Tanzsport : Auf zum WM-Battle nach Polen

Jule Meyer von den Quibbles wird in der nächsten Woche bei der Weltmeisterschaft der Breakdancer dabei sein.

Sie hatte die Wahl: Entweder in den Herbstferien mit den Eltern und den beiden jüngeren Brüdern nach Mallorca fliegen oder einen Großteil der schulfreien Zeit in einer Turnhalle in Xanten verbringen. Jule Meyer entschied sich für den Sport.

Die 16-Jährige will schließlich nächsten Dienstag in den Flieger steigen, der sie nach Polen bringt. Nicht, um Urlaub zu machen, sondern um dabei zu sein, wenn in Kielce die Weltmeisterschaft im Breakdance ausgetragen wird. Begleitet wird sie von ihrer Mutter und Trainer Rico Surace. Der 26-Jährige mit französischen Wurzeln, der in Xanten aufwuchs, ist neu bei den Quibbles, der Tanzsportgemeinschaft, die sich vor allem durch die Rock-n-Roller weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat.

 Xanen - Bewegungssporthalle - Jule Meyer fŠhrt zur Breakdance WM 
hier 
im Training mit Frederic Surace
Xanen - Bewegungssporthalle - Jule Meyer fŠhrt zur Breakdance WM hier im Training mit Frederic Surace Foto: Fischer, Armin (arfi)

Frederic (Rico) Surace löst Yasin Erden ab, der bislang die Breakdancer wie Jule bei den Quibbles trainierte. Erden hatte die Tänzerin fit gemacht für die Europameisterschaften Ende Juni in Bremerhaven, wo insgesamt 2000 Sportler am Start waren und sie den Titel holte.

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In Polen startet Jule in der Erwachsenen-Klasse, die beim Breakdance mit 16 Jahren beginnt. Am Mittwoch, 24. Oktober, finden den ganzen Nachmittag die Vorrunden bis zum Halbfinale, tags drauf die „Battles“ um Platz drei und das Finale statt. Es wird im K.o.-System getanzt. Zwei Breakdancer stehen sich bei den „Zweikämpfen“ gegenüber, die Musik fängt an (sie wird vom Turnier-Veranstalter vorgegeben), einer beginnt, den Gegner zu umtanzen, nach einigen Sekunden wird gewechselt. So geht es etwa drei Minuten, dann ist ein Battle vorbei.

Andreas Ahls, Vorsitzender der „Quibbles“, ist überzeugt, dass es Jule zumindest bis ins Halbfinale schafft. Denn die Konkurrenz aus Übersee habe nicht gemeldet. „Gegen die jungen Sportler aus Amerika hätten wir absolut keine Chance“, gibt Ahls zu, um gleich hinterher zu schieben, dass Breakdance „immer noch eine Männer-Domäne“ ist und es nicht allzu viele junge Frauen gibt, die ganz oben mitmischen.

Jule Meyer ist eines dieser Talente. Vor zwei Jahren hat sie sich dieser Tanzform verschrieben, die in den frühen 70er Jahren in Manhattan und der südlichen Bronx in New York entstanden ist als Teil der Hip-Hop-Bewegung unter afroamerikanischen Jugendlichen. Anstatt sich weiter in den Ghettos zu prügeln, haben die Gangs angefangen, auf den Straßen gegeneinander zu tanzen, zu Pop, Funk oder Hip-Hop- Heute ist Breakdance eine weltweit verbreitete und anerkannte Tanzform, die sich als frei von Grenzen, der Rasse, des Geschlechts oder des Alters begreift und von den Tänzerinnen und Tänzern eine hohe Disziplin und athletische Fähigkeiten, Koordination, Gelenkigkeit verlangt.

Alles bringt Jule Meyer mit. Sie turnt seit sie sechs Jahre alt ist, spielt Klarinette im Schulorchester (sie besucht die 11. Klasse des Stiftsgymnasiums), engagiert sich in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften an der Schule. Ihre Schwachstelle sei die Ausdauer, sagt sie und legt in der Landwehr-Turnhalle mal eben einen einarmigen Handstand-Überschlag mit halber Drehung hin. Auch die wesentlichen Elemente des Breakdance beherrscht die junge Xantenerin: Das Rotieren auf einer Körperstelle (Powermoves) und auf dem Kopf (Headspin), das Tanzen im Stehen (Top Rocking) und auf dem Boden (Footworks), das Verharren in einer möglichst eindrucksvollen Position (Freezes).

„Die Basics sollte man drauf haben,“ kommentiert Trainer Surace, „und natürlich auch ein Gefühl für Musik“. Viel wichtiger seien aber die Körperspannung und die akrobatischen Elemente, so der 26-Jährge, der seit zehn Jahren tanzt, seit sechs Jahren an einer Tanzschule in Geldern unterrichtet und vorher Kampfsport gemacht hat: Karate, Thai-Boxen, WingTsun („da war ich auch schon ein paar Mal Landesmeister“). Leben könne man vom Kampfsport oder Streetdance alleine aber nicht: Ein Plan B sei wichtig, sagt er – seiner ist eine mobile Cocktailbar.

Jogginghose, -Shirt, rutschfeste Turnschuhe und eine Mütze: Das ist auch das „Equipment“, das Jule Meyer in ihrer Sporttasche hat, wenn sie nach Polen fliegt. Die Mütze ist wichtig für die Drehungen auf dem Kopf, die Jogginghose ist zumindest ein wenig Pufferzone gegen die blauen Flecken, die sich Breakdancer ständig holen. Zwei Mal in der Woche trainiert sie in der Bewegungshalle, jeweils „zwei bis drei Stunden, erst Breakdance, dann HipHop. Und dann bin ich platt“.

Das wären andere schon in deutlich kürzerer Zeit. Auch samstags fährt sie oft mit dem Rad zur Halle, nimmt am freien Training mit Luka Sommer teil. Sie freut sich auf die WM in Polen. „Ich fände es cool, wenn ich ins Finale käme. Aber ich weiß nicht, wie stark die Sloweninnen sind.“ Die waren bei der Europameisterschaft in Bremerhaven nicht dabei.