen Vereinen.

Die Verantwortlichen des Fußballverband Niederrhein (FVN) verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Gab’s in den 13 zum FVN gehörenden Kreisen vor 18 Jahren noch 1650 Senioren-Mannschaften, sank die Zahl bis 2018 auf 1320. „Wir versuchen schon seit längerem, mit neuen Wettbewerben den negativen Trend aufzuhalten und im besten Fall neue Spieler hinzu zu gewinnen“, sagt Wolfgang Jades, Vorsitzender des Fußball-Ausschusses. Er verweist unter anderem auf den veränderten Modus in den C-Ligen im Kreis Moers sowie Kreis Düsseldorf mit Aufstiegs- und Fairplay-Runde. Oder aber auf die Möglichkeit, einen vierten Spieler einzuwechseln.

FVN-Ausschussvorsitzender Wolfgang Jades will den Trend umkehren. Foto: FVN/nj

Im Kreis Moers kämpfen einige Fußball-Abteilungen um die sportliche Existenz. Wie in Bönninghardt konnte auch der SV Haesen-Hochheide in dieser Saison in keiner Altersklasse eine Mannschaft stellen. Bei der DJK Wardt gibt’s nur noch ein C-Liga- und ein F7er-Team. Beim SuS Rayen sowie TuS Baerl sieht’s ähnlich düster aus.

„Es ist auch das veränderte Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen, das die Zahlen sinken lässt. Hinzu kommen die geburtenschwachen Jahrgänge“, weiß Jades. Zudem haben es die Clubs immer schwerer, Übungsleiter und Vorstandsmitglieder zu finden. Das sei aber ein allgemein gesellschaftliches Problem.

BSV-Vorsitzender Daniel Shaltookchi hat noch keine positiven Neuigkeiten zu vermelden. Foto: Armin Fischer

Und Jades kennt einen der Hauptgründe, warum es immer weniger Mannschaften im Alt-Herren-Bereich gibt: „Viele Spieler haben keine sportliche Heimat mehr, weil sie im Laufe ihrer Karriere oft den Verein wechseln. Das war früher anders.“ Die Entscheidungsträger im FVN stehen im engen Kontakt und machen sich ihre Gedanken, wie der Fußball an Attraktivität zurückgewinnen kann. Jades: „Man muss sich halt immer wieder was einfallen lassen. Wir sprechen jetzt schon über kurz-, aber auch mittel- und langfristige Lösungen.“

Ob in der Saison 2019/20 in Bönninghardt wieder der Ball rollt, ist fraglich. So sagt der Vorsitzende Daniel Shaltookchi: „Wir stehen zwar weiterhin im Kontakt mit vielen Spielern und hoffen, dass wir gegebenenfalls eine Mannschaft stellen können. Leider können wir aktuell noch keine positiven Nachrichten vermelden.“ Für Bönninghardts Ortsvorsteher Herbert Oymann war Fußball spielen beim BSV auch immer Kommunikation der Dorfbewohner auf dem Rasen. „Doch bei uns wird ja weiter Sport getrieben. Der Verein ist nicht tot. Klar ist es nicht schön, dass es derzeit bei uns keinen Fußball mehr gibt. Aber man darf deswegen nicht aufgeben.“

Ortsvorsteher Herbert Oymann sieht den Profifussball in der Verantwortung. Foto: Armin Fischer (arfi)/Fischer, Armin (afi)

Oymann fordert ohnehin ein grundsätzliches Umdenken auf allen Ebenen, um wieder mehr Kids auf den Platz zu locken: „Wie verlässlich ist denn noch der Amateurfußball, wenn es der Profifußball nicht mehr ist und dort nur der Kommerz zählt?“

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