Aus den Vereinen: Bewegt älter werden

Mit einem neuen Programm möchte der LandesSportBund Vereine animieren, Senioren mehr Angebote zur Verfügung zu stellen. Diese Zielgruppe werde zu oft ignoriert. Doch es gibt schon Clubs, die umgedacht haben.

Die Prognosen zur Entwicklung der Altersstruktur der Menschen in Deutschland müsste die Vorsitzenden der Vereine eigentlich längst zum Umdenken animiert haben. 2025 wird jeder dritte Bürger 60 Jahre und älter sein, der Anteil der unter 20-Jährigen macht lediglich nur noch knapp 17 Prozent aus. Eine Vorhersage, die sich nicht in den Angeboten der meisten Clubs widerspiegelt. "Es muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit alle Sportvereine erkennen, dass ältere Menschen eine Zielgruppe mit großer Zukunftsperspektive sind", sagte Walter Schneeloch, der Präsident des nordrhein-westfälischen LandesSportBundes (LSB). Der LSB, der weiter mitteilte, dass aktuell lediglich 17 Prozent der älteren Männer und Frauen über 60 im Sportverein organisiert sind, hat daher das Programm "Bewegt älter werden in NRW!" gestartet.

"Mit dem Thema befassen"

"Wir müssen uns schleunigst mit diesem Thema befassen, damit uns nicht die Mitgliederzahlen wegbrechen", so Ulrich Glanz, der Vorsitzende des Rheinberger Stadtsportverbandes (SSV), der die Ossenberger Concordia als positives Beispiel nennt. Glanz spricht "diesbezüglich von einem Vorzeigeclub". Er vermutet, dass andere Vereine in Rheinberg womöglich weniger Initiative zeigen, "weil Räumlichkeiten und ausgebildete Übungsleiter" fehlen. Bedenken, die auch Theo Rous vom Alpener Gemeindesportverband äußert. Die Vereine müssten dennoch zum Umdenken animiert werden.

Der SV Vynen-Marienbaum stellt sich seit längerer Zeit auf die Wünsche der Senioren ein. "Die demografische Entwicklung ist bekannt. Wir versuchen, unseren älteren Mitgliedern möglichst vielfältige Angebote zur Verfügung zu stellen, die wir noch weiter optimieren wollen", so der Vorsitzende Werner Bochers. Denn er und sein Team haben festgestellt, dass die Senioren durchaus bereit sind, für ihre Gesundheit und das Wohlbefinden etwas zu tun. Lange Wege zu den Hallen und Räumen sollen ihnen möglichst erspart bleiben. "Sport macht doch in jedem Alter Spaß", weiß Borchers, der die Stuhl-Gymnastik hervorhebt. Sie sei "seit Jahren der Renner". 32 Mitglieder zwischen 65 und 87 Jahren treffen sich regelmäßig. Borchers möchte demnächst Projekte anstoßen, die über den normalen Sport hinausgehen, in die junge mit ältere Mitglieder gemeinsam eingebunden sind.

Bewegungsdrang fördern

Der KreisSportBund (KSB) Wesel mit Heinrich Gundlach an der Spitze verstellt sich den Erkenntnissen des LSB nicht. In einer Hauptausschusssitzung sei bereits über das Thema gesprochen worden. "Noch viel zu wenig Vereine zeigen Interesse an dem Sportverhalten der älteren Zielgruppe", weiß Gundlach, der auch Vorsitzender des TuS Xanten ist. In dem Club habe längst ein Umdenken stattgefunden. Erst bei der jüngsten Mitgliedererhebung hat er festgestellt, dass bei den Neuaufnahmen die Älteren deutlich die Nase vorn hatten. Ein deutliches Signal. "Wir müssen diese Zielgruppe im Auge behalten und ihren Bewegungsdrang intensiv fördern."

(RP)
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