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Alpen: Karl-Heinz Freckmann bietet Fitness gegen das Altern in Menzelen an

Ganzer Körper wird trainiert : Der Fitness-Kampf gegen das Altern

Karl-Heinz „Charly“ Freckmann gibt Ganzkörperfitness-Kurse in Menzelen und Wesel. Die Teilnehmer sollen damit das Älterwerden verzögern. Aktuell läuft alles virtuell ab, aber der 64-Jährige ist optimistisch und hat noch weitere Pläne.

Beim Sport wird nicht zwischen Ost und West – so heißen die beiden Ortsteile von Menzelen – unterschieden. Es gibt nur einen Sportverein, den SV Menzelen. Und es gibt nur eine Sportanlage, die an der Ecke Bundesstraße 57/Ringstraße. Und seit zwei Jahren gibt es mit Karl-Heinz „Charly“ Freckmann auch einen Mann, der sich ein Leben ohne Sport wahrlich nicht vorstellen kann und davon überzeugt ist, dass jeder gegen das Altern antrainieren kann.

„Man kann das Älterwerden ja leider nicht verhindern, aber deutlich verzögern“, sagt der 64-Jährige, der mit seiner Frau Ute in Büderich lebt und seit zwei Jahren beim SV Menzelen und beim Skiclub in Wesel Menschen zeigt, wie man sich fit hält. Derzeit nur virtuell, demnächst aber wieder real.

Ganzkörpertraining nennt sich die Mischung aus Kardio-, Kraft-, Ausdauer-, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen. „Wir machen knallharten Sport. Das ist kein Weicheier-Training“, sagt der 64-Jährige und appelliert an Männer, es den Frauen gleichzutun, die regelmäßig etwas für die eigene Fitness machen. Denn die Mehrzahl der Kursteilnehmer ist weiblich. In Menzelen sind es um die 15 Frauen, die jüngste ist Anfang 30, die älteste Mitte 60. In Wesel sind die beiden Gruppen gemischt, 25 Kursteilnehmer sind es montags um 18 Uhr, bis zu 10 am gleichen Abend um 20 Uhr. Die jüngste Teilnehmerin ist Mitte 30, die ältesten sind mehr als 80 Jahre alt. Alle verfolgen das gleiche Ziel: „Sie versuchen, sich ihr Alter angenehm zu machen, indem sie beweglich bleiben“, sagt Freckmann.

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Das geschieht derzeit nur auf dem digitalen Weg. Alle suchen sich zu Hause ein Plätzchen, an dem man sich frei bewegen kann. Eine Iso-Matte und eine Trinkflasche mit 1,5 Litern Wasser sollten bereitgestellt werden. „Damit kann man Krafttraining machen. Man braucht sich nicht extra eine Hantel zuzulegen“, sagt Freckmann, der allen Kursteilnehmern einen Link und eine Zoom-Einladung geschickt hat.

Der Computer oder Laptop daheim wird so aufgestellt, dass die Kamera den Trainierenden komplett erfasst und Freckmann bei den Übungen korrigieren kann. „Ich bin der Vorturner“, sagt er. Rumpfbeugen, Arme strecken, auf einem Bein stehen und das andere abwechselnd in alle vier Himmelsrichtungen strecken, den Hampelmann machen, in den Liegestütz gehen (Freckmann: „Das mögen Frauen nicht – warum das so ist, weiß ich auch nicht“), Rücken an Rücken gemeinsam in die Hocke gehen: Gut 100 Übungen hat Freckmann im Repertoire, die mit Terra-Bändern, Medizin- und Gymnastikbällen, Langhanteln kombinierbar sind.

Aber er weiß auch, dass er noch so viel Übungen anbieten und vorturnen kann, wie er will: „Wenn die Leute nicht motiviert sind, dann bringt das nichts.“ In jeder Stunde werden Übungen gemacht, die das Gleichgewicht, Kraft und Koordination trainieren und auch den Puls mal hochtreiben.

