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Lokalsport: Als ein Zuschauer das Siegtor schoss

Lokalsport : Als ein Zuschauer das Siegtor schoss

Der SV Ginderich feiert sein 90-jähriges Bestehen. Vorsitzender Georg Lörcks kann einige Anekdoten aus der Geschichte des Clubs erzählen, der gut aufgestellt ist, weil er mit Erfolg auch auf die Karte Breitensport setzt.

Georg Lörcks kennt große Teile der Vereinsgeschichte. Der aktuelle Vorsitzende des SV Ginderich gehört dem Club seit 1962 an. Kein Wunder, dass der 63-Jährige über etliche Anekdoten zu berichten weiß, die er an diesem Sonntag auch zum Besten geben will. Der Anlass ist ein runder Geburtstag. Der SV Rheinkraft Ginderich feiert sein 90-jähriges Bestehen. Fußballbegeisterte riefen im Frühjahr 1926 den Verein ins Leben, der zu Beginn noch den Namen DJK Ginderich trug.

Zur Kirmes in Ginderich trug das Fußball-Team noch im selben Jahr sein erstes Spiel aus. Gegner war eine Mannschaft aus Kevelaer. Ottens Weide diente als Spielfeld. Dort trafen sich die Kicker aber nur zu den Partien. Training war damals gänzlich unbekannt. Von der B-Klasse ging es über die A- bis zur Gau-Klasse, ehe der Spielbetrieb 1931 zum Erliegen kam. Später wurden die DJK-Vereine dann verboten. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte der Sport wieder auf. In der Gaststätte Tenhaef erfolgte 1946 die Gründung des SV Rheinkraft Ginderich.

Der fand zunächst auf dem Platz An der Heidekuhle eine Heimat, 1955 folgte der Umzug zur Anlage zwischen dem Papenweg und Am Honigacker. Neben der Grundschule entstand 1964 eine kleine Turnhalle, die vom Club genutzt wurde. In direkter Nachbarschaft wurde ein Ascheplatz gebaut, der 1978 eingeweiht wurde. Die Zahl der Mitglieder wuchs in der Zeit immer mehr an, erstmals zählte der Club mehr als 600 Sportler. Die Interessen verlagerten sich, der Breitensport gewann immer mehr an Bedeutung beim SV Ginderich.

2001, als das 75-jährige Bestehen gefeiert wurde, waren 721 Sportler im Verein aktiv. Nur wenig später gab es die ersten Gespräche über eine Kooperation im Bereich Jugend-Fußball mit dem Lokalrivalen SV Büderich. Eine Spiel-Gemeinschaft wird aber erst jetzt, zur neuen Saison, installiert. "Der Vertrag ist unterschrieben", sagt der Gindericher Vorsitzende.

Wie viele Teams die SG Büderich/Ginderich bei der Jugend in den Spielbetrieb des Fußball-Kreises Moers schicken kann, dies wird sich allerdings erst nach den Ferien entscheiden. Für Georg Lörcks ist die Konkurrenz aus Veen, Menzelen und Sonsbeck bei den Nachwuchskickern klar im Vorteil. "Wir haben ein riesiges Problem, weil diese Vereine in der Nachbarschaft Kunstrasenplätze haben. Diese Entwicklung hat die Stadt Wesel total verpennt", sagt der Vorsitzende.

In dem derzeit 630 Mitglieder zählenden Verein entwickelte sich der Breitensport zu Beginn des neuen Jahrtausends immer besser. Dieser Trend hält 2016 an. 15 Gruppen existieren außerhalb des Fußballs, hinzu kommt noch Tischtennis. Auf einer Boule-Bahn frönen die Gindericher einer der Lieblingssportarten der Franzosen. "Als Verein sind wir gut aufgestellt. Allerdings glaube ich, dass wir bei den Fußballern auch im Seniorenbereich in den kommenden Jahren mit einem anderen Verein eine Spiel-Gemeinschaft bilden müssen", sagt Lörcks.

Davon haben sicherlich nicht viele eine der Kuriositäten in der Geschichte des Clubs miterlebt, deren Zeuge Georg Lörcks als Kind war. Mitte der 60er-Jahre kickte der SV Ginderich auf eigener Anlage in der Kreisliga A gegen den TuS Fichte Lintfort. Der Gastgeber gewann die Begegnung mit 1:0. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn es nicht diesen seltsamen Torschützen gegeben hätte. Kein Spieler, sondern ein neben dem Pfosten stehender Zuschauer setzte den Lederball ins Netz. Der Schiedsrichter erkannte den Treffer an. "Das gab eine Heidenaufregung. Am Ende musste sogar die Polizei kommen", erinnert sich der heutige SVG-Vorsitzende.

Weniger Aufsehen erregte dagegen die Aktion von Tischtennisspieler Uwe Pieper. Seine Mannschaft lag hoffnungslos zurück, am Sicherungskasten sorgte er für den Ausfall des Lichts. Dies half allerdings nichts. Die Aktion blieb nicht unbemerkt, und die Punkte waren doch futsch.

Anekdoten aus der bewegten Geschichte eines 90 Jahre alten Sportvereins.

(RP)