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Alpen: BSV Bönninghardt zieht sich wohl aus der Kreisliga C zurück

Nach einer Saison ist offenbar wieder Schluss : BSV Bönninghardt zieht sich wohl aus der Kreisliga C zurück

In der ersten Mannschaft gibt es erheblichen Personalmangel. Viele Spieler sind bereits im fortgeschrittenen Fußballer-Alter. Nun will der Klub ein Altherren-Team gründen.

Man könnte John van der Wielen mittlerweile als „Mister Bönninghardt“ bezeichnen. Seit 16 Jahren ist er in verschiedenen Positionen mit verantwortlich für die Fußballer des BSV Rot-Weiß Bönninghardt – zunächst als Spielertrainer, später als alleiniger Coach der zweiten und ersten Mannschaft.

Als der Klub nach nur vier absolvierten B-Liga-Partien in der Saison 2017/18 seine erste Mannschaft, damals von Ralf Baginski betreut, mangels Personal zurückziehen musste, gingen die Lichter zum ersten Mal aus. Viele Abgänge, wenig Trainingsbereitschaft und der fehlende Unterbau machten eine Aufrechterhaltung des Spielbetriebs damals nicht mehr möglich. In den zwei folgenden Spielzeiten ruhte der Ball komplett. Im vergangenen Sommer erfolgte das überraschende Comeback in der Kreisliga C.

„Wir haben alle ehemaligen Spieler gefragt, ob sie nicht nochmal Lust hätten, an die alten Zeiten anzuknüpfen“, sagt van der Wielen, der schnell viele Zusagen erhielt. Fernab von Leistungsdruck und formulierten sportlichen Zielen kämpfte der BSV wenig später wieder um Punkte. In sieben Spielen holte das Team immerhin einen Sieg und stand zum Zeitpunkt der zweiten Corona-Pause mit vier Zählern auf dem vorletzten Platz. Der Altersschnitt im Team lag jedoch bei knapp 35 Jahren. Mit Blick auf Kondition und Fitness gerieten einige Akteure schnell an ihre körperlichen Grenzen.

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„Hätten die Schiedsrichter nach 70 Minuten abgepfiffen, wären wir Dritter gewesen. Wir konnten am Ende mit den 20- bis 25-Jährigen einfach nicht mehr mithalten“, sagt van der Wielen. Während beispielsweise beim OSC Rheinhausen die Eltern ihren Kindern zuschauten, brachten die Bönninghardter Kicker ihre Kinder mit zum Platz. Allein vier Spieler bekamen seit Pandemie-Beginn Nachwuchs und stehen dem BSV künftig nicht mehr zur Verfügung. Andere suchen woanders eine neue Aufgabe. Derzeit sehe es danach aus, als könne der Verein kein Team mehr stellen, so van der Wielen. Das wohl anstehende, erneute Aus sei für die Verantwortlichen keine leichte Entscheidung.

„Durch die lange Pause im zweiten Lockdown sind alle noch ein Stück älter geworden und können sich nicht mehr aufraffen. Wir sehen nicht viel Hoffnung, dass es noch einmal funktioniert. Die Luft ist wohl raus.“ Gemeinsam mit Fußball-Obmann Jonas Nienhaus setzt sich der Klub ein Zeitlimit bis Ende Mai. Das letzte Wort ist zwar nicht gesprochen, im Hintergrund bastelt man aber bereits an einem Plan B. Mit den verbliebenen, motivierten Fußballern peilt der BSV ein eigenes Altherren-Team an. Der Vorteil: Man wäre nicht an einen terminierten Spielplan gebunden und könnte Freundschaftsspiele je nach Verfügbarkeit vereinbaren.

Fürs Erste wird auf dem Rasenplatz nur noch die Frisbee-Scheibe fliegen. Die „Black Flies Niederrhein“ haben sich neben der Turn-Abteilung in den vergangenen Jahren zum Aushängeschild des BSV entwickelt. Die jungen Mitglieder der stetig wachsenden Truppe freuen sich über eine rege Beteiligung und das eine oder andere Turnier in der Region. Auch bei den Frisbee-Freunden wurde angefragt, für den Fußball konnte allerdings kaum einer begeistert werden.

John van der Wielen ist dennoch glücklich, dass es beim BSV irgendwie weitergeht. Dem Vorstand dankt er für die Unterstützung. Für die Reaktivierung gab es viel Zuspruch zu hören. „Sie stehen auch weiterhin voll hinter uns, egal was wir machen“, sagt er. Der 46-Jährige möchte auch in Zukunft viele Kreisliga-Duelle in der Nähe besuchen. „Man kennt sich überall. Die Gemeinschaft und die Stimmung am Spielfeldrand fehlen nicht nur mir extrem.“