Seit fünf Jahren ist Freckmann Mitglied des Skiclubs Wesel, seit zwei Jahren beim SV Menzelen. „Ich habe eine ganze Reihe schwerer Bandscheibenvorfälle hinter mit. Seitdem ich wieder intensiv trainiere, ist das Thema durch.“ Die Muskulatur zu stärken, habe außerdem einen weiteren positiven Nebeneffekt: „Man hat das Gewicht unter Kontrolle.“ Besondere Voraussetzungen braucht es für das Ganzkörpertraining nicht. „Es reicht, wenn man seinen eigenen Körper mitbringt“, sagt der 64-Jährige.

Er ist ein echtes Ruhrgebiets-Kind. Geboren und aufgewachsen in Gelsenkirchen, Geografie-Studium in Bochum, während des Studiums Spielertrainer eines Basketball-Teams. Als der erste der beiden Söhne vor 28 Jahren auf die Welt kam, haben sich „Charly“ Freckmann und seine Frau Ute entschlossen, an den Niederrhein zu ziehen. Seine Leidenschaft für den Sport hat der Geo-Informatiker mitgenommen nach Büderich, wo die Familie eine neue Heimat gefunden hat.

Leichtathletik, ein paar Jahre Triathlon, Joggen, Radfahren, regelmäßig Skifahren meist irgendwo in Österreich (ein Hobby, das er mit seinen beiden Söhnen teilt), jeden Sonntag mit der Gattin Nordic Walken in der Hees. Seit 17 Jahren gehen die beiden außerdem jeden Donnerstag im Adlersaal in Menzelen-Ost tanzen – Standard und Latein. Zur Zeit frönen sie dieser Leidenschaft daheim im Wohnzimmer. Wann er mal keinen Sport macht? „Samstags, da guck ich die Sportschau“, sagt Freckmann.

Vor zwei Jahren hat er über den Kreissportbund in Geldern den Übungsleiter Breitensport gemacht, um Kurse geben zu können. „Ich hatte mich gefragt: Wat machste, wenn du mal in Rente bist?“ Weiterhin Sport, das war klar. Und Musik, auch wenn Freckmann von sich selbst sagt, dass er ein grässlich schlechter Bassist sei. „Ich habe zu Hause zwei Gitarren stehen, unser Jüngster gibt mir Unterricht.“ Der Jüngste ist mittlerweile auch schon 25, lebt in Bochum, der älteste Sohn (28) mit Frau und knapp einjähriger Tochter in Dresden. Sein drittes Ziel, wenn er Rentner ist: Reisen. „Als Geograf ist man da ja vorbelastet.“ Projekt Nummer vier reift zur Zeit in seinem Kopf: „Ich will mich politisch engagieren.“ Den Ausschlag hat Frank Schätzings Klimathriller „Was, wenn wir einfach die Welt retten“ gegeben.

Die gesunkenen Corona-Inzidenzwerte im Kreis Wesel würden es inzwischen zulassen, in einer kleinen Gruppe wieder draußen Sport zu treiben. „Aber es ist einfach noch zu frisch für Ganzkörpertraining“, sagt Freckmann.

Wenn alles wieder normal läuft, könnte er sich aber dennoch vorstellen, einmal in der Woche weiter virtuell Kurse anzubieten, mittwochs vielleicht. Und vielleicht bietet er dann auch „Balletics“ an, eine Kombination aus Ballett und Athletik. „Das habe ich mir von einem Sportdozenten aus München im Internet abgeguckt.“

Für sich selbst hat er durchaus realistische Visionen. „Charly“ Freckmann möchte sich auch noch mit Ende 80 „ohne Rollator und sicheren Schrittes fortbewegen, von Stein zu Stein hüpfen“, sagt er. Das, davon ist er überzeugt, kann man alles trainieren.